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Rainbow Loom: Sogar der Papst trägt jetzt Gummi

Kate Middleton hat eins. Spaniens König hat auch eins. Emma Watson, Obamas Tochter, sogar der Papst: Alle haben dieses Gummi-Dingens am Handgelenk. Jetzt erfasst die Rainbow-Loom-Welle Deutschland. Dabei gibt es preiswerte Alternativen.

Rainbow Loom: Schmuck aus Gummi Fotos
AP

Als Cheong Choon Ng den Einfall hatte, der ihn reich machen würde, verdiente er sein Geld noch mit dem Zerstören von Autos. Ng führte in den USA als Ingenieur für den Fahrzeughersteller Nissan Crashtests durch. Seine damals 9 und 12 Jahre alten Töchter bastelten gerne Armbänder aus kleinen Gummiringen, was sich für Ng selbst als schwierig erwies - er fand seine Finger zu dick. Also erdachte er ein Werkzeug, mit dem sich die entfernt an Häkeln erinnernde Technik vereinfachen ließ: einen "Webstuhl" (englisch: loom) für Gummiringe. Der erste Prototyp bestand noch aus Holz und Pinwandstecknadeln. Er nannte seine Erfindung Rainbow Loom, seine Tochter schlug vor, die Idee zu vermarkten.

Zunächst verkauften sich die Gummibänder und Werkzeuge, die Ng auf eigene Rechnung in China produzieren ließ, gar nicht gut. Dabei warben seine Töchter mit eigens hergestellten YouTube-Videos für die Idee. 10.000 Dollar, seine eigenen Ersparnisse, hatte Ng investiert.

Anzüge aus Gummi, Scherze über Kinderarbeit

2012 wurde dann der Besitzer einer US-Spielzeugkette auf das Produkt aufmerksam. Eine testweise angekaufte Charge von 24 Rainbow Looms war blitzschnell verkauft, und so erstanden die Besitzer von The Learning Express Toys weitere Webstühle und Gummiring-Pakete. "Mittlerweile macht das einen substanziellen Anteil unseres Geschäftes aus", sagte der Chef der Firma im Sommer 2013 der "New York Times".

In den USA waren die Bändchenbänder zu diesem Zeitpunkt bereits ein Massenphänomen. Eine Million Rainbow Looms hatte Ng da schon verkauft - heute sollen es drei Millionen sein. Dass sich das Produkt nahezu ausschließlich an Kinder wendet und auch noch deren Kreativität zu fördern scheint, sorgte für eine virale Marketingkampagne, die niemand hätte konzipieren, geschweige denn bezahlen können.

Mit Rainbow-Loom-Armbändern wurden bis heute gesichtet: Papst Franziskus, Kate Middleton, Prinz William und Prinz Harry, Camilla Parker-Bowles, Miley Cyrus, David Beckham, Julia Roberts, Barack Obamas Tochter Sasha, König Felipe von Spanien, Prinzessin Victoria von Schweden, Emma Watson. Den Vogel schoss der US-Late-Night-Talker Jimmy Kimmel ab - er ließ sich einen kompletten Anzug aus Gummiringen herstellen, mit dem er dann in seiner Show auftrat. Er bestehe jetzt "zu 98 Prozent aus Gummi", scherzte Kimmel und fügte hinzu, er wisse gar nicht "warum sich die Leute alle so über Kinderarbeit aufregen". Kimmels Anzug ist nicht das einzige Gummiband-Kleidungsstück - auch Bikinis und Pumps aus Loom Bands gibt es mittlerweile.

Ein Produkt, das seine eigene Vermarktung übernimmt

Doch vor allem die Tatsache, dass die meisten der bunten Bändchen von Kindern hergestellt werden, hilft bei der Vermarktung. Das "Wall Street Journal" zitierte im März einen SAP-Spitzenmanager: "Wenn Ihre Tochter Sie anschaut, nachdem sie etwas gebastelt hat und sagt 'Das ist für dich, Papa', dann gibt es nur eine richtige Antwort." Dem "WSJ" zufolge waren die Gummi-Armbänder auch an der Wall Street schon im Frühjahr ein beliebtes Accessoire für ansonsten eher konservativ gekleidete Anzugträger. Ng hat es geschafft, das virale Potenzial der guten alten Freundschaftsbändchen mit einem - mittlerweile in den USA sogar patentierten - Produkt zu verbinden. 100 Millionen Dollar soll seine Firma inzwischen wert sein.

Inzwischen hat die Rainbow-Loom-Welle Deutschland mit voller Wucht erfasst. Hunderttausende Webstühle sollen im deutschsprachigen Raum bereits verkauft worden sein. Auf Schulhöfen und in Kinderzimmern wird gewebt, was die Gummibänder halten. Sechsjährige Mädchen bieten ihre Eigenkreationen bei Flohmärkten und an den Haustüren ihrer Nachbarn zum Kauf an, bei YouTube wirft eine Suche nach Rainbow-Loom-Anleitungen auf Deutsch Zehntausende Treffer aus.

Ohne Social Media wäre der Spielzeugtrend nicht in der gleichen Form denkbar: Facebook, YouTube und andere Netzwerke spielen eine zentrale Rolle, nicht nur zum Austausch bestimmter Webmuster, sondern auch, um die Knüpferinnen und Knüpfer global miteinander zu verbinden. Eines der erfolgreichsten Rainbow-Loom-Videos, es stammt aus dem August 2013, wurde bis heute fast 27 Millionen Mal abgerufen. Es erklärt die Herstellung eines "Sternchen-Armbandes".

Berichte über gesundheitsschädliche Nachahmerprodukte

Nicht alle Eltern sind begeistert von der Gummiring-Welle. Ein Rainbow Loom Starter Set mit Webstuhl, 600 Gummiringen und ein paar Plastikhäkchen als Verschluss kostet um die 20 Euro - für diesen Preis bekäme man mehr als ein Kilo handelsüblicher Gummiringe. Natürlich gibt es längst Nachahmerprodukte. Ng liegt mit mehreren Unternehmen im Rechtsstreit, denen er Ideendiebstahl vorwirft, darunter die US-Spielwarenkette Toys 'R' Us. Einige billige Plagiate sollen zudem krebserregende Chemikalien enthalten - ein Umstand, auf den der Hersteller des Originals auf seiner Website selbstverständlich prominent hinweist.

Für alle Eltern, deren Kinder im Grundschulalter sie nun mit dem dringenden Wunsch nach einem eigenen Rainbow Loom bedrängen, zum Abschluss ein Hinweis: Sehr hübsche Gummiring-Armbändchen lassen sich auch ohne den teuren Webstuhl herstellen - etwa mit Hilfe von zwei handelsüblichen Stiften.

cis

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insgesamt 16 Beiträge
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1.
SasX 13.09.2014
Da ich ja auch eine entsprechende Tochter habe: Mit zwei Stiften lassen sich einige Dinge herstellen, etliche andere, wie z.B. ein Dragonscale-Armband aber nicht. Ich war eine Weile bei Amazon unterwegs, um sicher zu gehen, ein echtes Rainbow-Loom zu erhalten (Bewertungen lesen). Selbst die Verkäufer von "Originalen" lieferten oft Fälschungen aus. Und da gibt es leider wirklich diverse Unterschiede. Beispielsweise: - Qualität der Gummis. - Scharfkantiger Webrahmen (der von RainbowLoom ist überall ebgerundet) an denen Gummis reissen oder man sich selbst die Haut verletzt - Qualität des Hakens. Das echte hat mittlerweile einen Haken mit Metallspitze. Die falschen verbiegen oft schnell und gehen kaputt. Wenn man also sein Kind damit beglücken möchte, würde ich zum Original raten. Und dass Gummiringe sonst billiger sind, ist ja toll. Die haben dann aber die falsche Länge und mit den Farben sieht es auch mau aus. Hier habe ich es bei Amazon (inkl. Prime) gekauft: http://www.amazon.de/gp/product/B00K18YIOU/ref=oh_aui_detailpage_o01_s00?ie=UTF8&psc=1
2. Im Prinzip ganz nett...
elblette 13.09.2014
… es ist ja ganz schön, dass die lieben Kleinen was machen, das die Feinmotorik fördert und das ohne Touchscreen funktioniert. Nachteil: Das Zeug liegt überall herum, und es verrottet nicht. Wenn jemand so ein Produkt erfinden könnte, das sich kompostieren liesse, wäre der Umwelt sehr geholfen.
3.
River Poet 13.09.2014
http://plasticsoupfoundation.org/nieuws/kamervragen-loombandjes/ Plastikmüll der absolut unnötig ist!! Diese Fotos sagen alles aus.
4. Alles Jahre wieder...
correllon 13.09.2014
...sind Freundschaftsbändchen "in". Ob nun Rainboom Loom, oder Lederarmbänder oder Stoffarmbänder - essind alles "freundschaftsbändchen", die nach 10 Jahren Mal wieder als "trendy" vermarktet werden. Nur das Material ändert sich.
5. Jede Zeit hat ihren Trend ...
barbarine 13.09.2014
... vor gut 10 Jahren waren alle Kinder - auch mein damals 7jähriger Sohnemann - verrückt nach den Scoubidou Bändern. Selbstverständlich zierte mein Schlüsselbund eine Vielzahl von meinem Sohn selbstgeflochtenen Teilen. Er hat sie sogar in der Nachbarschaft für kleines Geld verkauft - klar, die Rohmaterialen hatte ich ja schließlich bezahlt. Ich bin überrascht, dass es diese Bänder heute immer noch zu kaufen gibt, wie ich eben ixquicken konnte. Jetzt sind es eben diese Gummibänder, in ein paar Jahren wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben ... Schön für den Erfinder dieses neuen Trends, dass er jetzt offensichtlich finanziell ausgesorgt hat.
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