Raketentreibstoff: 20 Bahnmitarbeiter bei Giftunfall verletzt

Großeinsatz auf einem Rangierbahnhof im brandenburgischen Seddin: Polizei und Feuerwehr untersuchen die Ursachen eines Giftunfalls. 20 Mitarbeiter der Bahn sind dort durch den Austritt der ätzenden Substanz Hydrazin verletzt worden.

Hamburg/Seddiner See - Die farblose Flüssigkeit ist entzündlich, sie hat einen stechenden Geruch: Durch den Austritt der giftigen Substanz Hydrazin aus einem Kesselwagen der Bahn sind am Freitag 20 Bahnmitarbeiter auf einem Rangierbahnhof im brandenburgischen Seddin, einem Ortsteil der Gemeinde Seddiner See bei Potsdam, verletzt worden. Sie seien wegen Atembeschwerden und Übelkeit zur Beobachtung in umliegende Krankenhäuser gebracht worden, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei.

Der Stoff Hydrazin dient unter anderem zur Produktion von Raketentreibstoff. Schon bei einer Temperatur von 20 Grad kann er mit der Luft ein giftiges Gemisch bilden, für das bei mehr als 38 Grad Explosionsgefahr besteht. Auf Haut, Augen und Atemwege wirkt Hydrazin ätzend.

Nach Informationen des rbb sollen die verletzten Personen das Gas eingeatmet haben. Rund um die Unglücksstelle wurde laut Polizei ein Sperrkreis mit einem 300 Meter großen Radius gezogen. Die Rangierarbeiten auf dem Bahnhof ruhten seit dem Mittag. Bahnmitarbeiter hatten das Leck um 13.15 Uhr an einem von 16 Kesselwagen entdeckt, die mit insgesamt 25 Tonnen Hydrazin beladen und dort abgestellt sind.

Am Nachmittag hatte die Feuerwehr damit begonnen, die giftige Flüssigkeit aus dem defekten Wagen abzupumpen. Spezialkräfte versuchten derweil, Beweise zu sichern. Es bestehe der Verdacht auf fahrlässige Körperverletzung.

bos/dpa

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1.
harry_buttle 06.07.2013
---Zitat--- Es bestehe der Verdacht auf fahrlässige Körperverletzung. ---Zitatende--- Ich schätze man kann von mangelnder Wartung der Kesselwagen ausgehen. Dann aber wäre es für mich als juristischen Laien nicht fahrlässige sondern *vorsätzliche* Körperverletzung. Oder unterscheiden Juristen hier zwischen gezielt und nicht gezielt? Den betroffenen Leuten dürfte es egal sein ob sie persönlich gemeint waren oder nicht, es wurde deren Gesundheit mit Vorsatz aufs Spiel gesetzt. Fahrlässig höchstens mit Blick auf die Auswahl der Personen, vorsätzlich weil wissentlich Geld gespart werden sollte.
2. Raketentreibstoff
tssd47 06.07.2013
Reißerischer Titel des Artikels! In D wird Hydrazin wohl weniger für die vielen Raketen als zur Kesselspeisewasserkonditionierung in Dampfkraftwerken verwendet.
3.
Hans58 06.07.2013
Zitat von harry_buttleIch schätze man kann von mangelnder Wartung der Kesselwagen ausgehen. Dann aber wäre es für mich als juristischen Laien nicht fahrlässige sondern *vorsätzliche* Körperverletzung. Oder unterscheiden Juristen hier zwischen gezielt und nicht gezielt?--
Es wird nicht zwischen "gezielt" und "nicht gezielt" unterschieden, sondern eben zwischen "fahrlässig" und "vorsätzlich". Wenn überhaupt im vorliegenden Fall die Frage der Körperverletzung im Raum steht, dann nur die fahrlässige: StGB - Einzelnorm (http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__16.html) Vorsatz würde hier bedeutet haben, dass irgendjemand, der für die Kesselwagen (Wartung, Pflege, Einsatz) zuständig ist, den Unfall wollte oder wissen musste, dass der Unfall eintritt.
4. 16 Kesselwagen für 25 Tonnen?
balsamico58 06.07.2013
25 Tonnen extrem ätzendes und Krebs erregendes Hydrazin, das sind rund 24'510 Liter, verteilt auf 16 (SECHZEHN) Kesselwagen? - IRRE!!! Die Logik lässt aber eher vermuten, daß die Bahn da wohl eher sehr unbedarft 16 Kesselwagen mit jeweils 25 Tonnen Hydrazin unbewacht in der Pampa herstehen lässt. Da malt man sich besser nicht aus, welch explosive Sprengkraft per Schiene an Siedlungen und durch bewohntes Gebiet rollt.
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