Blackfacing bei der WM Rassismus-Vorwürfe gegen deutsche Fans

Die Fifa prüft Rassismus-Vorwürfe gegen Anhänger der deutschen Nationalelf. Beim Spiel gegen Ghana sollen mehrere Fans schwarz geschminkt im Stadion gewesen sein - ein Anti-Diskriminierungs-Netzwerk wirft ihnen nun Blackfacing vor.

Deutsche Anhänger beim Spiel gegen Ghana: Diskussion um Blackfacing
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Deutsche Anhänger beim Spiel gegen Ghana: Diskussion um Blackfacing


Rio de Janeiro - Das Anti-Diskriminierungs-Netzwerk Fare hat Rassismus-Vorwürfe gegen die Fans mehrerer WM-Teams erhoben, darunter auch gegen Anhänger aus Deutschland. Die Gruppe forderte die Fifa auf, Untersuchungen wegen diskriminierenden Verhaltens bei der Fußballweltmeisterschaft einzuleiten.

Nach Angaben von Fare-Chef Piara Powar richten sich die Vorwürfe gegen Fans aus Deutschland, Frankreich und Belgien. Sie sollen bei den Spielen ihrer Teams mit schwarz geschminkten Gesichtern aufgefallen sein. Anstoß nimmt Fare an dieser Praxis offenbar, weil sie an das sogenannte Blackfacing erinnert: Bei dieser Schauspielpraxis aus dem 19. Jahrhundert schminkten sich in den Südstaaten der USA weiße Darsteller das Gesicht schwarz, um sich in stereotypen Darstellungen über Schwarze lustig zu machen. Zuletzt gab es auch in Deutschland heftige Reaktionen auf Blackfacing-Referenzen, 2012 etwa bei einer Dieter-Hallervorden-Inszenierung in Berlin.

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In einem Beitrag für "Al Jazeera" hatten die Blogger Sean Jacobs und Elliot Ross bereits am Sonntag über Blackfacing-Auftritte bei der WM geklagt. So seien in sozialen Netzwerken Bilder von mehreren Deutschen mit schwarz geschminkten Gesichtern und Jux-T-Shirts mit "Ghana"-Aufschrift zu sehen gewesen. Mindestens zwölf Personen seien so zum Spiel gegen Ghana erschienen, einige später sogar zum Interview mit dem brasilianischen Fernsehen gebeten worden.

Fifa: Null Toleranz bei Hinweisen auf Diskriminierung

Einem Bericht des britischen "Guardian" zufolge versprach die Fifa,den Vorwürfen nachzugehen. Eine Sprecherin kündigte an, bei Hinweisen auf diskriminierendes Verhalten gebe es keinerlei Toleranz von Seiten des Disziplinarkomitees. Wenn dieses Gremium einen Anlass sehe, würden Ermittlungen eingeleitet.

Auch im Fall des Flitzers, der während des Spiels gegen Ghana aufs Spielfeld gelaufen war, wandte sich Fare an die Fifa. Der Körper des Mannes sei mit rechtsextremen Symbolen bemalt gewesen, heißt es in einem Tweet des Netzwerks, das gegen Diskriminierung im Fußball eintritt. Tatsächlich hatte es bald nach dem Auftritt des bärtigen Störers Vermutungen gegeben, bei den Schriftzeichen auf seinem Bauch könne es sich um SS-Runen gehandelt haben. Der Mann selbst hatte das allerdings bestritten, wie brasilianische Medien berichteten.

Ein weiterer Fall, in dem Fare an die Fifa Meldung erstattete, betrifft einen kolumbianischen Fan. Dieser habe bei der WM ein "klerikales Kostüm mit Hakenkreuz-Schmierereien" getragen. Die Fifa kann in solchen und ähnlichen Fällen Disziplinarverfahren gegen die nationalen Fußballverbände einleiten. Diese sind für das Verhalten ihrer Fans in den WM-Stadien verantwortlich.

rls/AP



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