Raubtier-Angriff Kasseler Polizist erschießt Zirkusbärin

Zirkusdrama in Nordhessen: Einer Schaustellerfamilie in Kassel entkamen am Sonntag zwei Bären und stromerten durch die Stadt. Alarmierte Polizisten konnten die Tiere nicht stoppen. Als eine Bärin einen Beamten biss, schoss der in Notwehr und traf das Raubtier tödlich.


In Kassel hat eine Braunbärin einen Ausflug in die Freiheit der nordhessischen Stadt mit ihrem Leben bezahlt. Ein Polizist erschoss das Tier am Sonntagvormittag.

Aus noch nicht geklärter Ursache war das ausgewachsene Braunbärenweibchen Nena gemeinsam mit ihrer Schwester Katja aus einem Gehege des Zirkus "Universal Renz" auf dem Kasseler Messeplatz ausgebrochen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Beim Versuch, die Raubtiere zurückzudrängen, habe Nena plötzlich einen 38-jährigen Polizisten angegriffen. In Notwehr erschoss der Beamte die 25-jährige Braunbärin mit seiner Pistolen.

Die 180 Kilogramm schwere Nena war kurz nach zehn Uhr gemeinsam mit Bärenweibchen Katja aus dem Gehege des Zirkus geflohen. Eine Autofahrerin entdeckte die Braunbären und rief die Polizei. Die Beamten stellten vor den Tieren ihren Streifenwagen quer, als diese weiter in Richtung Bundesstraße 83 und einer Straßenbahnhaltestelle trotteten.

Während sich Bärin Katja fangen ließ, griff Nena den 38-jährigen Polizisten an und biss ihm zweimal in die Wade. Daraufhin schoss der Polizist fünf bis sechs Mal auf das Tier, zwei Kugeln verwundeten die Bärin tödlich.

Bärenbesitzer Daniel Renz nannte das Vorgehen der Polizei unangemessen. "Beide Tiere sind 25 Jahre alt, waren ihr ganzes Leben Zirkusbären und sind überhaupt nicht aggressiv. Zu solch einer Dramatik hätte es nicht kommen müssen", sagte Renz. "Ich habe erst durch die Schüsse von dem ganzen Einsatz erfahren. Ich hätte das Tier sonst am Ohr wieder in den Käfig geführt - wie den anderen auch." Nena sei für die Mitarbeiter des Traditionszirkus wie ein Familienmitglied gewesen. Der verletzte Polizist blutete nach dem Angriff der Bärin stark und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.

Laut Ordnungsamt hatte der Zirkus keine Erlaubnis, die Raubtiere zur Schau zu stellen. Zusammen mit dem Veterinäramt leitete die Behörde Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung ein.

Noch ist unklar, wie die Bären das Zirkusgelände verlassen konnten. Zirkusbesitzer Renz sagte dem Hessischen Rundfunk, vielleicht sei eine Käfigtür nicht richtig verschlossen gewesen.

cht/dpa/ddp/AP



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