Hamburger Reeperbahn Polizei evakuiert Esso-Häuser wegen Einsturzgefahr

Weil mehrere Mieter von "wackelnden Wänden" berichteten, rückte die Polizei an: Wegen Einsturzgefahr mussten einige der Esso-Häuser im Hamburger Rotlichtviertel über Nacht geräumt werden. Ein Statiker soll nun prüfen, wie groß die Gefahr tatsächlich ist.

DPA

Hamburg - Aufregung auf der Reeperbahn: Mitten im nächtlichen Trubel auf Hamburgs Amüsiermeile hat die Polizei die Esso-Häuser wegen möglicher Einsturzgefahr evakuiert. Auch angrenzende Bars, Restaurants und Diskotheken wurden geschlossen, darunter der Club Molotow und eine aus vielen TV-Dokumentationen bekannte Esso-Tankstelle. Mehrere Dutzend Bewohner mussten in der Nacht zum Sonntag ihre Wohnungen verlassen.

Nun steht nach einer Überprüfung der Statik fest: Die 70 bis 100 Mieter dürfen zumindest vorerst nicht in ihre Wohnungen zurück. "Wenn man sich darin aufhält, besteht das Risiko, dass man Schaden an Leib und Leben nimmt", sagte der Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Andy Grote (SPD). Derzeit gehen die Behörden davon aus, dass eine Rückkehr aufgrund der Gefahrenlage nicht möglich sei.

Es laufe bereits die Suche nach Ersatzwohnungen für die Bewohner, sagte Grote. Für die Club-Betreiber wolle das Bezirksamt schnell andere Räume finden. Am Sonntagnachmittag und am Montag sollten die Mieter in Begleitung der Polizei kurz in ihre Wohnungen zurückkehren, um Haustiere, Medikamente und ihre wichtigsten Habseligkeiten mitzunehmen. Für Sonntagabend war noch eine Demonstration vor den "Esso-Häusern" geplant.

Seit Jahren sorgen die maroden Esso-Häuser in Hamburg für Schlagzeilen. Der Eigentümer, das Immobilienunternehmen Bayerische Hausbau, will die alten Gebäude im kommenden Jahr abreißen und mehr als 200 neue Wohnungen sowie Gewerbeeinheiten bauen. Gegen diese Pläne kämpft die Initiative Esso-Häuser, die die Gebäude bewahren und die Mieter schützen will.

Stahlstützen zur Stabilisierung

Die Bewohner müssen sich aber auf einen baldigen Auszug einstellen, denn das Bezirksamt Altona erlaubt vom 30. Juni 2014 an keinen weiteren Betrieb der Esso-Häuser. In einem Expertengutachten hieß es im Juni über die Gebäude: "Der Zustand von nahezu 100 Prozent der Bauteile ist kritisch oder grenzwertig." Seit damals sind 1600 Stahlstützen in der gesperrten Tiefgarage montiert worden, um den Gebäudekomplex zu stabilisieren.

Nach Angaben der Polizei hatten zwei besorgte Bewohner die Beamten am Samstagabend gegen 22.25 Uhr informiert und von "wackelnden Wänden" berichtet. Sie hätten glaubwürdig und unabhängig voneinander geschildert, dass Erschütterungen zu spüren seien. Etwa 70 bis 100 Bewohner mussten daraufhin ihre Wohnungen verlassen.

Viele von ihnen wurden in der Turnhalle einer nahe gelegenen Schule untergebracht und dort von DRK-Helfern versorgt und verpflegt, andere kamen bei Freunden oder Verwandten unter. "Wir haben ein paar der älteren oder kranken Leute in Hotels untergebracht", sagte Bernhard Taubenberger von der Bayerischen Hausbau.

sto/dpa



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