Regenrekord Münster geht im nassesten August seit 1891 unter

Regen, Regen, Regen: Seit Wochen ist es in Deutschland nass, nun hat das Unwettertief "Cathleen" so viel Wasser vom Himmel prasseln lassen, dass es für neue Rekorde reicht. Münster kann den nassesten August seit rund 120 Jahren melden.

ddp

Hamburg - Das Unwettertief "Cathleen" hat Nordrhein-Westfalen neue Regenrekorde beschert: Innerhalb eines Tages ist im Münsterland dreimal so viel Regen gefallen wie sonst in einem ganzen Monat. In Steinfurt prasselten in der Nacht zu Freitag 187,5 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel. "Das ist ein Rekord bei der Niederschlagsintensität", sagte Andreas Wagner vom Wetterdienst Meteomedia SPIEGEL ONLINE. Normalerweise liege der Monatsdurchschnitt in der Region bei 65 Litern.

Münster kann seit Freitag den regenreichsten August seit rund 120 Jahren vermelden: Bisher fielen 204 Liter. "Nie war dort ein August nasser seit Beginn unserer Aufzeichnungen im Jahr 1891", so Meteorologe Wagner. Mit diesen Werten sei der August 1924 auf den zweiten Platz verwiesen worden - damals fielen 198 Liter pro Quadratmeter. "Und der Monat ist noch nicht einmal vorbei. Wir erwarten noch einiges an Regen."

Doch nicht nur NRW ist auf Rekordjagd. "In weiten Teilen Deutschlands fällt der August viel zu nass aus", sagte Wagner. Auch in Brandenburg und Sachsen seien schon mehr als 200 Liter pro Quadratmeter gefallen.

In der Nacht zu Donnerstag sorgte starker Dauerregen in Teilen Deutschlands für chaotische Zustände. Besonders betroffen waren Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, zahlreiche Straßen und Schienen wurden überspült, unzählige Keller liefen voll und Bäume kippten um.

Fluss Hase erreicht historischen Pegelstand

In Osnabrück wurde am Freitagmorgen Katastrophenalarm ausgelöst, der auch am frühen Nachmittag noch aufrechterhalten wurde. Der Pegelstand des Flusses Hase lag laut Oberbürgermeister Boris Pistorius 2,51 Meter über normal und hatte damit den höchsten jemals gemessenen Stand erreicht. An allen allgemeinbildenden und den Berufsschulen in Osnabrück fiel der Unterricht aus.

Auch in Stadthagen im niedersächsischen Kreis Schaumburg kam es zu heftigen Überschwemmungen. Am Morgen war die Stadt nach Polizeiangaben nur noch über eine Zufahrtsstraße zu erreichen, die Lage entspannte sich aber am Vormittag.

Verkehrsunfälle gab es in Niedersachsen infolge der überfluteten Straßen nicht. In Nordrhein-Westfalen hingegen wurden bei einem Unfall auf der Autobahn 2 in der Nähe von Bielefeld drei Menschen verletzt, als wegen des vielen Wassers auf der Fahrbahn zwei Autos und zwei Lastwagen zusammenstießen.

Die Deutsche Bahn musste wegen Überflutungen die Verbindungen zwischen Münster und Gronau, Coesfeld und Gronau, Osnabrück und Rheine sowie Münster und Osnabrück sperren. Zwei Strecken konnten am Morgen wieder freigegeben werden.

Zu den Regenfällen kam mitunter auch starker Wind. Eine Windhose fegte am Donnerstagabend durch Bad Salzuflen im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe und beschädigte mehrere Hausdächer und entwurzelte einige Bäume.

Auch Baden-Württemberg blieb vom Unwetter nicht verschont. In Heidelberg und Umgebung fielen innerhalb einer Stunde bis zu 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Landstraße 524 zwischen Eberbach und Waldbrunn musste wegen zahlreicher umgestürzter Bäume für mehrere Stunden gesperrt werden. Vielerorts, unter anderem in Mannheim und Sigmaringen, fiel zeitweilig der Strom aus. Im Odenwald sowie im unterfränkischen Ochsenfurt wurden Kinder und Jugendliche in Zeltlagern von dem Unwetter überrascht und in Turnhallen in Sicherheit gebracht.

Zeit für Decken und Heizung

Ursache für die heftigen Regenfälle war laut Meteomedia das Aufeinanderprallen von Luft mit extrem unterschiedlichen Temperaturen. In Baden-Württemberg wurden demnach am Donnerstag noch mehr als 32 Grad gemessen, im nördlichen Niedersachsen und in Schleswig-Holstein waren es lediglich 16 Grad. "Diese Temperaturunterschiede entladen sich in extremen Regengüssen", erklärte Wagner. Im Bergischen Land oder im Sauerland komme das gelegentlich vor, für das Flachland sei das aber ein ganz außergewöhnliches Ereignis.

Am Freitag entspannte sich die Lage in weiten Teilen wieder etwas. Nach Einschätzung des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wird der Wasserpegel im Südosten Niedersachsens vermutlich nicht bedrohlich steigen. "Wir vermuten, dass wir bei Meldestufe 1 bleiben werden", sagte Pressesprecher Achim Stolz.

Tatsächlich ist auch die nächsten Tage weiterhin mit Regen zu rechnen. "Es bleibt ungemütlich und herbstlich kühl, man kann durchaus eine Decke rausholen oder an die Heizung denken", prognostiziert Wagner von Meteomedia. Weiterhin sei mit Schauern zu rechnen, besonders in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die Temperaturen erreichen meist nur 15 bis 16 Grad, auch soll es vereinzelt zu Gewittern kommen. "Es gibt aber keine Unwetterwarnungen", sagt Wagner.

Außerdem kündigte der Wetterdienst einige Lichtblicke an: Ab Mitte der nächsten Woche besteht Hoffnung auf Sonne.

siu/dpa/ddp



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