Kampf gegen Drogenkriminalität Uruguays Regierung plant Marihuana-Monopol

Die Einwohner Uruguays sollen Marihuana künftig exklusiv vom Staat bekommen: Das Land will Produktion und Verkauf der Droge kontrollieren. Die Regierung sieht das nicht als Kapitulation vor Drogendealern - sondern als Schritt zu mehr Sicherheit im Land.

Cannabis-Pflanzen (Archiv): Staatsmonopol in Uruguay geplant
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Cannabis-Pflanzen (Archiv): Staatsmonopol in Uruguay geplant


Montevideo - Die Regierung in Uruguay will die Produktion und den Verkauf von Marihuana übernehmen. Damit will das Land die Drogenkriminalität eindämmen. "Es ist ein Kampf an zwei Fronten: gegen Konsum und gegen Drogenschmuggel", sagte Verteidigungsminister Eleuterio Fernández Huidobro bei der Präsentation des Gesetzentwurfs. "Das Verbot von gewissen Drogen führt zu mehr gesellschaftlichen Problemen als die Droge selbst - mit verheerenden Folgen."

Nur noch der Staat darf dem Entwurf zufolge die Droge an registrierte Konsumenten verkaufen. Auch der Preis für die entsprechende Zigarette würde von den Behörden festgelegt. Die Regelung muss noch vom Parlament bestätigt werden.

Das Gesetz sei Teil eines Maßnahmenpakets mit dem Ziel, die Sicherheitslage im Land zu verbessern, sagte der Minister. Die Zahl der Morde im Drogenmilieu sei gestiegen. Das sei ein "klares Zeichen, dass manche Dinge in Uruguay angekommen sind, die hier bislang nicht existierten". Das geplante Marihuana-Monopol sei in seiner Art nicht neu, sagte Fernández Huidobro: "Der Staat besitzt bereits ein Monopol auf die Droge Alkohol."

Die Regierung schätzt, dass bis zu 150.000 Marihuana-Konsumenten von der neuen Regelung betroffen sein könnten. Der private Konsum von Haschisch ist in Uruguay nicht verboten. Der Regierung zufolge wird in dem Land jährlich Marihuana im Wert von knapp 60 Millionen Euro illegal konsumiert. Im vergangenen Jahr hatte rund jeder fünfte Einwohner zwischen 15 und 65 Jahren gesagt, schon einmal Marihuana konsumiert zu haben. Fünf Prozent bezeichneten sich als regelmäßige Konsumenten.

Dem Kongress in Uruguay liegen derzeit auch drei Vorschläge zur Legalisierung des Marihuana-Anbaus zum eigenen Gebrauch vor. Die Regierung lehnt dies ab. Sie befürchte, Uruguay könnte dann als "internationales Zentrum für den Anbau und die Verteilung von Drogen" gelten, sagte Fernández Huidobro.

ulz/dpa/AFP/Reuters



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