Region Los Angeles Erdbeben erschüttert Südkalifornien

Die Erde bebte, Häuser wankten: Erdstöße mit einer Stärke von bis zu 5,4 auf der Richterskala haben den Süden Kaliforniens erschüttert. Das Beben war von der Millionenmetropole Los Angeles bis nach San Diego zu spüren.


Los Angeles - Um 11.42 Uhr Ortszeit bebte die Erde: Starke Erdstöße haben am Dienstag den Süden Kaliforniens erschüttert. Betroffen war das Gebiet zwischen San Diego und der US-Millionenstadt Los Angeles. In der Innenstadt von L.A. schwankten Häuser für einige Sekunden, viele Menschen rannten panisch ins Freie.

Ein SPIEGEL-Redakteur, der sich zur Zeit des Bebens im Redaktionsgebäude der "Los Angeles Daily News" aufhielt, schilderte die Schreckensmomente so: "Plötzlich fängt erst der Boden an zu wackeln, dann die Schreibtische, dann die Computer auf den Schreibtischen. Ein Erdbeben! 'Runter', befiehlt ein Redakteur, und alle kriechen unter ihre Tische. Die Erschütterungen dauern scheinbar unendliche 30 Sekunden."

"Es war dramatisch", sagte Nachrichtenagenturen zufolge ein Sprecher des Bezirkssheriffs von Los Angeles, der sich in der Polizeizentrale im Vorort Monterey Park aufhielt. "Das ganze Gebäude schwankte mehrere Sekunden."

"Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich unter dem Schreibtisch Schutz gesucht", sagte Polizei-Sergeant Ken Seymour der "Los Angeles Times". Zahlreiche Augenzeugen beschrieben ein heftiges Rütteln, das aber nur einige Sekunden dauerte. Wolkenkratzer schwankten, viele Menschen rannten aus ihren Häusern.

Die Erschütterung war in ganz Südkalifornien zu spüren: Touristen in dem Vergnügungspark Disneyland bei Anaheim wurden ebenso überrascht wie Badeurlauber in San Diego an der Grenze zu Mexiko. Die Anwohner der Städte wurden vor möglichen Nachbeben gewarnt. Im Disneyland wurden vorsichtshalber die Achterbahnfahrten angehalten. CNN-Reporter Ed Lavandera hielt sich zum Zeitpunkt des Bebens in dem Vergnügungspark auf. Die Schienen einer Bahn "schwankten hin und her", berichtete der Journalist.

Der Fernsehsender "CNN" zeigte Bilder von aufgerissenem Straßenasphalt in Los Angeles, aus dessen schwarzen Ritzen Rauch aufstieg. Unzählige Bewohner versuchten besorgt, ihre Bekannten per Handy zu erreichen. Über der Stadt kreisten Notfall-Hubschrauber.

"Schweres seismisches Ereignis"

Zunächst hatte das Geologische Institut der USA die Erdbebenstärke mit 5,8 auf der Richterskala angegeben, sie korrigierte dies dann aber auf 5,4. Den Berichten zufolge bebte die Erde etwa "zehn bis zwölf Sekunden". Die Feuerwehr in Los Angeles sprach von einem "schweren seismischen Ereignis". Brücken und Autobahnen sollen nun auf Risse überprüft werden.

Das Epizentrum des Bebens lag nach ersten Informationen 47 Kilometer ost-südöstlich von Los Angeles bei Chino Hills. Größere Folgen hatte es aber offenbar nicht. Das Los Angeles Fire Department meldete: keine Verletzten, keine größeren Schäden. Doch einige Gebäude wurden vorsichtshalber evakuiert, Menschen flüchteten aus Geschäften, und in der City Hall, dem Rathaus, musste eine Sitzung unterbrochen werden.

Los Angeles liegt in der Nähe des San-Andreas-Grabens, einer der tektonisch aktivsten Zonen der Erde. Experten haben berechnet, dass die Wahrscheinlichkeit eines großen Bebens mit weit reichenden Zerstörungen in der Region binnen der kommenden 30 Jahre bei 99 Prozent liegt. Im Jahr 1994 kamen mindestens 60 Menschen ums Leben, als Los Angeles von einem Beben der Stärke 6,7 erschüttert wurde. 1987 starben in San Francisco 67 Menschen. Die Bebenstärke hatte damals bei 6,9 gelegen.

fat/dpa/AP/Reuters/AFP



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