Hitzewelle Autsch, heiß!

Jetzt ist mal wieder richtig Sommer! Bei 30 bis 40 Grad müssen Freibadbesucher lange in der Hitze anstehen, Autofahrer glühen im Urlaubsstau - doch die Sonne sorgt meist trotzdem für gute Laune.

DPA

Vielerorts könnte die Hitzewelle ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen. Der derzeitige Allzeitrekord von 40,2 Grad - gemessen 1983 und 2003 - könnte fallen. Glücklich dürfte sein, wer da bereits einen Platz im Freibad, am See oder Meer gefunden hat.

Doch ausgerechnet Urlauber, die an die Küste wollen, kommen auf der Autobahn 7 bei Hamburg deutlich langsamer voran als sonst. Durch einen Brückenabriss bleibt die A7 zwischen dem Dreieck Hamburg-Nordwest und der Anschlussstelle Hamburg-Schnelsen das gesamte Wochenende voll gesperrt. Die Sperrung dauert nach Angaben der verantwortlichen Behörde bis Montagmorgen, 5 Uhr.

"Kommen gar nicht mehr hinterher"

Auch Gurkenpflückern im Spreewald treibt die Hitze die Schweißperlen auf die Stirn. Der Klassiker aus der Region wächst jetzt besonders stark. "Schnell ist gar kein Ausdruck", sagte Uwe Schieban, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Unterspreewald. Teilweise werde doppelt so viel geerntet wie an einem Tag mit moderaten Temperaturen. "Wir kommen gar nicht mehr hinterher."

Die Hitzewelle hat eine Menge ernster Folgen: In Krankenhäusern wie der Uniklinik Mainz zum Beispiel wird befürchtet, dass mit jedem weiteren Hitzetag mehr Menschen in die Notaufnahme kommen. Mit akuten Kreislaufproblemen kämpften vor allem alte Menschen.

Wegen Verdachts auf Hitzekollaps sind mehrere jugendliche Teilnehmer des Deutschen Chorfestivals in Trier ins Krankenhaus gebracht worden. Die jungen Leute seien etwa bei einer Probe im Trierer Dom zusammengeklappt, bestätigte ein Feuerwehrsprecher einen Online-Bericht des "Trierischen Volksfreunds". Bis zum frühen Nachmittag seien sechs Jugendliche vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden. Insgesamt sind rund 3000 Sänger und Sängerinnen zu dem mehrtägigen Chorfestival nach Trier gekommen. Auch abgesehen davon habe der Rettungsdienst wegen Menschen mit Hitzeproblemen in der Stadt alle Hände voll zu tun, sagte der Sprecher. (Was Sie tun können, um möglichst unbeschadet durch die Hitze zu kommen, lesen Sie hier in unseren Tipps zum Verhalten an heißen Tagen.)

Blow-up-Gefahr auf Straßen - und die Sauna im Auto

Die Gluthitze wird auch zur Gefahr im Straßenverkehr und verursacht Schäden an Autobahnen. Vorfälle gab es etwa auf der A7 und der A5 bei Heidelberg. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will verstärkt Autobahnen überwachen lassen. Spezielle Messfahrzeuge würden untersuchen, wo die Gefahr für sogenannte Blow-ups, aufgeplatzte Abschnitte bei Betonautobahnen, am höchsten sei. Bundesländer wie Baden-Württemberg, Bayern oder Sachsen-Anhalt drosselten auf Autobahn-Abschnitten das Tempo auf 80.

Auch der ADAC warnte vor der Hitze: In manchen Autos herrschten Verhältnisse wie in einer Sauna. "Bei direkter Sonneneinstrahlung kann sich ein Auto auf über 60 Grad aufheizen", sagte ADAC-Sprecherin Andrea Piechotta. "Autofahrer werden dann rasch müde und unkonzentriert." Der Automobilklub rät, bei Sonnenparkplätzen die Windschutzscheibe abzudecken und vor dem Losfahren erst einmal alle Türen zu öffnen, um das Auto kräftig durchzulüften. Geöffnet bleiben sollten in den ersten Fahrminuten auch die Fenster - erst dann solle die Klimaanlage aktiviert werden.

Hitze legt Fernsehsender lahm

Ein durch die Hitze ausgelöster Brand hat einen stundenlangen Komplettausfall der Sendungen des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte ausgelöst. Die Panne in einem elektrischen Schaltraum habe über fünf Stunden ab 7 Uhr morgens gedauert, sagte die Sprecherin des Senders, Claude Savin, am Samstag in Straßburg. Der Sendebetrieb konnte um 12.30 Uhr wieder aufgenommen werden.

Bereits am Freitag brachte Hoch "Annelie", das Saharaluft ins Land leitet, viele Menschen mächtig zum Schwitzen: Am wärmsten war es mit 37,7 Grad in Bad Mergentheim in Baden-Württemberg, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach sagte. Bis mindestens Dienstag soll sich die Hitze halten. Spürbar kühler wird es laut DWD wohl erst am Donnerstag.

Leseraufruf: Was machen Sie gegen die Hitze? Posten Sie kühle Fotos mit #heißkalt auf Twitter oder Facebook. Korrektur: Wir veröffentlichen die besten dann doch nicht auf SPIEGEL ONLINE. Wie ein juristisch beschlagener Kollege kühl mitteilt, dürfen wir das nämlich gar nicht. Sie müssen also selbst auf Twitter und Facebook nachschauen, was die anderen gepostet haben. Wir bitten um Verzeihung, es ist einfach zu heiß hier.

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smh/dpa

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