René Weller Nase voll, Mund zu

Mit knapp 15 Kilo Kokain soll der "schöne René" gedealt haben. Jetzt steht der ehemalige Boxprofi vor Gericht - und schweigt sich erst mal aus.


Karlsruhe - Seit Mittwoch steht der 45jährige vor dem Karlsruher Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm bandenmäßigen Kokainhandel, Hehlerei und unerlaubten Waffenbesitz vor. Weller will sich zu der Anklage jedoch nicht äußern.

Boxt sich durchs Leben: René Weller
REUTERS

Boxt sich durchs Leben: René Weller

Nach Erkenntnissen der Ermittler hat der einstige Spitzensportler zusammen mit einem 50jährigen Italiener zwischen Mitte 1992 und Januar 1994 bei neun Rauschgiftgeschäften 14,7 Kilogramm Kokain beschafft und verkauft . Weller soll dabei 15.000 Mark "Provision" pro Kilo eingesteckt haben. Als er im Juni 1998 weitere fünf Kilo Kokain zum Preis von 400.000 Mark absetzen wollte, griff die Polizei zu: Sie hatte eine Frau aus Wellers Bekanntenkreis als Lockvogel eingesetzt.

Wellers Verteidiger Rainer Endriß warf der Polizei vor, durch ihre Ermittlungsmethoden gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen zu haben. Es sei mit dem Grundsatz des fairen Verfahrens nicht zu vereinbaren, "wenn ein unverdächtiger Bürger durch einen polizeilichen Lockspitzel zu einer Straftat angestiftet wird". Weller dürfe daher nicht bestraft werden.

Außerdem stütze sich die Behauptung der Staatsanwaltschaft, Weller und der Italiener hätten sich zu einer Bande zusammengeschlossen, "nicht auf objektive Beweismittel, sondern ausschließlich auf Vermutungen". Drogenhandel wird nach dem Betäubungsmittelgesetz deutlich härter bestraft, wenn er von einer organisierten Bande begangen wurde.

Der ansonsten stets braungebrannte Sonnyboy mit einem Wohnsitz in Gran Canaria - nach einem Jahr Untersuchungshaft sichtlich blaß geworden - hörte den Ausführungen des Staatsanwalts aufmerksam zu. Gelegentlich suchte er den Blickkontakt zum Publikum im vollbesetzten Gerichtssaal und versuchte hier und da ein Lächeln. Kein Wort wechselte er mit dem ebenfalls angeklagten 50jährigen Italiener, mit dem er seit zwei Jahrzehnten befreundet sein soll. Der Italiener soll in erster Linie das Rauschgift beschafft haben.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war Weller vor allem als Vermittler für die Kokain-Deals tätig. Die Geschäfte wurden teils in seiner Wohnung in Birkenfeld (Baden- Württemberg) abgewickelt, teils in Pforzheim, Böblingen, Tuttlingen und Sindelfingen. In einem Fall soll Weller, den die Boulevard-Presse gerne als "Diamanten-Dandy" und "Rolexmann" titulierte, Kokain gegen eine 30.000 Mark teure Rolexuhr getauscht haben.



© SPIEGEL ONLINE 1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.