Restaurantnamen in Deutschland Zum "Krug" in den Norden, zur "Krone" in den Süden

Wo in Deutschland haben besonders viele Restaurants "Ochse" im Namen? Und in welchen Regionen muss Meeresgott Poseidon oft als Namensgeber von Lokalen herhalten? Finden Sie es heraus!

OpenStreetMap-Mitwirkende/ BKG/ Natural Earth

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Erinnern Sie sich noch an Ihren jüngsten Restaurantbesuch? Wo waren Sie? Hat es geschmeckt? Auswärts essen kann man in Deutschland in Zigtausenden Lokalen - laut Bundesamt für Statistik gab es 2016 rund 70.000 "Restaurants mit herkömmlicher Bedienung" in Deutschland.

Wenn Sie Ihr Stammlokal gefunden haben, sind Ihnen vielleicht Restaurants gleichen Namens in anderen Orten aufgefallen. Die Pizzeria "Roma" oder die Schenke "Zum Ochsen": Ist das Bier dort ebenso gut gekühlt wie in der Heimat? Sind die Spaghetti genauso al dente?

Wir möchten Sie keinesfalls davon abbringen, Ihrem Lieblingslokal treu zu bleiben. Aber wir laden Sie auf eine kleine Deutschlandreise ein, um zu schauen, wie Restaurantnamen regional verteilt sind.

Von "Adler" bis "Wirt" - klicken Sie sich durch die Deutschlandkarten:

Dazu haben wir Daten des offenen Kartenprojektes OpenStreetmap (OSM) ausgewertet. Ähnlich wie bei Wikipedia sammeln freiwillige Helfer aus der ganzen Welt Informationen für eine öffentlich nutzbare Karte. Diese hat keinen Anspruch auf absolute Korrektheit - natürlich können Restaurants falsch bezeichnet oder klassifiziert sein und manchmal auch ganz fehlen. Daher können auch Sie Daten in OpenStreetMap ergänzen oder Fehler korrigieren.

Wir haben OpenStreetmap-Daten vom Stichtag 23. Oktober des OSM-Kartendienstleisters Geofabrik verwendet und nach dem Marker "Restaurant" gefiltert. Daher sind Imbisse nicht in den gezeigten Karten vertreten. Die Suche bezog sich explizit auf Namensteile. Unter dem Suchwort "Linde" wird das Restaurant "Zur Linde" ebenso erfasst wie der "Lindenhof".

In Baden-Württemberg ist es tierisch

Auch wenn die Erhebung sicherlich nicht umfassend ist: Die Daten vermitteln zumindest ein grobes Bild - und zeigen einige interessante, aufschlussreiche und teilweise amüsante Besonderheiten.

  • In Baden-Württemberg gibt es etwa eine auffällige Häufung tierischer Namen: "Hirsch" kommt dort etwa besonders häufig vor, ebenso "Löwe", "Ochse", "Schwan" und "Adler". Aber auch die "Traube" ist im Südwesten besonders stark vertreten. In Bayern beispielsweise ist "Wirt" beliebt.
  • Relativ gleichmäßig in Deutschland verteilt sind der Analyse zufolge "Linde", "Wald" und "Dorf" sowie "Mühle". Fun Fact: Bei den Restaurants gibt es mehr "Linden" als "Bäume". Und die ach so deutsche "Eiche" ist weit weniger stark vertreten als die "Linde".
  • Die "Post" scheint in Bayern und Nordrhein-Westfalen Schwerpunkte zu haben, während die "Schänke" vor allem in der Region Rheinland-Pfalz/Hessen und Sachsen zu finden ist.
Leseraufruf
    Sie wollen wissen, wie andere Restaurantnamen in Deutschland verteilt sind? Schreiben Sie uns an benjamin.schulz@spiegel.de, gerne mit kurzer Begründung, warum Sie sich gerade für diesen Begriff interessieren.

    Mit der Einsendung unter Ihrem vollen Namen bestätigen Sie, dass Sie einer honorarfreien Veröffentlichung der Zuschrift unter Nennung Ihres Namens und Wohnortes zustimmen.
  • Wer in die "Sonne" will, muss nach Bayern oder Baden-Württemberg gehen.
  • Dass "Hafen"-Restaurants vor allem in Orten an der Küste oder an Flüssen ansässig sind, ist wenig überraschend. Ebenso, dass "Rhein"-Restaurants vor allem entlang des Flussverlaufs zu finden sind - genauso wie "Hanse"-Lokale fast ausschließlich in Norddeutschland.
  • Sinnig erscheint auch, dass in den Küsten-Bundesländern Restaurants mit "Berg" im Namen eher schwach vertreten sind, zumindest in Regionen nahe am Meer. Umgekehrt lässt sich aber nicht sagen, dass "Fisch" nur in Norddeutschland vertreten ist - die Namen finden sich gesprenkelt über das ganze Bundesgebiet.
  • Wer sich nach Meeresgott "Poseidon" sehnt, sollte in die Binnenländer Bayern und Baden-Württemberg gehen - dort sind entsprechende Lokale besonders häufig anzutreffen.

Bei zwei Begriffen stach ein ziemliches Nord-Süd-Gefälle ins Auge: Wer in der "Krone" essen will, muss in Norddeutschland wohl lange suchen - im Süden dagegen sollte es kein Problem sein, eine zu finden. In Norddeutschland dagegen hat man es nicht allzu weit bis zum nächsten "Krug" - ganz im Gegensatz zu Süddeutschland.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
cobaea 25.12.2018
1.
Bei den im Südwesten häufigen Tiernamen für Lokale fehlt in der Aufzählung das "Rössle"/"Rössli" und bei den Bäumen ist im Südwesten einer ohne Gattungsname sehr beliebt: der "Grüne Baum" (gerne mal als "dürrer Ast" verspottet).
halleluja6 25.12.2018
2. Der Krug
geht so lange zur Theke, bis man einen in der Krone hat. Mir ist aufgefallen, dass man so im Gebiet von Wiesbaden bis Köln sehr originelle und auch lustige sowie unverwechselbare Namen findet, die phantasielosesten in Schwaben: Zum Lamm, zum Hirsch, Krone usw...
postit2012 25.12.2018
3. Diesmal wirklich eine schöne Anwendung kartographischer Analyse!
Vielleicht ein Wort zur Häufigkeit des "Adler" in Baden-Württemberg: Das dürfte damit zusammenhängen, dass es dort sehr viele, z. T. auch relativ kleine, Reichsstädte gegeben hat, die traditionell den Reichsadler an vielen Häusern gezeigt haben, um darauf hinzuweisen, dass sie unter dem Schutz des Kaisers und des (ersten) Reichs standen.
alpstein 25.12.2018
4.
Wichtig ist das Alter der Wirtschaft: im katholischen Süden steht das 1. Wirtshaus neben der Kirche daher kommt der religiöse Bezug der meisten Namen : Ochse, Adler Schwert und Löwe sind die Symbole der Evangelisten, Schüssel das von Petrus. Lamm ,Traube Rebstock sind ebenso religiös konnotiert,. Mohren und Sternen beziehen sich auf die hl 3 Könige, Anker auf die christliche Tugend der Hoffnung. Mit der Reichsgründung im 19. Jhd kamen die abstrakten Begriffe wie Harmonie, Frieden, Eintracht ins Spiel, ebenso Symbole wie Linde oder Eiche.
Peletua 25.12.2018
5. Oh Kunibert!
Zitat von halleluja6geht so lange zur Theke, bis man einen in der Krone hat. Mir ist aufgefallen, dass man so im Gebiet von Wiesbaden bis Köln sehr originelle und auch lustige sowie unverwechselbare Namen findet, die phantasielosesten in Schwaben: Zum Lamm, zum Hirsch, Krone usw...
"Der Krug..." Sehr schöner Spruch! ;-D Was die Namen angeht, gebe ich Ihnen als Rheinländerin natürlich gerne Recht. Mein bisher unangefochtener Lieblingsname: 'Kunibert der Fiese', ein Lokal und Hotel in der Kölner Altstadt; in einem Haus aus dem Jahre 1234!
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