Rettungsaktion in Thailand Kraft schöpfen für den nächsten Tauchgang 

Nachdem vier Jungen aus der Höhle in Thailand befreit wurden, ist die Erleichterung groß. Doch acht Kinder und ihr Coach fehlen noch, und der nächste Rettungsversuch in wenigen Stunden wird deutlich schwieriger.

DER SPIEGEL

Aus Chiang Rai berichtet


Der Concierge des Laluna Hotels in der thailändischen Provinzhauptstadt Chiang Rai schaut seit Stunden wie gebannt aufs Handy. Plötzlich, als er das Rotorengeräusch eines Helikopters hört, springt er auf, rennt auf die Straße und jubelt: "Die haben sie rausgeholt! Sie sind hier. Sie sind wirklich hier." Er umarmt ein sichtlich überraschtes Zimmermädchen.

Im Hintergrund landet kurz darauf ein weißer Rettungshubschrauber hinter einem mehrstöckigen Gebäude, das nur ein paar hundert Meter vom Laluna liegt. Das Chiangrai Prachanukroh Hospital im Distrikt Muang liegt etwa 50 Kilometer vom inzwischen bekannten Tham Luang Höhlensystem im Norden Thailands entfernt. Die ersten Kamerateams fahren vor.

Es ist kurz nach sieben am Abend, Bangkok-Zeit. Das Höhlendrama, das seit Tagen die Welt in Atem hält, findet sein erstes vorläufiges Happy End. Von den zwölf Kindern plus Fußballtrainer, die an diesem missratenen Höhlenausflug beteiligt waren, sind zwei gerettet. Taucher haben sie aus der Höhle geschafft. Jetzt werden sie medizinisch versorgt. Zwei weitere folgen kurz darauf im nächsten Hubschrauber. Wer genau gerettet wurde, wurde den Angehörigen bisher nicht mitgeteilt.

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Thailand: Rettungsaktion in der Höhle

Man kann spüren, wie die Anspannung in der Stadt Chiang Rai nachlässt, vermutlich in ganz Thailand. Sogar die etwa drei Dutzend Polizisten, die weiträumig das Krankenhausgebäude abriegeln, lächeln.

Vielleicht war der Plan doch nicht so verrückt, mögen sich viele denken. Vielleicht kann man wirklich zwölf Kindern innerhalb von wenigen Tagen das Höhlentauchen beibringen?

Alles andere als entspannt

Die Wahrheit ist: selbst wenn viele Thailänder und einige Nachrichtenseiten jetzt jubeln, die Einsatzkräfte vor Ort sind alles andere als entspannt. Die vier sind nur der Anfang. Die erste, die leichtere Etappe.

Vier Kinder sind gerettet, wie ein Sprecher des Katastrophenschutzes bestätigte, aber man sei noch lange nicht durch. Für die restlichen neun Eingeschlossenen kommt am Montagmorgen der nächste Rettungsversuch, das ist in den frühen Morgenstunden deutscher Zeit. Momentan müssen sich die knapp 100 beteiligten Taucher erholen.

Video: Vier Jungen aus der Höhle gerettet

PONGMANAT TASIRI/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

"Das waren die wirklich fitten Jungs, die sich gut angestellt haben beim Training. Aber es gab auch schwierigere Fälle", sagt ein Helfer, der an der Erstellung des mehrstufigen Rettungsplans beteiligt war.

Am Ende war es wohl pure Verzweiflung, die den Einsatzbefehl auslöste. Für die nächsten Tage ist heftiger Regen angesagt, die Pumparbeiten der vergangenen Woche wären hinfällig gewesen. Die Höhle wäre wieder voller Wasser gelaufen. Schon jetzt brauchten die Taucher sechs Stunden, um die Schüler zu erreichen. Hinzu kam - und das war letztlich deutlich entscheidender - , dass der Sauerstoffgehalt in der Luftblase, in der sich die Kinder befanden, stetig abnahm. Deren Blutwerte hatten sich bereits deutlich verschlechtert. Die Eingeschlossenen müssen alle da raus, darin war sich die Einsatzleitung seit gut 24 Stunden einig. Oder sie werden bald sterben.

Noch Tage zuvor hatte jeder Taucher vor Ort von genau diesem Plan abgeraten. Einem Tauchschüler beizubringen, die Tankausrüstung abzulegen - und genau das müssen die Kinder tun, um durch die engste Stelle des Höhlensystems zu passen - das ist schon im offenen Meer schwer genug. Aber in einer Höhle, bei null Sicht, geschwächt von zwei Wochen im Inneren eines Berges, das ist nach Einschätzung der meisten Tauchprofis absoluter Wahnsinn.

Anfänger verfallen leicht in Panik. Dazu reicht, dass etwas Wasser in die Maske fließt. "Die Tauchlösung ist sehr riskant, es kann einfach zu viel schief gehen", sagte Mario, ein Taucher aus Norwegen, noch vor ein paar Tagen im Camp. Da glaubte man noch, im Notfall die Kinder einfach bis zum Ende der Regenzeit in einigen Monaten in der Höhle lassen zu können. Dann untersuchte ein australischer Taucharzt die Kinder und der Plan wurde verworfen.

Jetzt ist die Rettungsaktion angelaufen. Eine Aktion, mit der sich kaum ein Experte vor Ort anfreunden kann. Die beste Lösung unter den schlechten.

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