Helfer beim Flugzeugunglück in San Francisco "Chaotisch, hektisch, surreal"

Sie näherten sich dem Wrack unter Lebensgefahr und holten Passagiere aus der brennenden Maschine: Für ihren Rettungseinsatz am Flughafen von San Francisco werden die Helfer als Helden gefeiert. Doch der Tod einer jungen Chinesin wirft weiter Fragen auf.

AP/dpa

San Francisco - Menschen, die in Panik über Plastikrutschen aus dem brennenden Flugzeug stürzen. Eine riesige Rauchsäule über dem Wrack, jede Menge ausgelaufener Treibstoff: Chaotisch, hektisch und surreal, so beschreibt Feuerwehrfrau Chrissie Emmons bei einer Pressekonferenz laut "San Francisco Chronicle" die Unglücksstelle auf dem Flughafen von San Francisco. "Als ob das alles gar nicht wirklich geschehen würde."

Doch die Bruchlandung einer südkoreanischen Boeing 777 mit 307 Menschen an Bord war keine Übung, war kein Alptraum. Es war ein Alarm der Stufe 3.

Emmons und ihre Leute fuhren zum brennenden Wrack. Der Zeitung zufolge kletterten sie über die aufblasbaren Notrutschen ins Innere, der schwarze Rauch schlug ihnen entgegen. Im zerstörten Heck der Maschine suchten die Einsatzkräfte nach eingeklemmten Fluggästen. Und fanden Jim Cunningham, der ohne Schutzkleidung nach Verletzten suchte.

Der Polizist hatte demnach im Radio von dem Unglück gehört und war zum Flughafen geeilt. Zunächst habe er Trümmer zur Seite geräumt. Dann habe er gedacht, es seien zu wenig Helfer dort - und sei selbst in das brennende Flugzeug gestiegen. "Ich habe nicht weiter nachgedacht", sagte er laut "San Francisco Chronicle".

Dutzende Menschen wurden teils schwerverletzt in Krankenhäuser gebracht, sieben von ihnen befinden sich den Behörden zufolge in kritischem Zustand. "Wir hatten Glück, dass wir alle rausholen konnten", sagte Feuerwehrfrau Emmons. Bis auf zwei junge Chinesinnen überlebten alle Insassen das Unglück.

Ermittlungen zum Tod der Chinesin überschatten Heldentaten

Die Leichen der Mädchen wurden außerhalb der Maschine auf der Landebahn gefunden. Die beiden Jugendlichen waren auf dem Weg zu einem mehrwöchigen Sommer-Camp in Kalifornien gewesen. Die Heldentaten der Helfer werden von Berichten überschattet, wonach eines der Mädchen es aus dem brennenden Wrack schaffte, dann jedoch von einem Rettungswagen überfahren wurde.

Die Chefin der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Deborah Hersmann, sprach von einer "sehr ernsten" Angelegenheit. Die Gerichtsmediziner hätten ihre Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, die Todesursache sei noch unklar. Die Opfer saßen im hinteren Teil des Flugzeugs, wo Passagiere die schwersten Verletzungen erlitten. Ein Polizeisprecher bestätigte, dass der Vorfall untersucht werde.

Die Ermittlungen zur Unglücksursache gehen nur schleppend voran. Die Boeing der Fluggesellschaft Asiana hatte den Flughafen viel zu langsam und viel zu tief angeflogen. Statt mit den empfohlenen 253 Kilometern pro Stunde habe die Maschine mit einer Geschwindigkeit von nur 196 Kilometern pro Stunde die Landebahn erreicht, so NTSB-Chefin Hersman.

Bei der Bruchlandung riss die Maschine demnach eine Mauer ein, die den Flughafen am Rande der Bucht von San Francisco vom Meer abgrenzt. Hersman zufolge wurde dabei das Fahrwerk abgetrennt. Nach einer Schleuderfahrt, bei der weitere Teile abgerissen wurden, kam die Maschine am Rande der Landebahn zum Stehen.

Eine offizielle Erklärung für das Unglück gibt es bislang jedoch nicht. Den Erkenntnissen zufolge gab es vor der Bruchlandung keinen Hilferuf über einen möglichen Notfall aus dem Cockpit. Beide Motoren seien funktionsfähig gewesen.

Hersman wollte bislang nicht von einem Pilotenfehler sprechen. Die vier Piloten und die übrige Crew sollten noch zum Hergang des Unfalls befragt werden.

Boeing 777 aus Tokio muss wegen Leck umkehren

Unterdessen wurde bekannt, dass nicht nur der Pilot einen seiner ersten Einsätze auf einer Boeing 777 flog, sondern auch sein Ausbilder ein Neuling war. Lee Jung Min habe erst im vergangenen Monat sein Trainerdiplom erhalten, der Flug nach San Francisco sei sein erster Einsatz als Ausbilder gewesen, sagte eine Asiana-Sprecherin in Seoul. "Das ist nichts Unnormales. Jeder Ausbilder hat irgendwann seinen ersten Tag als Trainer." Als Pilot habe Lee schon mehr als 3000 Flugstunden mit einer Boeing 777 gehabt.

Angesichts der Katastrophe herrscht bei den Behörden offenbar äußerste Vorsicht. Eine Boeing 777 auf dem Weg von Tokio nach San Francisco musste aus technischen Gründen umkehren. Die Besatzung der Japan-Airlines-Maschine hatte laut Fluggesellschaft ein Leck im Hydrauliksystem festgestellt, mit dem die Landeklappen gesteuert werden. Das Flugzeug mit 236 Passagieren an Bord sei daher am Dienstag drei Stunden und 20 Minuten nach dem Start zum Tokioter Flughafen Haneda zurückgekehrt. Techniker untersuchten das Leck.

gam/dpa/Reuters

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Seite 1
antilobby 09.07.2013
1.
Zitat: Der Polizist hatte demnach im Radio von dem Unglück gehört und war zum Flughafen geeilt. Kann man einfach an Flughafenzaun - evtl. noch zivil gekleidet - seinen Dienstausweis zeigen um zu der Unfallstelle zu gelangen?
Dr.Markert 09.07.2013
2. Der 'Fall' ist doch sonnenklar!
Fliegen ist die Resultante von Schub und Auftrieb. 1. Fehler: völlig insuffizienter Pilot. Zweiter Fehler: er kam zu steil und zu weit 'hinten' rein; ob man da die ausgefallenen Boden-Landeassistenz-Hilfen verantwortlich machen kann, kann ja nur bei einem Flugschüler von Relevanz sein...!?! So - und nun ist es nur noch (physikalisch) 1 Sekunde vor Doom. Der Flieger ist mithin zu langsam, 'merkt' seinen Fehler, will ihn (mit den falschen Mitteln) gutmachen und durchstarten; kommt in den tödlich-fatalen Strömungsabriss ('stall') und stürzt ab. So und nicht anders ist passiert, was eigentlich nie hätte passieren dürfen!
überzwerg 09.07.2013
3. Unwahrscheinlich
Zitat von sysopAP/dpaSie näherten sich dem Wrack unter Lebensgefahr und holten Passagiere aus der brennenden Maschine: Für ihren Rettungseinsatz am Flughafen von San Francisco werden die Helfer als Helden gefeiert. Doch der Tod einer jungen Chinesin wirft weiter Fragen auf. http://www.spiegel.de/panorama/rettungskraefte-schildern-einsatz-in-san-francisco-a-910110.html
Das scheint doch eher unwahrscheinlich. Zum Zeitpunkt, zu dem im Radio von dem Unglück berichtet wurde, dürfte das brennende Flugzeug längst schon gelöscht worden sein. Und dass man Außenstehende einfach so zur Unglückstelle vorgelassen hätte, ist auch nicht wirklich glaubhaft.
tuscreen 09.07.2013
4. Die Behörden eiern doch schon wieder rum
Die Sache mit dem Rettungswagen sei eine "ernste Angelegenheit", aber der Gerichtsmediziner ermittele noch die Todesursache - heißt übersetzt: Ja, der Rettungswagen HAT das Mädel umgenietet, aber jetzt soll der Gerichtsmediziner erst mal rausfinden, ob das Mädel vielleicht sowieso schon eine tödliche Rauchvergiftung o.ä. hatte, an der sie gestorben wäre. Wenn dem nicht so wäre, hätten die Behörden unmissverständlich ein Überfahren der Chinesin ausgeschlossen. Sowohl der steuernde Pilot ALS AUCH der Ausbilder waren neu in ihrem jeweiligen Job, aber das ein Ausbilder irgendwann seinen ersten Flug habe, sei ja ganz normal (und dass er dann wiederum mit einem Lehrling am Steuer kombiniert wird, der die fragliche Maschine noch nie geflogen hat, etwa auch??) und von einem Pilotenfehler wolle man nicht sprechen (obwohl man nicht gerade Sherlock Holmes sein muss, um bei den Doppel-Novizen im Cockpit eins und eins zusammen zu zählen; NATÜRLICH liegt ein Pilotenfehler nach aktuellem Stand auf der Hand). Ist dieses Geeiere nun schon Politik oder sind die Behörden nur übervorsichtig bei Schuldzuweisungen?
ffmfrankfurt 09.07.2013
5. Das Umkehren...
...einer JAL 777 hat nichts mit Vorsichtigkeit der Behörden zu tun, sondern wird bei Ausfalls eines Hydrauliksystems von der MEL (Minimum Equipment List) vorgeschrieben und seitens des PIC (Pilot in Command) entsprechend umgesetzt. So etwas kommt täglich vor und stellt keine nicht beherrschbare Situation dar. Etwas besserer Journalismus seitens des Spiegels bitte!
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