Richterstreik in Madagaskar 700 Häftlinge freigelassen

Keine Richter, keine Anklage: Weil die Juristen im Inselstaat Madagaskar in Streik getreten sind, kommen 700 Untersuchungshäftlinge frei. In dem Land eskaliert ein Streit zwischen Justiz und Politik, nachdem ein Staatsanwalt von Polizisten entführt und getötet worden war.


Antananarivo - Ein Streik der Richter im Inselstaat Madagaskar beschert 700 Untersuchungshäftlingen Weihnachten in Freiheit - egal wie belastend die Beweise für ihre Straftaten auch sein mögen. Die Richter des Landes seien über die Zustände in Justiz und Polizei so empört, dass sie sogar erwägen würden, geschlossen von ihren Ämtern zurückzutreten, betonte der Präsident des Richterverbandes, Auguste Marius Arnaud, im staatlichen Fernsehen am Montagabend.

Wegen des Streiks müssen die Untersuchungshäftlinge freigelassen werden, da sie laut Gesetz spätestens nach 48 Stunden Haft einem Richter vorgeführt werden müssten.

Die Richter auf der südostafrikanischen Insel waren schon vergangene Woche in den Ausstand getreten. Zuvor hatten meuternde Polizisten in der Hafenstadt Tulear einen Staatsanwalt entführt und so schwer misshandelt, dass er seinen Verletzungen erlag.

Am selben Tag versuchten 50 Polizisten mit Waffengewalt das Zentralgefängnis zu stürmen, um einen verurteilten Kollegen zu befreien. Der Gefangene hatte nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft seine Dienstwaffe nicht wie angegeben verloren, sondern an Kriminelle verkauft. Die Waffe wurde später bei einem erschossenen Einbrecher gefunden.

Die Richtervereinigung fordert nun den Rücktritt des Ministers für innere Sicherheit und einen besseren Schutz in den Gerichtsgebäuden.

bim/dpa

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