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Eingestürztes Einkaufszentrum in Riga: Retter versuchen Verschüttete über Handys zu orten

In Riga harren immer noch viele Menschen vor dem eingestürzten Einkaufszentrum aus - sie bangen um vermisste Angehörige. 52 Tote wurden geborgen. Die Rettungskräfte versuchen, Verschüttete mit Anrufen auf den Handys zu orten. Hinweise auf die Unglücksursache verdichten sich, offenbar wurde auf dem Dach schweres Baumaterial gelagert.

AFP

Riga - Zwei Tage nach dem Einsturz eines Supermarktdachs in der lettischen Hauptstadt Riga ist die Zahl der Toten auf 52 gestiegen. Die Rettungskräfte hätten am Samstagmorgen ein weiteres Opfer gefunden, meldete die Nachrichtenagentur Leta unter Berufung auf die Polizei. Zuletzt waren in der Nacht zu Freitag Verletzte gefunden worden.

Das Dach des Gebäudes in einem Vorort war am Donnerstagabend eingestürzt. Mittlerweile gibt es erste Spekulationen über die Ursache des Unglücks. Rigas Bürgermeister Nils Usakovs verwies auf große Säcke mit Baumaterialien und Erde, die zum Bau eines Dachgartens auf dem Gebäude gelagert wurden. In Folge tagelanger Regenfälle könnte sich die Erde mit Wasser vollgesogen haben.

Auf Bildern vom Unglücksort sind Teile des Dachgartens und der Baumaterialien zu erkennen, darunter gestapelte Pflastersteine, die für einen Weg verwendet wurden. Auch ein Spielplatz war nach Angaben der Nachrichtenagentur AP auf dem Dach geplant.

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Supermarkteinsturz in Lettland: Verzweifeltes Warten in Riga

"So viel Material auf dem Dachgarten"

Die Anwohnerin Nina Kameneva wurde mit den Worten zitiert, es sei "in den vergangenen zwei Wochen so viel Material auf dem Dach abgeladen worden, dass ich es einfach nicht verstehe". Ähnlich äußerte sich der britische Pilot Paul Tribble, der laut BBC zum Zeitpunkt des Einsturzes im Supermarkt war, sich jedoch retten konnte. Ein Kran habe in jüngster Zeit Sand und Baumaterialien auf das Dach geladen.

Kameneva konnte die Erschütterung durch den Einsturz nach eigenen Angaben noch in ihrer Wohnung im siebten Stock eines nahegelegenen Wohnhauses spüren. "Es war wie ein Erdbeben."

Nach Angaben des stellvertretende Bürgermeisters Andris Ameriks kippten bei dem Unglück gleich mehrere verstärkte Stahlträger auf einmal um. Dies könne ein Hinweis auf eine falsche Berechnung der Last sein. Ameriks machte indirekt Haushaltskürzungen für mangelhafte Baukontrollen verantwortlich. In den vergangenen Jahren seien viele Behörden von Kürzungen infolge der Wirtschaftskrise betroffen gewesen, auch die Bauaufsicht.

Staatstrauer in Lettland

Auch in der Nacht zu Samstag harrten Angehörige an der Absperrung um den Unglücksort aus. Menschen kamen, um Blumen und Kerzen niederzulegen, andere brachten heißen Tee für die Rettungskräfte, die seit Donnerstagabend im Einsatz sind. Unter den Toten sind auch drei Feuerwehrmänner, die während der Suche nach Überlebenden von einem weiteren Teileinsturz überrascht wurden.

Laut BBC stoppten die Helfer regelmäßig die Arbeiten und ließen Angehörige auf den Handys von Vermissten anrufen, um diese zu orten. Der Einsatz sollte noch mindestens bis Samstagmorgen dauern.

Wegen einer dreitägigen Staatstrauer sind von Samstag bis einschließlich Montag viele Konzerte und Kulturveranstaltungen in Lettland abgesagt worden. Alle Spiele der nationalen Eishockeyliga fallen während der Staatstrauer in dem baltischen Land ebenso aus wie die Verleihung des Theaterpreises. "Die wichtigste Frage ist nun die nach der Ursache des Dacheinsturzes", sagte Regierungschef Valdis Dombrovskis am Freitagabend im lettischen Fernsehen.

dab/AP/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Dacheinsturz
kilian.berchtenbreiter 23.11.2013
Es ist immer wieder erstaunlich wie unterschiedlich die Berechnung einer Statik ausfällt, wenn zwei Statiker sie rechnen. Die Bemessung ist grundsätzlich abweichend. Meine Vermutung in dem aktuellen Fall geht dahin, das die auf dem Dach gelagerten Baustoffe konzentriert auf einigen wenigen Punkten gelagert wurden, obwohl die statische Berechnung von einer auf eine große Fläche bezogenen Belastung ausgeht. In der Praxis bestimmt oft die Reichweite der Kräne die Orte der Lagerung. Die Bauleitung ist in solchen Fällen gut beraten, die Lagerung der Baustoffe zu überwachen und ggf. die Orte einer gefahrlosen Lagerung im Vorfeld zu Berechnen und zu Überwachen. In meinen Augen kann ein solcher Einsturz auch in Deutschland durchaus geschehen.
2. Der Mensch bringt ...
freddygrant 23.11.2013
... den Menschen um. Warum steht ein Kaufhaus und diese Baumaßnahme nicht unter adminstrativer Bauaufsicht? Wer hat diese bauliche Erweiterung auf dem Dach des Kaufhauses genehmigt oder war es wieder die nackte Gier nach Umsatz, welche die Verantwortlichen zu einem solchen kopflosen Verhalten veranlasst hat? Es ist leider zu spät. Solche Vorkommnisse werden soweit als möglich später vertuscht und mit der Zeit ausgesessen. Bangladesh in Europa lässt grüßen!
3. Was macht es aus? ...
janfred 23.11.2013
ob die Materialien jetzt nur gelagert wurden, ok, wahrscheinlich auch konzentriert an einigen Stellen und nicht gleichmässig auf der Dachfläche verteilt. Sie sollten aber alle verarbeitet werden, vielleicht sogar noch einiges mehr. Trotzdem muss dort ein eklatanter Fehler in der statischen Berechnung vorliegen, den in ein paar Wochen hätten noch zusätzlich ganzflächig 50 cm Schnee auf dem Flachdach gelegen. Das lles kommt in die Berechnung der Umbaumassnahme hinein PLUS ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor von "x2" oder so. Hier wurde ein simples "komma" mindestens eine Stelle verschoben. Der verantwortliche Statiker tut mir sehr leid.
4. es gibt Länder mit solchen Gesetzen
fd53 23.11.2013
Zitat von kilian.berchtenbreiterEs ist immer wieder erstaunlich wie unterschiedlich die Berechnung einer Statik ausfällt, wenn zwei Statiker sie rechnen. Die Bemessung ist grundsätzlich abweichend. Meine Vermutung in dem aktuellen Fall geht dahin, das die auf dem Dach gelagerten Baustoffe konzentriert auf einigen wenigen Punkten gelagert wurden, obwohl die statische Berechnung von einer auf eine große Fläche bezogenen Belastung ausgeht. In der Praxis bestimmt oft die Reichweite der Kräne die Orte der Lagerung. Die Bauleitung ist in solchen Fällen gut beraten, die Lagerung der Baustoffe zu überwachen und ggf. die Orte einer gefahrlosen Lagerung im Vorfeld zu Berechnen und zu Überwachen. In meinen Augen kann ein solcher Einsturz auch in Deutschland durchaus geschehen.
Auf ntv wurde x-fach mittels einer guten Dokumentation über einen schonziemlich lange zurück liegenden Gebäudeeinsturz in Singapur berichtet. Auch bei diesem Gebäudeeinsturz war die die benutzte Berechnungsmethode die Ursache. In Auswertung des tragischen Ereignisses ist es deshalb in Singapur gesetzlich geregelt, dass bei relevanten Statikberechnungen die Ergebnisse durch mindestens 2 andere Statiker auf der Basis anderer Grundsätzen und Berechnungsmethoden zu prüfen sind. q.e.d.
5. Anregung
Fidel Castro 23.11.2013
Zitat von kilian.berchtenbreiterEs ist immer wieder erstaunlich wie unterschiedlich die Berechnung einer Statik ausfällt, wenn zwei Statiker sie rechnen. Die Bemessung ist grundsätzlich abweichend. Meine Vermutung in dem aktuellen Fall geht dahin, das die auf dem Dach gelagerten Baustoffe konzentriert auf einigen wenigen Punkten gelagert wurden, obwohl die statische Berechnung von einer auf eine große Fläche bezogenen Belastung ausgeht. In der Praxis bestimmt oft die Reichweite der Kräne die Orte der Lagerung. Die Bauleitung ist in solchen Fällen gut beraten, die Lagerung der Baustoffe zu überwachen und ggf. die Orte einer gefahrlosen Lagerung im Vorfeld zu Berechnen und zu Überwachen. In meinen Augen kann ein solcher Einsturz auch in Deutschland durchaus geschehen.
Vielleicht sollte die Arbeit eines Statikers seiner Verantwortung gemäß bezahlt werden, was heute leider nicht mehr üblich ist. Dann noch den Zeitdruck vermindern und die Bauaufsicht qualitativ verbessern würde wahrscheinlich helfen. Wenn dann Bauherren noch einsähen, dass auf Konstruktionen, die ohne Zusatzlasten auf dem Dach berechnet wurden, nicht einfach was draufgeladen werden darf, wäre ein weiterer Schritt Richtung Sicherheit getan.
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