Empörung in den USA: "Rolling Stone" provoziert mit Zarnajew-Titelblatt

"Rolling Stone"-Cover: Dschochar Zarnajew auf dem Titelbild Zur Großansicht
AP/ Wenner Media

"Rolling Stone"-Cover: Dschochar Zarnajew auf dem Titelbild

Der "Rolling Stone" sorgt in den USA für Empörung: Auf dem Titelblatt der August-Ausgabe ist der mutmaßliche Boston-Bomber Dschochar Zarnajew zu sehen. Viele Leute finden das geschmacklos - der Zeitschrift kann die Aufregung nur recht sein.

Washington - Normalerweise zieren Schauspieler, Models, TV-Sternchen, Musiker und sehr selten auch mal Politiker das Titelblatt des "Rolling Stone". Für das Cover der August-Ausgabe hat die US-Zeitschrift nun einen mutmaßlichen Terroristen ausgewählt: Dschochar Zarnajew. Die Schlagzeile lautet "Der Bomber. Wie ein beliebter, vielversprechender Student von seiner Familie enttäuscht wurde, dem radikalen Islam verfiel und zum Monster wurde".

Zarnajew wird vorgeworfen, beim Bombenanschlag von Boston vier Menschen getötet und Massenvernichtungswaffen eingesetzt zu haben. Zudem ist er wegen vielfacher Körperverletzung, der Nutzung von Feuerwaffen, der Kaperung eines Autos, der Verschwörung und Sachbeschädigung angeklagt. Er hat sich nicht schuldig bekannt.

In sozialen Medien ist die Empörung über die Entscheidung der Zeitschrift groß. Das Titelbild zeigt Zarnajew, 19, mit langen, dunklen Locken und Bart, wie er direkt in die Kamera blickt.

Das Cover wurde auf der Facebook-Seite des "Rolling Stone" mehr als 12.000-mal kommentiert - meist negativ. "Was für eine Schande, einen Mörder wie einen Rockstar aussehen zu lassen", war auf der Facebook-Seite des Musikmagazins zu lesen. "Wer auch immer dachte, das sei eine gute Idee, sollte gefeuert werden", lautete ein anderer Kommentar. Eine Frau schrieb, sie empfinde es als persönliche Beleidigung, diesem Schweinehund aufs Titelblatt zu heben. Ein anderer Leser teilte mit, er werde sein seit 1982 laufendes Abo kündigen.

Boston Bürgermeister Thomas Menino nannte das Titelblatt eine Schande. Er werde den Verlag wissen lassen, was er davon halte. Der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, sagte, seinem Verständnis nach sei an dem Artikel nichts auszusetzen. "Aber das Cover ist geschmacklos, finde ich."

Dass das Zarnajew-Titelbild Empörung auslöst, dürfte der "Rolling Stone" bewusst einkalkuliert haben - kaum ein anderes Titelmotiv dürfte so viel Aufmerksamkeit erzeugen wie das Bild des mutmaßlichen Terroristen. Dem Artikel liege eine ausführliche Recherche zugrunde, teilte die Zeitschrift mit. Autorin Janet Reitman habe mit Dutzenden Personen gesprochen - Zarnajews Freunden aus Kinder- und Jugendtagen, Lehrern, Nachbarn und Ermittlern.

Dschochar Zarnajew und sein Bruder Tamerlan sollen am 15. April beim Boston Marathon zwei Bomben gezündet haben. Drei Menschen starben, 264 wurden verletzt. Auf ihrer Flucht sollen die Brüder auch einen Polizisten erschossen haben. Tamerlan Zarnajew starb nach dem Anschlag bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei. Dschochar Zarnajew wurde nach tagelanger Fahndung gefasst.

ulz/dpa/Reuters

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