Rom Bannstrahl des Vatikans trifft Befreiungstheologen Sobrino

Erstmals seit dem Amtsantritt von Papst Benedikt XVI. trifft der Bannstrahl Roms einen Theologen: Der Vatikan will eine Lehrverurteilung gegen den populären Jesuitenpater Jon Sobrino aus El Salvador aussprechen. Der 68-Jährige trage zur "Verwirrung der Gläubigen" bei.


Rom - Die Thesen des Befreiungstheologen seien von "großer Gefährlichkeit", hieß es. Die Kontroverse könnte einen Schatten auf die Reise Benedikts im Mai zur Sitzung der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Sao Paulo werfen.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, will der Präfekt der Glaubenskongregation, William Levada, den aus dem Baskenland stammenden Sobrino an diesem Donnerstag mit einer "Notifikation" öffentlich maßregeln. Inoffiziellen Informationen aus dem Vatikan zufolge soll dem Jesuiten künftig untersagt werden, zu unterrichten, Vorträge zu halten und Bücher zu veröffentlichen.

Der Fall ruft Erinnerungen an den schweren Konflikt der Kirche mit der "linken" Befreiungstheologie in den Achtziger Jahren wach. Die Führung der Jesuiten in Rom bestätigte, dass Sobrino eine Notifikation des Vatikans erhalten soll, wollte sich aber nicht näher äußern. Im Kern werfe die Kirche dem Theologen vor, zu sehr die Solidarität mit den Armen und zu wenig die Erlösung durch Jesus Christus zu betonen. Außerdem unterstreiche Sobrino zu sehr den menschlichen Charakter Jesu und vernachlässige dessen "göttlichen Charakter".

Sobrino, der 1957 ins zentralamerikanische El Salvador ging, gilt als einer der populärsten Befreiungstheologen. "An Gott zu glauben bedeutet, sich mit den Unterdrückten zu solidarisieren", sagte er einmal. Der Autor mehrerer Bücher lehrt an der katholischen Zentralamerikanischen Universität in San Salvador. Unter anderem war er Berater des Erzbischofs von San Salvador, Oscar Arnulfo Romero, der 1980 von einer Todesschwadron ermordet wurde. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Münster verlieh ihm 1998 die Ehrendoktorwürde.

Bereits in den Achtziger Jahren war der Vatikan gegen die Befreiungstheologie in Lateinamerika vorgegangen, da diese zu sehr das soziale Engagement der Kirche betone und darüber ihren Heilsauftrag vernachlässige. Entscheidenden Anteil etwa an der Verurteilung des bekannten Befreiungstheologen Leonardo Boff hatte der damalige Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Joseph Ratzinger, der 2005 zum Papst gewählt wurde.

jto/dpa



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