Rosenmontagsumzüge Politikum in Pappmaché

Kanzler Schröder als verhedderter Spiderman, US-Präsident Bush mit heruntergelassenen Hosen - bei den Rosenmontagszügen haben die zum Teil brisanten Wagenmotive für Gesprächsstoff gesorgt. Hunderttausende begeisterter Fans feierten in den Hochburgen der Jecken bei strahlendem Sonnenschein die Karnevalsumzüge.




Topmodel Klum: Bützchen mit Verspätung
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Topmodel Klum: Bützchen mit Verspätung

Köln/Mainz - Weit mehr als eine Million Narren haben bei den Rosenmontagszügen durch die Karnevalshochburgen Düsseldorf, Köln und Mainz die Politik aufs Korn genommen. Eine der meist veräppelten Figuren war US-Präsident George W. Bush, der in zwei Wochen zu Besuch nach Deutschland kommt. Aber auch für Kanzler Gerhard Schröder und Oppositionsführerin Angela Merkel gab es jede Menge Spott und Schelte.

Der Kölner Zug startete um elf Minuten vor 11 Uhr - zunächst ohne die prominentesten Teilnehmer: Topmodel Heidi Klum und ihr Verlobter, der Popsänger Seal, kamen zu spät und mussten einen Teil des Weges mit dem Rettungswagen zurücklegen, bis sie zu ihrem Wagen kamen. Unter dem Motto "Kölle un die Pänz us aller Welt" (Köln und die Kinder aus aller Welt) zogen rund 10.000 Jecken mit 96 Festwagen auf der rund 6,5 Kilometer langen Strecke durch die Domstadt.

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Rosenmontagsumzüge: Bühne frei für die Jecken

Bundeskanzler Schröder verhedderte sich einmal als Spiderman in seinem eigenen Netz. Dann wieder verjagte er als Hexe Hänsel und Gretel - alias Edmund Stoiber und Angela Merkel - aus dem Knusperhäuschen Kanzleramt. Bundesfinanzminister Hans Eichel reparierte als Figur notdürftig die leck geschlagene Arche Eichel, die mit einem letzten Hemd als Segel fuhr. Doch auch der Deutsche Fußballbund bekam wegen des Wettskandals sein Fett weg. So stand auf einem Wagen DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder unten ohne da - das Motto: "Das ging in die Hose". Auf einem anderen Wagen zerriss ein blutiger Hoyzer-Ball eine Figur mit Namen "Deutscher Fußball".

In Mainz begrüßten mehr als eine halbe Million Narren - deutlich mehr als in den Vorjahren - den 104. Rosenmontagszug, der unter dem Motto stand: "Nullfünfer und die Fassenacht sin wie der Dom fer Meenz gemacht". Mehr als 9000 Narren zogen als "närrischer Lindwurm" durch die Innenstadt.

Zahlreiche Motivwagen waren zu sehen, die teils schon vor dem Rosenmontagszug für Gesprächsstoff gesorgt hatten. Einer der politisch umstrittenen Wagen porträtierte US-Präsident Bush als Uncle Sam mit herunter gelassener Hose. Dahinter ist als Figur die CDU-Vorsitzende Merkel abgebildet, die freudig erregt auf das Hinterteil des US-Präsidenten zueilt, eine Anspielung auf die aus Sicht der Narren zu unkritische Haltung Merkels gegenüber der US-Außenpolitik. Der Wagen hatten in Mainz schon seit Tagen zu Protesten geführt. Tausende Mainzer hatten gegen den derben Scherz demonstriert. Präsident Bush wird in zwei Wochen in der Domstadt erwartet.

Das Motto des diesjährigen Rosenmontagszugs nahm Bezug auf das 100-jährige Vereinsjubiläum des Fußballvereins FSV Mainz 05. Auch die Bundesligaspieler des Clubs, oft spöttisch als "Karnevalsverein" tituliert, fuhren im Zug mit.

Mit rund 5500 Jecken, knapp 70 Gesellschafts- und Motivwagen, 40 Kapellen und 260 Pferden war der Zug in Düsseldorf so lang wie nie zuvor in der Stadtgeschichte. Bunt war das Themenspektrum, das die Narren mit ihren Motivwagen aufs Korn nahmen. Stoiber und Merkel präsentierten die Jecken als Kampfhunde, die sich ineinander verbissen haben. US-Präsident Bush zeigten die Narren, wie er ein Kruzifix zum Maschinengewehr umfunktioniert. Die Drohungen der USA gegenüber dem Iran veranlassten die Jecken, einen "Mullahburger" zu erfinden - einen gigantischen Hamburger mit amerikanischer Fahne als Verzierung. Als Füllung dienen statt Hackfleisch zwei schwarzgekleidete iranische Geistliche. Links und rechts tropfte blutrot der Ketchup.



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