RTL-Dschungelcamp Das Schweigen im Urwalde

Das Dschungelcamp und die Nazi-Entgleisungen des geschassten Kandidaten DJ Tomekk: In der RTL-Show wurde der Eklat nur am Rande thematisiert. Auch die Staatsanwaltschaft in Berlin sieht keinen Handlungsbedarf - weil der Musiker keinen deutschen Pass besitzt.


Köln - Der Rucksack mit seinem Namenszug baumelte noch am Feldbett. Mehr blieb von DJ Tomekk allerdings nicht hängen im Dschungelcamp. Kein Wort der anderen Kandidaten in der gestrigen Folge über ihren verbannten Kollegen, stattdessen Urwald-Alltag as usual.

Ausgerechnet in der Show, in der selbst Verdauungsprobleme und Fußpilz der Kandidaten zu Dramen stilisiert werden, schwieg man sich zu den Nazi-Entgleisungen eines der Protagonisten weitesgehend aus.

Offenbar war es den Machern des Dschungelcamps zu heikel, einen Ex-Torwart, eine Ex-Pornoqueen und einen Ex-Popstar über Vorfälle mit echter Relevanz diskutieren zu lassen. Die Gruppe wirkte nicht eingeweiht in das Geschehen. Also ließ man lediglich das Moderatoren-Duo zum Thema Tomekk sprechen - ganz ohne Skandal geht es halt doch nicht.

Dirk Bach und Sonja Zietlow, je nach Tagesform mal brillant ironisch, mal albern kichernd, drucksten am Tag 1 nach der Tomekk-Affäre zunächst um den heißen Brei herum. Man wolle kurz was zum "Filmchen" erklären, über das ganz Deutschland spreche. Wobei es den beiden RTL-Botschaftern hauptsächlich darum ging, dem Sender eine Art Persilschein auszustellen. "Eine Privatperson aus dem Umfeld unserer Stars hat das Video gedreht und verkauft", so Bach. "Ich wiederhole: aus dem Umfeld unserer Stars".

Dann folgte eine kurze Rückblende: DJ Tomekk vor seinem Rauswurf. Er sitzt in der Dschungeltelefonzelle, stammelt "Ok, alles klar" und geht. Schnitt. Soviel Betroffenheit muss reichen. Schließlich ist im Laufe des Tages ja noch mehr passiert: Eike Immel hat eine Ratte in der Hose, Bata Illic sitzt wie immer starr und steif auf seiner Pritsche und Ross Antony zappelt in einem Fangnetz.

Die Stimmung war wieder auf Sorglosigkeit gedimmt. Zietlow und Bach wagten nun auch das eine oder andere Späßchen in Anspielung auf DJ Tomekks Entgleisung - oder mussten es wagen, um wenigstens ein bisschen Unterhaltung in die sonst dröge Dschungel-Episode zu bringen.

Ein kleines verbales Sahnehäubchen sparte sich Bach bis zur letzten Minute auf, als er - bereits im Abspann - kalauerte: "Morgen erklärt Eike, wie man sich ins Abseits stellt. Obwohl, das hat Tomekk ja bereits erledigt." Wenn auch mit weniger weitreichenden Konsequenzen als vielleicht erwartet.

Denn DJ Tomekk braucht keine strafrechtlichen Konsequenzen wegen seines auf Video festgehaltenen Hitlergrußes zu fürchten. Das bestätigte heute der Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin gegenüber SPIEGEL ONLINE. DJ Tomekk alias Tomasz Kuklicz habe nicht die deutsche, sondern die polnische Staatsangehörigkeit. Es sei nicht strafbar, wenn ein Ausländer im Ausland den Hitlergruß zeige.

dek/jdl



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