Rücktritt von Benedikt XVI. Berliner Kardinal sieht Papst-Amt "entzaubert"

Mit seiner Rücktrittsankündigung hat Benedikt XVI. das Amt des Papstes entzaubert - zumindest nach Überzeugung des Berliner Erzbischofs Rainer Maria Woelki. Der Geistliche fürchtet, die Entscheidung des Pontifex könnte dessen Amt verweltlichen.

Erzbischof Woelki: "Entmystifizierung des Papst-Amtes"
DPA

Erzbischof Woelki: "Entmystifizierung des Papst-Amtes"


Berlin - Der überraschend angekündigte Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hat nach Ansicht des Berliner Erzbischofs Rainer Maria Woelki das Amt "entzaubert". Durch die Entscheidung sei eine "Entmystifizierung des Papst-Amtes" erfolgt, sagte Woelki in Berlin. Bisher seien alle Gläubigen damit aufgewachsen, dass der Heilige Vater bis zu seinem Tod sein Pontifikat ausübe.

Auf die Frage, ob durch die Abgabe des Amtes eine Verweltlichung des Amtes drohe, sagte Woelki: "Diese Gefahr besteht oder kann bestehen." Bei der Suche eines Nachfolgers plädierte der Erzbischof für Fairness. Es dürfe nicht zugehen wie in der Gesellschaft mit "Machtspielchen und Taktierereien". Woelki gehört zu den 117 Kardinälen, die sich voraussichtlich Ende Februar im Konklave zusammenfinden, um ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche zu wählen.

Woelki hatte zur Wahl des neuen Papstes gesagt, der nächste Pontifex sollte auch nicht zu jung sein. Es sei "nicht verkehrt, wenn ein Papst im Alter von Mitte 60 bis Anfang 70 ist". Andernfalls sei es eine lange Zeit, die er das schwere Amt ausüben müsse. Benedikt XVI. war vor fast acht Jahren im Alter von 78 Jahren zum Kirchenoberhaupt gewählt worden. Woelki betonte, der neue Papst müsse ein Seelsorger sein, der ein Herz für die Menschen habe.

Einen klaren Favoriten für die Nachfolge von Benedikt XVI. gibt es noch nicht. Allerdings ist die Diskussion über geeignete Kandidaten für die Spitze entbrannt. Es gibt die Forderung nach einem Papst, der aus Afrika stammt. Viele wünschen sich zudem ein jüngeres Kirchenoberhaupt. Theologen fordern eine Begrenzung der Amtszeit von Päpsten. Auch über den künftigen Kurs der Kirche zwischen Tradition und Moderne wird gestritten.

Der 85-jährige Benedikt XVI. hatte am Montag angekündigt, sein Pontifikat am 28. Februar aus Altersgründen zu beenden. Er ist der erste Papst seit mehr als 700 Jahren, der sein Amt freiwillig niederlegt.

ulz/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 65 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
yonsito 12.02.2013
1. zutreffend
Das Amt ist geradezu "entweltfremdet".
janne2109 12.02.2013
2. ...........
Ich glaube das hier den Worten von Wölki eine Bedeutung gegeben wird die er so nicht meinte. Wölki ist ein sehr modern denkender Kardinal, wenn man von modern überhaupt im Sinne der Kirche sprechen kann.
kh- 12.02.2013
3.
Man kann nur (faulen) Zauber entzaubern. Die Aufklärung über die wahre Natur des Weihnachtsmanns haben die meisten von uns auch ganz gut verkraftet.
rokitansky 12.02.2013
4. Ich mag Woelki...
Zitat von sysopDPAMit seiner Rücktrittsankündigung hat Benedikt XVI. das Amt des Papstes entzaubert - zumindest nach Überzeugung des Berliner Erzbischofs Rainer Maria Woelki. Der Geistliche fürchtet, die Entscheidung des Pontifex könnte dessen Amt verweltlichen. http://www.spiegel.de/panorama/ruecktritt-von-benedikt-xvi-erzbischof-woelki-fuerchtet-verweltlichung-a-882992.html
...aber für diese Sichtweise der Dinge habe ich kein Verständnis. Es mag ja sein, dass wir in Deutschland die Dinge nicht so mystisch sehen, wie die Afrikaner oder die Südeuropäer. Aber von einer "Entzauberung" kann keine Rede sein, da gab es nichts mehr zu entzaubern, zumindest aus meiner Sicht. Der Papst als Nachfolger des Petrus als Bischof von Rom ist nun einmal ein Mensch wie wir alle und auch ein Sünder vor Gott wie alle Menschenkinder. Für mich ist der Papst das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche einer Religionsgemeinschaft wie andere auch. Eben nur mit dem Unterschied, dass es einen Oberhirten mit Weisungsbefugnis gibt. Wir sollten in diese Aufgabe aber insbesondere in die Person, die eine solche Aufgabe bewältigt nicht eine Aura hinein interpretieren, die nur dem Höchsten zusteht. Für mich ist beides in Ordnung, ein Papst der in aller Öffentlichkeit stirbt, genau so wie ein Papst, dem die Bürde und Last des Amtes aufgrund seines Gesundheitszustandes zu schwer wird und der daraus die Konsequenzen zieht und zurücktritt. Insoweit billige ich auch nicht die polnische Kritik am Rücktritt von Benedikt XVI.
NilsCA 12.02.2013
5. Hinter dem Vorhang ...
... kocht auch nur Wasser. Oh, Gott!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.