Rügen: Mädchenleiche am Kap Arkona angespült

Tausende Kubikmeter Kreideschollen und Mergel stürzten auf Rügen in die Tiefe, eine Zehnjährige kam dabei ums Leben. Einen Monat nach dem Unglück wurde nun eine Kinderleiche an der Steilküste angespült. Es soll sich dabei um das vermisste Mädchen handeln.

Sucharbeiten an der Steilküste auf Rügen (Archiv): Mädchenleiche entdeckt Zur Großansicht
DPA

Sucharbeiten an der Steilküste auf Rügen (Archiv): Mädchenleiche entdeckt

Hamburg - Am Kap Arkona auf Rügen ist eine Mädchenleiche gefunden worden. Das bestätigte der Bürgermeister von Putgarten, Ernst Heinemann. Der Leichnam sei am Morgen unweit der Stelle entdeckt worden, an der Ende Dezember mehrere tausend Kubikmeter Kreideschollen und Mergel in die Tiefe stürzten. "Wir hatten in den letzten Tagen starke Nord-Ost-Winde", sagte Heinemann. Dabei sei die Leiche offenbar angespült worden.

Bei dem Unglück war eine Zehnjährige ums Leben gekommen, die mit ihrer Schwester und ihrer Mutter unten an der Küste spazieren ging. Wegen der schlechten Wetterbedingungen und der Gefahr weiterer Abbrüche musste die Suche nach dem Leichnam immer wieder abgebrochen werden. Am 8. Januar wurde die Suche endgültig eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft Stralsund hat die weiteren Ermittlungen übernommen. "Es spricht vieles dafür, dass es sich bei der Leiche um das zehnjährige Mädchen handelt", sagte Oberstaatsanwalt Ralf Lechte. Die Leiche werde geborgen und rechtsmedizinisch untersucht. Dabei würden die Zähne und die DNA abgeglichen - mit Ergebnissen sei frühestens Mittwochnachmittag zu rechnen. "Das ist Katharina", sagte Heinemann. Er sei beim Bergen des Leichnams dabei gewesen und habe das Mädchen erkannt.

Auf Rügen kommt es immer wieder zu Abbrüchen an der Steilküste. Deswegen werden Teile des Strandes gesperrt, Hinweisschilder warnen vor Spaziergängen an der Abbruchkante. Starke Niederschläge hatten etwa im vergangenen Sommer die Erosion beschleunigt. So war es im August zu einem gewaltigen Erdrutsch an Rügens Küste gekommen.

Vorhersehen lassen sich die Abbrüche kaum. Auch im Fall des vermissten Mädchens äußerten Experten die Vermutung, der Küstenabbruch könnte durch starken Regen ausgelöst worden sein.

Als weitere Ursache für die Kreideabbrüche sehen Experten den Anstieg des Meeresspiegels. In den vergangenen 200 Jahren ist nach Angaben des Nationalparkamtes der Pegel der Ostsee um 28 Zentimeter angestiegen. Das habe zum Verschwinden des früheren Hangfußes geführt, der die Kreideküste geschützt habe. Statt des 40 Meter hohen und 50 Meter breiten Schuttpegels aus Kreide, Sand und sogenanntem Geschiebemergel sei nun eine senkrechte Kreidewand der Brandung ausgesetzt.

hut/ulz/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles zum Thema Rügen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Karte

Felsabbrüche auf Rügen
Abbrüche an den Felsen auf der Ostseeinsel Rügen sind nicht selten. Der spektakulärste Absturz in den vergangenen Jahren geschah 2005 an den "Wissower Klinken", die schon Caspar David Friedrich malte. Wind und Wetter verursachen besonders an der Kreideküste ständige Veränderungen, Erosion gilt als normal. Schon einmal gab es einen tödlichen Unfall, als Kreidemassen eine Touristin begruben. Beispiele für Abbrüche:
August 2011
Ein 100 Meter langer und 70 Meter hoher Abschnitt eines Felsens stürzt in der Nähe des Kieler Ufers, genau zwischen Sassnitz und dem Königsstuhl, ins Meer.
Februar 2011
Bei Sassnitz stürzt eine 80 Meter breite Kreidewand ab.
November 2010
Drei Kilometer südlich des bekannten Felsvorsprungs Königsstuhl brechen etwa 10.000 Kubikmeter Kreidefelsen ab.
Juli 2010
Bei einem kleinen Abbruch rutschen Kreide und Mergel nördlich von Sassnitz ab.
April 2008
Auf einer Länge von 100 Metern löst sich eine Kreideformation aus einer Steilküstenwand nahe dem Kieler Bach. 20.000 Kubikmeter Geröll poltern in die Tiefe.
Juli 2007
Nach langem Regen rutschen 5000 Kubikmeter Kreide in der Mitte der Steilküste ab.
Februar/März 2005
An den Wissower Klinken stürzen am 24. Februar zwei bis zu 20 Meter hohe Hauptzinnen ab. 50.000 Kubikmeter Kreide werden in die Ostsee gerissen. Beim Abrutschen weiterer Massen stirbt Ende Februar bei Lobbe eine 27 Jahre alte Berliner Touristin. Sie wird unter den Erdmassen begraben. Im März wird eine Suchtklinik bei Lohme evakuiert, weil die Steilküste in unmittelbarer Nähe abbricht.

Quelle: dpa