Kinderfreies Restaurant auf Rügen "Eltern sind mit der Zeit immer ignoranter geworden"

Im Restaurant "Oma's Küche" auf Rügen gilt neuerdings: Ab 17 Uhr sind Kinder unter 14 Jahren unerwünscht. Was soll das? Im Interview erklärt Inhaber Rudolf Markl seine Motive.

Schild vor "Oma's Küche und Quartier"
Rudolf Markl

Schild vor "Oma's Küche und Quartier"

Von Felix Keßler


Zur Person
  • Rudolf Markl
    Rudolf Markl, 65 Jahre alt, betreibt in Binz auf Rügen seit 2007 das Hotel und Restaurant "Oma's Küche und Quartier". Schon bei der Eröffnung sorgte er für Schlagzeilen, weil sein Restaurant das damals erste Nichtraucherlokal auf der Insel wurde. Markl kommt aus Nürnberg und hat selbst keine Kinder.

SPIEGEL ONLINE: Herr Markl, in Ihrem Hotel darf man schon länger erst ab 16 Jahren übernachten. Jetzt das Verbot im Restaurant. Was haben Sie gegen Kinder?

Rudolf Markl: Überhaupt nichts! Ich habe früher einen Weihnachtsmarkt mit Kinderkarussell betrieben und viel für die Kleinen gemacht. Zum Beispiel ein Puppentheater, bei dem ich die Stücke selbst geschrieben habe. Ich liebe Kinder - wenn sie sich benehmen. Dann sind sie bei uns auch weiterhin willkommen, bis 17 Uhr jedenfalls.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon länger darüber nachgedacht, Kinder auszusperren?

Markl: Das ist das Ergebnis einer elf Jahre langen Beobachtung - seit wir "Oma's Küche" 2007 eröffnet haben. Vor allem die Eltern sind mit der Zeit immer ignoranter geworden. Manche geben ihre Verantwortung an unserer Tür ab. Unser Job ist es aber nicht, Kinder zu erziehen, sondern den Gästen eine gute Zeit mit leckeren Essen und Getränken zu bescheren.

SPIEGEL ONLINE: Und was ist konkret vorgefallen?

Markl: Zuletzt wurde es immer wilder. Da wurden Tischdecken von fremden Leuten heruntergezogen, Rotwein inklusive. Manchmal wurde mit Essen zum Nachbartisch geworfen. Das ging so weit, dass andere Gäste früher gegangen sind, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben. Das Schlimmste war aber, dass manche Eltern unsere Servicekräfte noch beschimpft haben, wenn sie darauf hingewiesen wurden, dass es so nicht geht.

SPIEGEL ONLINE: Für Ihre Aktion gab es vor allem im Netz zum Teil heftige Kritik. Was sagen denn die Gäste im Restaurant?

Markl: Da bekommen wir viele positive Rückmeldungen. Unsere Gäste sind ja nicht ausschließlich Touristen, sondern auch Leute, die auf der Insel arbeiten. Nach Feierabend wollen die ihre Ruhe haben. Den Aufschrei verstehe ich sowieso nicht. Wir haben über 300 Restaurants auf der Insel, von denen wird ja wohl eines für ein paar Stunden am Abend kinderfrei sein dürfen.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass Ihr Beispiel Schule machen könnte?

Markl: Ein anderer Restaurantbesitzer aus der Gegend hat mich jedenfalls heute morgen angerufen und mir für den Schritt seinen Respekt ausgesprochen. Er hat mir gesagt, dass er auch seit Jahren über ein Kinderverbot nachdenke, sich aber bislang nicht getraut habe. Eigentlich wollten wir unser Restaurant komplett kinderfrei machen. Aber damit hätten wir den vielen gut erzogenen Kindern großes Unrecht getan. Die gab es in den vergangenen Jahren ja auch immer.

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