Skandal-Millionär Polonski: "Das wirft ein schleches Licht auf Sie, Hoheit!"

Von , Moskau

Oligarch Polonski bei seiner Festnahme: "Würdige Entschuldigung" an den König Zur Großansicht
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Oligarch Polonski bei seiner Festnahme: "Würdige Entschuldigung" an den König

Sergej Polonski sitzt nach Übergriffen gegen seine Schiffsbesatzung in kambodschanischer Haft. Dem exzentrischen Millionär droht ein mehrjähriger Gefängnisaufenthalt oder die Abschiebung nach Moskau. Dort aber wurde ein Betrugsverfahren gegen ihn eingeleitet. Jetzt soll es Kambodschas König richten.

Fern der Heimat hat sich Millionär Sergej Polonski, einst einer der einflussreichsten Baulöwen Moskaus, in eine vertrackte Lage manövriert. Er hatte in der Silvesternacht ein Ausflugsboot in Kambodscha gechartert, das für Mitternacht gedachte Feuerwerk aber bereits an Bord gezündet. Die dagegen protestierende Besatzung sperrten er und zwei russische Begleiter erst in der Kajüte ein, dann beförderten sie die Mannschaft über Bord - offenbar berauscht vom Alkohol oder einem, wie die russische Presse munkelt, "Aufguss aus halluzinogenen Pilzen".

Seither sitzt Polonski mit seinen Gefährten in kambodschanischer Haft. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu drei Jahre Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Russe dagegen beteuert, "ein Missverständnis und die Sprachbarriere" hätten zu dem bedauerlichen Vorfall geführt.

Dieser Lesart schließt sich inzwischen auch die Besatzung des Ausflugsschiffs an, nachdem sie sich mit Polonskis Verteidigung auf 20.000 Dollar Schadensersatz geeinigt hat. Die Seeleute hätten "Sergejs Entschuldigung angenommen", verkündete ein befreundeter russischer Geschäftsmann.

Die Probleme des Exzentrikers sind damit gleichwohl nicht gelöst. Kommt er in den kommenden Tagen frei, droht ihm die umgehende Abschiebung nach Russland. Dort ermitteln die Behörden gegen Polonski, wegen "Betrugs in besonders großem Umfang". Polonski wird vorgeworfen, 2007 und 2008 Käufer von Eigentumswohnungen geprellt zu haben.

"Sind Sie vielleicht von einer Eiche heruntergekracht?"

Jetzt hat Polonski einen offenen Brief verfasst. Er appelliert an Norodom Sihamoni, den König von Kambodscha. Schon im fernen Moskau war Polonski berüchtigt für den mitunter emotionalen Ton seiner Korrespondenz. Ein Schreiben an einen einflussreichen Vizebürgermeister der russischen Hauptstadt, zuständig für das Bauwesen, begann er etwa mit Zweifeln an dessen geistiger Gesundheit und der Frage, ob "Sie vielleicht von einer Eiche heruntergekracht sind".

Der Ton des Briefs an den König ist konzilianter, wenn auch durchaus kritisch: "Wir, die Bürger eines anderen Landes, Besitzer von Immobilien in Kambodscha, sind empört von dem System, das die Gefängnis-Leitung geschaffen hat, (..) und welches ein schlechtes Licht auf Sie wirft, Eure Hoheit."

Bitte auf Erteilung der Staatsbürgerschaft

Dann kommt Polonski zur Sache. Er sei bereit, "den Kambodschanern zu helfen, ein besseres Leben zu schaffen". Er plane den "Bau eines Sieben-Sterne-Hotels auf einem Archipel" unweit der Stadt Sihanoukville. Ein Projekt "von Weltrang" sei das, und eine, wie er hoffe, "würdige Entschuldigung". Sobald man die Anschuldigungen gegen ihn fallen gelassen habe, bitte er "Eure Hoheit um die Prüfung meiner Bitte auf Erteilung der Staatsbürgerschaft Kambodschas". Mit einem Pass des südostasiatischen Landes in der Tasche müsste Polonski nicht mehr die Abschiebung nach Russland fürchten, so das Kalkül des Unternehmers. Ob der König der Bitte entsprechen wird?

Polonski ist allerdings nicht der einzige Russe, der in der Angelegenheit bei Kambodschas Staatsoberhaupt vorstellig geworden ist. In den vergangenen Tagen erreichte eine Warnung aus Moskau den König, Polonski sei verantwortlich für "Schwindeleien und Bauruinen". Absender waren die geprellten russischen Wohnungskäufer. Sie appellieren an den Monarchen, den Unternehmer nach Russland abzuschieben, "wo er sich wegen betrügerischer Handlungen vor den Ermittlern verantworten soll - und danach vor Gericht".

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