Abgestürztes Passagierflugzeug Alle 71 Insassen der russischen Maschine tot

Bei einem Flugzeugabsturz nahe Moskau sind alle 65 Passagiere und die sechs Crewmitglieder ums Leben gekommen. Die russische Maschine zerschellte in einem unbewohnten Gebiet.

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Nur vier Minuten war das Flugzeug der Fluggesellschaft Saratov Airlines in der Luft, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Antonow An-148 startete um 14:24 Uhr vom Flughafen Domodedowo, um 14:28 Uhr verschwand das Flugzeug mit 65 Passagieren und sechs Crew-Mitgliedern vom Radar.

Im Bezirk Ramenskoje nahe des Dorfes Stepanowskoje südöstlich von Moskau zerschellte die Maschine dann in einer unbewohnten Gegend. Wie die russischen Behörden am frühen Sonntagabend mitteilten, kamen die 71 Insassen dabei ums Leben, die Passagierlisten wurden veröffentlicht. Unter den Toten sind demnach drei Minderjährige im Alter von 17, 13 und 5 Jahren.

Der Aufprall muss heftig gewesen sein. Das Staatsfernsehen zeigte wackelige Bilder von kleinen und großen Trümmerteilen. Einige waren weiß, andere gelb. Sie lagen über einen Radius von einem Kilometer im tiefen Schnee verteilt. "Das Flugzeug muss aus großer Höhe abgestürzt sein", kommentierte ein Nachrichtensprecher die Bilder, die der Sender zugespielt bekommen hatte. Mehr als 160 Helfer des Zivilschutzes und der Nationalgarde waren am Absturzort im Einsatz. Auch Verkehrsminister Maxim Sokolow fuhr hin.

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Saratov-Unglück: Absturz bei Moskau

Als mögliche Gründe für den Absturz nannten die Ermittler zunächst menschliches Versagen oder schwierige Wetterbedingungen. In der Region, in der das Flugzeug zu Boden ging, schneit es; die Temperaturen liegen bei rund minus fünf Grad. Augenzeugen berichteten der russischen Nachrichtenagentur Interfax, dass das Flugzeug bereits brannte, als es auf den Boden stürzte.

Das Flugzeug war unterwegs in die Stadt Orsk im Uralgebirge nahe der Grenze zu Kasachstan und 1500 Kilometer von Moskau entfernt. Die meisten Fluggäste seien Bewohner des Gebietes Orenburg, zu dem Orsk mit rund 230.000 Einwohnern gehört. In der Region Orenburg wurde für Montag ein Tag der Trauer angesetzt.

Präsident Wladimir Putin sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und sagte seine geplante Arbeitsreise nach Sotschi am Montag ab. Er werde in Moskau bleiben, um die Arbeit der nach dem Unglück gebildeten Regierungskommission, falls nötig zu koordinieren, kündigte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow an.

Um 17 Uhr Moskauer Ortszeit berichtete keiner der großen Staatssender über den Absturz: Der Erste Kanal zeigte Olympia, auf Rossija 1 und NTW liefen Serien.

Die Ermittlungsbehörde und die Staatsanwaltschaft leiteten Untersuchungen wegen möglicher Verstöße gegen die Flugsicherheitsvorschriften ein. Auch die Airline werde überprüft, hieß es. Die relativ kleine Fluggesellschaft Saratov Airlines wurde der Agentur Tass zufolge 1994 gegründet. Sie bietet nationale und internationale Flüge an.

Auch die Bundesregierung in Berlin drückte den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. "Erschüttert über die schrecklichen Nachrichten vom Flugzeugabsturz in der Nähe von Moskau. Wir trauern mit den Menschen in Russland um die Opfer der Katastrophe", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter.

Saratov Airlines hatte die Maschine 2017 gekauft

Das Flugzeug sei acht Jahre alt gewesen, Saratov Airlines habe es 2017 von der Billigairline Rossija übernommen, berichtete Tass. Die An-148 kann bis zu 85 Menschen befördern und hat eine Reichweite von rund 4000 Kilometern. Sie ist eine zweistrahlige Maschine für Regionalflüge und wird vom ukrainischen Hersteller Antonow gebaut.

Berichten zufolge war dies das zweite Unglück mit diesem Flugzeugtyp. 2011 war eine An-148 mit sechs Menschen an Bord bei einem Testflug im Gebiet Belgorod abgestürzt. Damals waren die Piloten Ermittlungen zufolge zu schnell geflogen und hatten die Kontrolle verloren.

Flugzeugabstürze sind in Russland keine Seltenheit. Verantwortlich sind neben Pilotenfehlern und schlechtem Wetter oftmals auch der Einsatz von alten, schlecht gewarteten Maschinen. Obwohl sich die Sicherheitssituation im Flugverkehr in den vergangenen Jahren bereits verbessert hat, gab es seit 2010 mindestens vier schwere Unglücke ziviler Verkehrsmaschinen mit zusammen mehr als 240 Todesopfern.

Flugtracker Flightradar24 zeigt Weg der Maschine

Der letzte Absturz ereignete sich im März 2016. Damals stürzte eine Boeing 737-800 aus Dubai bei Sturm auf den Flughafen der Millionenstadt Rostow am Don. Die Maschine des Billigfliegers FlyDubai zerschellte in einem Feuerball. Alle 62 Menschen an Bord starben.

Zweieinhalb Jahre zuvor war eine Boeing 737-500 beim Anflug auf die russische Stadt Kasan hart auf der Landebahn aufgeschlagen und in Flammen aufgegangen. Es gab keine Überlebenden, 50 Menschen starben.

lgr/heb/dpa/AFP



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