Absturz des russischen Airbus Bergungsteams finden beide Black Boxes

Warum stürzte der russische Airbus über dem Sinai ab? Noch rätseln die Ermittler über die Ursache des Unglücks, bei dem 224 Menschen starben. Einen IS-Anschlag schließt die ägyptische Regierung jedoch aus.


In der Ankunftshalle des Flughafens Sankt Petersburg-Pulkowo blicken Wartende verzweifelt auf die Anzeigetafel. Doch Flug 7K9268 aus Scharm al-Scheich in Ägypten wird nicht angezeigt. Wie Bilder des TV-Senders Rossija-24 zeigen, wenden sie sich ratlos an Angestellte der Fluggesellschaft. Doch die sagen nichts.

Der Airbus 321 der russischen Gesellschaft Kogalymavia kommt nicht mehr. Die Maschine mit 224 Menschen an Bord ist um 6.13 Uhr am Samstagmorgen über der ägyptischen Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle Insassen kamen ums Leben.

"Das Flugzeug verunglückte in einer zerklüfteten Bergregion. Mediziner haben den Absturzort erreicht und bergen die Opfer zusammen mit der Armee", sagte ein Behördensprecher. Seinen Angaben zufolge ist der Absturz auf ein technisches Problem zurückzuführen. Gewissheit wird erst die Auswertung der beiden Blackboxes bringen, die am Absturzort geborgen wurden.

Russische und ägyptische Behörden arbeiten bei den Ermittlungen zusammen: Flugschreiber und Stimmenrekorder würden in Moskau ausgewertet, hieß es. Der russische Katastrophenschutz bereitete den Abflug von fünf Maschinen mit Bergungsmannschaften vor. Die Ermittler hätten inzwischen die Büros von Kogalymavia in Moskau durchsucht und Dokumente sichergestellt, berichtete die staatliche Fernsehstation Rossija 24. Eine Untersuchungskommission testet Kerosinproben vom letzten Tankstopp der Maschine in Samara.

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Russischer Airbus: Absturz auf der Sinai-Halbinsel
Die französische Behörde für Flugsicherheit (BEA) schickt ein Expertenteam nach Ägypten. Zudem sollen sechs technische Berater von Airbus am Sonntag die beiden Ermittler begleiten, teilte die BEA am Samstagabend mit. Hinzu kämen zwei Mitarbeiter der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung und vier Fachleute der russischen Flugbehörden.

Ägypten: IS war es nicht

Einen Anschlag schloss die ägyptische Regierung aus. Hinter dem Absturz stünden keine "irregulären Aktivitäten", sagte Ägyptens Premierminister Scherif Ismail am Abend. Zuvor hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf Twitter behauptet, das Flugzeug abgeschossen zu haben. Bei Behörden und Experten stieß dies umgehend auf Skepsis. "Allen Daten zufolge, die uns Ägypten zur Verfügung gestellt hat, sind solche Behauptungen unglaubwürdig", sagte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow der Agentur Interfax.

Der russische Militärexperte Igor Korotschenko sagte, für den Abschuss einer Maschine in rund 10.000 Meter Höhe besitze der IS wohl nicht die nötigen Waffen. "Was höher fliegt als etwa 4500 Meter, ist für sie ziemlich sicher nicht erreichbar", erläuterte er. Eine Bombe im Flugzeug erwähnt die IS-nahe Internetseite in dem angeblichen Bekennerschreiben nicht.

Die Fluggesellschaft Kogalymavia teilte mit, der Pilot sei mit 12.000 Flugstunden sehr erfahren gewesen. Die Maschine habe über alle nötigen Zertifikate verfügt und sei in gutem Zustand, sagte ein Sprecher. Airbus bestätigte, dass es sich bei der Unglücksmaschine um eine A321-200 handele. Sie sei 18 Jahre alt gewesen und seit 2012 für Kogalymavias Marke Metrojet geflogen. Airbus sichere den Untersuchungsteams volle technische Unterstützung zu.

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Auch wenn die Katastrophe nichts mit den Terroristen zu tun haben sollte, dürfte sie ein weiterer Schlag für den Tourismussektor in Ägypten sein. Dieser ist für die Wirtschaft des Landes von entscheidender Bedeutung - und leidet unter der instabilen Sicherheitslage. Viele westliche Touristen meiden das Land. Russische Urlauber - Branchenberichten zufolge mehr als drei Millionen im vergangenen Jahr - sind deshalb von großer Bedeutung.

Lufthansa und Air France kündigten an, bis auf Weiteres die Sinai-Halbinsel zu umfliegen. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, weil die Unglücksursache noch nicht feststehe, sagten Sprecher.

abl/Reuters/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
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fuhbar 31.10.2015
1. Zerklüftete Bergregion
Interessant - auf den beiden Fotos sieht die Landschaft reichlich anders aus.
jens.akintewe 31.10.2015
2. Man man
Wie schnell das gehen kann mit der Aufklärung!
danenffm 31.10.2015
3. Recherche ?
Im Text schreiben Sie, dass das Flugzeug über einer zerklüfteten Berglandschaft abgestürzt ist. Auf den Absturzort-Fotos ist eindeutig eine flache Wüstenlandschaft zu sehen! Ich glaube eher, dass die ägyptische Militärregierung etwas zu verheimlichen hat .....
Wolffpack 31.10.2015
4.
Zitat von danenffmIm Text schreiben Sie, dass das Flugzeug über einer zerklüfteten Berglandschaft abgestürzt ist. Auf den Absturzort-Fotos ist eindeutig eine flache Wüstenlandschaft zu sehen! Ich glaube eher, dass die ägyptische Militärregierung etwas zu verheimlichen hat .....
Weil SPON die Landschaft falsch beschreibt, muss es was zu verheimlichen geben? Top lel.
taglöhner 31.10.2015
5. One World
Denke schon, dass das auch in Russland wenige kalt lies.
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