Mülldeponie in Russland Gasaustritt - Dutzende Kinder müssen ins Krankenhaus

"Wir ersticken" - seit Wochen treten giftige Gase aus einer Mülldeponie im russischen Wolokolamsk aus. Dutzende Schulkinder mussten wegen Übelkeit und Schwindel zum Arzt.

Anwohnerproteste vor dem Krankenhaus von Wolokolamsk
AFP

Anwohnerproteste vor dem Krankenhaus von Wolokolamsk


Giftige Gase aus einer Mülldeponie haben offenbar Dutzende Kinder in der russischen Stadt Wolokolamsk krank gemacht. Wie die Behörden mitteilten, wurden etwa 50 Jungen und Mädchen aus mehreren Schulen der 100 Kilometer nordwestlich von Moskau gelegenen Stadt im Krankenhaus behandelt. Sie hätten über Übelkeit und Schwindelanfälle geklagt. Bürgermeister Pjotr Lasarew machte die Deponie dafür verantwortlich.

Aus der drei Kilometer vor der Stadt gelegenen Deponie von Jadrowo tritt seit Wochen immer wieder Schwefelwasserstoff und Stickstoffmonoxid aus. Laut dem Bürgermeister wird die Lage mit jedem Tag schlimmer. "Wegen dieser ekelerregenden Luft mussten heute viele Kinder behandelt werden", sagte er dem russischen Radiosender BFM.

"Tötet nicht unsere Kinder"

Vor dem Krankenhaus versammelten sich etwa 200 Menschen und hielten Schilder mit der Aufschrift "Tötet nicht unsere Kinder" und "Wir ersticken" in die Höhe. "Seit zwei Monaten ist die Luft hier unerträglich, unseren Kindern ist schlecht, und sie leiden unter Bluthochdruck," sagte die 50-jährige Anna Grapé bei den Protesten. In sozialen Netzwerken hatten schon vorher etliche Einwohner über den neuerlichen Gestank in den Straßen geklagt.

Vor Tagen hatten Einwohner der Stadt bei einer Protestkundgebung die Schließung der Deponie gefordert, nachdem sich der Anteil der giftigen Gase in der Luft verdoppelt hatte. Die Demonstration wurde von Spezialeinheiten der Polizei aufgelöst.

Auch das Katastrophenschutzministerium macht die Deponie von Jadrowo inzwischen für die Luftverschmutzung in der Stadt und ihrer Umgebung verantwortlich. Laut dem Ministerium wurden dort aber am Mittwoch keine erhöhten Schadstoff-Konzentrationen gemessen.

Der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, besuchte am Nachmittag die Deponie und das Krankenhaus von Wolokolamsk, wo er mit lauten "Schande"-Rufen empfangen wurde. Die Behörden kündigten an, die Deponie bis 24. März zu schließen und mit Erde zuzuschütten.

bbr/AFP

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