Russland Moskauer Kino nach Ausstrahlung von Stalin-Satire durchsucht

Eine Satire über Stalins Tod sorgt in Russland für Aufregung. Ein liberales Moskauer Kino zeigte den Film trotz Verbot. Nach der Erstaufführung kam die Polizei.

Russische Polizisten im Moskauer "Pionier" Kino
AP

Russische Polizisten im Moskauer "Pionier" Kino


Nach polizeilichen Durchsuchungen hat ein Kino in Moskau die Ausstrahlung einer verbotenen Stalin-Satire eingestellt. Das "Pionier"-Kino hatte den deutsch-britischen Film trotz eines Verbots des russischen Kulturministeriums in sein Programm aufgenommen.

Der Film des britischen Regisseurs Armando Iannucci behandelt auf satirische Weise den Machtkampf nach dem Tod des sowjetischen Diktators im Jahr 1953. Bei einer Vorpremiere des Films vor russischen Filmschaffenden und Politikern war "Der Tod Stalins" auf Ablehnung gestoßen.

In einem Brief an Kulturminister Wladimir Medinski forderten sie ein Verbot des Streifens, weil dieser "extremistisch" sei und russische Nationalsymbole "angreift". Daraufhin untersagte das Ministerium die Aufführung und warnte vor "rechtlichen Folgen" sollten die Kinos ihn dennoch zeigen.

Sechs Polizisten und Männer in Zivil

Trotzdem hatte das liberale Moskauer Kino "Pionier" des Oligarchen Alexander Mamut mehrere Vorstellungen der Stalin-Satire angesetzt. Nach der ersten Aufführung am Freitagvormittag betraten sechs Polizisten das Kino, begleitet von mehreren Männern in Zivil.

Sie gaben den Grund für ihre Durchsuchung nicht direkt an, vernahmen aber Mitarbeiter des Kinos und machten Fotos vom Bildschirm eines Computers. Daraufhin äußerte das Kino auf seiner Webseite, die noch anstehenden Aufführungen der Satire müssten "aus Gründen, die nicht an uns liegen", ausfallen.

Einen nicht lizensierten Film zu zeigen, kann in Russland zu Geldstrafen von bis zu 100.000 Rubel (1.437 Euro) führen. Bei wiederholtem Regelbruch könnte das besagte Kino auch geschlossen werden.

Eine Besucherin des Films sagte AFP gegenüber, sie sei dem Kino dankbar, dass es den Film gezeigt habe. Die Russen hätten immer noch "Angst", über die Stalin-Diktatur zu lachen. Andere Besucher hielten den Film eher für eine Tragödie als für eine Komödie.

In einem Facebook-Post schrieb das Kino, Kunden sollten sich "bei weiteren Fragen an das Kulturministerium wenden."

ans/afp/ap



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