Saarländer Amokläufer Selbstmord in Hotelzimmer

Der Todesschütze von Dillingen hat sich nach Polizeiangaben bereits vor der Festnahme in einem Luxemburger Hotelzimmer erschossen. Der 36jährige Günter Hermann Ewen hatte am Sonntag fünf Menschen getötet und weitere elf zum Teil schwer verletzt.


Luxemburger Polizisten transportieren die Leiche des mutmaßlichen Amokläufers ab
DPA

Luxemburger Polizisten transportieren die Leiche des mutmaßlichen Amokläufers ab

Luxemburg/Saarbrücken - Die Polizei hatte nach eigenen Angaben das Zimmer des 36 Jahre alten Mannes gerade aufgebrochen, als sich der seit zwei Tagen flüchtige Gewalttäter mit einem Kopfschuß aus seiner Pistole umbrachte. Ewen hatte am Sonntag im saarländischen Dillingen und im französischen Sierck-les-Bains innerhalb weniger Stunden fünf Menschen erschossen und elf verletzt, einige von ihnen schwer.

Nach Darstellung der Saarbrücker Staatsanwaltschaft hatte ein Angestellter des Hotels "Mon Plaisir" am Stadtrand von Luxemburg am Dienstag um 13 Uhr die Polizei alarmiert, nachdem sich der Gast bereits am Vortag mit verdreckter Kleidung und ohne Gepäck angemeldet hatte. Um 15.40 Uhr wollten die Beamten zugreifen, konnten aber den Selbstmord des fünffachen Mörders nicht mehr verhindern. Der Tote wurde anhand von Fingerabdrücken eindeutig identifiziert. Er trug außerdem seinen Personalausweis bei sich. Die Zimmertür soll er mit seinem Bett verrammelt habe.

Zwei Tage lang hatten starke Polizeikräfte im gesamten Grenzgebiet nach dem Mann gefahndet. Die Bevölkerung im Dreiländer-Eck hatte mit Schrecken die zunächst erfolglose Fahndung nach dem schießwütigen Gewaltverbrecher verfolgt. Bei der Polizei gingen rund 110 Hinweise ein.

Das Drama hatte seinen Lauf genommen, als Ewen aus der Dillinger Diskothek "Xanadu" geworfen wurde, weil er nicht bezahlen konnte. Danach besorgte er sich bei einem befreundeten Sportschützen zwei Waffen. Als er zurückkam, erschoß er den Geschäftsführer und den Türsteher der Disko und verletzte acht andere Menschen. Danach tötete er nach den Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft ein französisch-britisches Ehepaar in Dillingen. Tatmotiv war in diesem Fall vermutlich Rache: Der 41 Jahre alte Franzose arbeitete gelegentlich als Informant für die Polizei und hatte Ewen bei einem Verfahren um Diebstahl und Betrug Anfang des Jahres als Kronzeuge schwer belastet. Ewen war anschließend jedoch freigesprochen worden.

Ewen war am frühen Sonntag in die Wohnung des Franzosen eingebrochen und hatte laut Staatsanwalt den Mann und seine 37 Jahre alte Ehefrau im Schlaf mit mehreren Schüssen hingerichtet. Die elfjährige Tochter des Paares, die zwischen ihren Eltern schlief, verletzte er schwer. Im französischen Sierck-les-Bains erschoß er später einen 39 Jahre alten Familienvater in seiner Wohnung.

Bei seiner Flucht raubte er hintereinander zwei Autos und verletzte dabei die Fahrerin eines Wagens und einen Feuerwehrmann. Von Angriffen auf weitere Menschen wurde zunächst nichts bekannt. Der 36jährige Ewen war im Februar 1993 wegen Vergewaltigung und Nötigung zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Im Oktober 1996 war er auf Bewährung entlassen worden.



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