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Saarland: Kohleabbau löst Erdbeben mit Stärke 4,0 aus

Das Beben gilt als das bisher schwerste, das jemals durch den Bergbau ausgelöste wurde: Am Samstag wurde das Saarland durch ein Erdstöße der Stärke 4,0 auf der Richterskala erschüttert. Menschen blieben unverletzt, doch es entstand Sachschaden in bisher unbekannter Höhe.

Saarlouis/Berlin - Das Zentrum lag bei der Gemeinde Saarwellingen, etwa 20 Kilometer nordwestlich der Landeshauptstadt Saarbrücken. Die Einsatzleitung der Polizei in Saarlouis sprach von Stromausfällen und Gebäudeschäden. Nach Erkenntnissen der Behörden wurde niemand verletzt.

Ein Bergbau-Gegner mit Trümmern vor der beschädigten Kirche St. Blasius im Saarland: Das stärkste jemals durch Bergbau ausgelöste Beben
DPA

Ein Bergbau-Gegner mit Trümmern vor der beschädigten Kirche St. Blasius im Saarland: Das stärkste jemals durch Bergbau ausgelöste Beben

Anwohner berichteten von vor Angst schreienden Kindern. Bilder und Lampen seien von Wänden und Decken gestürzt. Geflickte Mauerrisse von früheren Erdeben brachen wieder auf, weitere bildeten sich neu. Ein Auto wurde durch einen abstürzenden Schornstein getroffen. Mehrere weitere Schornsteine gelten als einsturzgefährdet.

Eine Kirche in Saarwellingen durfte wegen herabgefallener Steine nicht mehr betreten werden. Nach Einschätzung eines Gutachters ist das Gotteshaus jedoch nicht in seiner Standfestigkeit bedroht.

Bewohner der Region klagen schon seit Jahren über Schäden an ihren Häusern durch bergbaubedingte Beben. Der Erdstoß vom Sonntag war offenbar der bislang schwerste dieser Art. Am frühen Abend kam es zu spontanen Demonstrationen in der Region.

Die Erschütterung aus einer Tiefe von über einem Kilometer habe sich mit erheblicher Geschwindigkeit ausgebreitet, sagten Experten. Die von den Geologen der Universität Freiburg gemessene sogenannte Schwinggeschwindigkeit, die Auskunft über den Gefährdungsgrad von Gebäuden gebe, habe bei 93 bis 99 Millimetern pro Sekunde gelegen. "Das ist schon ganz erheblich", sagte ein Polizeisprecher.

Die Deutsche Steinkohle AG sucht noch nach den genauen Ursachen. Ein Sprecher sagte im ZDF, der Erdstoß sei wegen der vorangegangenen Modifizierung von Abbauverfahren nicht erwartet worden.

SPD, FDP und Grüne verlangten einen Abbaustopp in dem Kohlerevier. SPD-Landeschef Heiko Maas nannte die sofortige Einstellung der Steinkohleförderung "zwingend notwendig und alternativlos". FDP-Fraktionschef Christoph Hartmann kritisierte, der Bergbau sei komplett außer Kontrolle geraten. Sein Grünen-Kollege Hubert Ulrich sagte, die Beben würden immer heftiger. Man sei jetzt an einem Punkt angekommen, an dem Personenschäden in großer Zahl nicht mehr auszuschließen seien. Ulrich rief die Landesregierung zum sofortigen Handeln auf. Der Chef der saarländischen Linken, Rolf Linsler, begrüßte die Entscheidung, den Kohlebergbau vorerst zu stoppen. Das löse jedoch die Probleme nicht. "Um den Bergleuten Arbeitsplatzsicherheit zu geben und gleichzeitig die Erdbeben dauerhaft zu beenden, muss das bisherige Abbaukonzept grundsätzlich überprüft werden."

Ministerpräsident Peter Müller, der sich ein Bild von der Lage machte, teilte mit, dass die Deutsche Steinkohle AG den Bergbau von sich aus eingestellt habe. Die Entscheidung sei vorläufig, aber unbefristet. Vermutungen über einen Schachteinsturz als Ursache wurden zunächst nicht bestätigt.

cjp/AP/dpa

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