Säureangriff auf Ballett-Chef: Polizei befragt Solotänzer als Zeugen

Bolschoi-Theater: Säureanschlag auf den Ballett-Chef Fotos
AFP

Wer überschüttete Ballett-Chef Sergej Filin mit Säure? Am Bolschoi-Theater war man sich unmittelbar nach dem Angriff sicher: Der Täter kann nur aus den eigenen Reihen kommen. Nun hat die Polizei Solotänzer Nikolai Ziskaridseb als Zeugen vernommen.

Hamburg - Es war kurz vor Mitternacht, als ein Unbekannter Sergej Filin mit Säure übergoss, und den Leiter des weltberühmten Bolschoi-Theaters schwer verletzte. Während Filin noch immer um sein Augenlicht kämpft, sucht die Polizei nach dem Täter. Rasch nach dem Angriff vermuteten Mitarbeiter des Theaters ihn in den eigenen Reihen. Die Rede war von Neid, Missgunst, Intrigen, Kämpfen um die besten Rollen.

Filin hatte den Druck bereits vor der Attacke zu spüren bekommen: Er erhielt Drohanrufe, jemand hackte sein Facebook-Konto und zerstach ihm die Reifen. "Ich habe immer gehofft und glauben wollen, dass Theaterleute über ein Mindestmaß an Moral verfügen", sagte Bolschoi-Sprecherin Nowikowa.

Der Angriff auf Filin richtet die Aufmerksamkeit auf die Zustände in dem Theater, das den Russen als Institution gilt.

Nun hat die Polizei einen der Stars des Bolschoi-Theaters in dem Fall vernommen: Nikolai Ziskaridseb ist Solotänzer, in Russland eine Berühmtheit - und für die Polizei nun ein wichtiger Zeuge.

"Befragt wurden Mitarbeiter des Bolschoi-Theaters, Verwandte und Bekannte von Filin", heißt es allgemein in einer Mitteilung der Ermittler, die russische Nachrichtenagenturen verbreiteten. Dem "Guardian" sagte Ziskaridseb, er habe mit der Tat nichts zu tun: "Es ist eine Tragödie, ein wahrer Horror."

Laut einem Bericht der Zeitung war Ziskaridseb 2011 einer der Anwärter auf den Posten des Ballett-Chefs. Doch er unterlag, Filin erhielt den Job. Schon dessen Vorgänger verlor unter dubiosen Umständen die Stelle: Jemand stellte kompromittierende Bilder von ihm ins Netz.

Ziskaridseb ist eine schillernde Figur. Er hat an mehreren Fernsehproduktionen teilgenommen. Schlagzeilen machte er auch, indem er die aufwendige Renovierung des Bolschoi-Theaters mit deutlichen Worten kritisierte. Es handele sich um "Vandalismus", das Theater sehe aus wie "ein türkisches Hotel".

Laut "Guardian" sagt Ziskaridseb, die Theaterleitung habe sich nach seiner Kritik von ihm abgewandt und sogar versucht, ihm zu kündigen. Nun, so sagt er, versuche die Theaterleitung andere Tänzer unter Druck zu setzen und gegen ihn aufzubringen. "Die Methoden aus dem Jahr 1937 sind zurück", sagte er dem "Guardian" - und bezog sich auf die Diktatur Stalins. Einige "böse Menschen" hätten ein Interesse daran, ihn in Misskredit zu bringen - und den Verdacht auf ihn zu lenken.

han

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