Bruchlandung in San Francisco: Pilot hatte kaum Erfahrung mit Unglücksmaschine

REUTERS

Die Suche nach der Ursache für die Bruchlandung in San Francisco läuft. Der Pilot war nach ersten Erkenntnissen noch im Training für Flüge mit einer Boeing 777. Er hatte zuvor kaum Flugstunden auf einer Maschine dieses Typs absolviert.

San Francisco - Am Steuer der Unglücksmaschine von San Francisco saß ein Pilot, der nur wenig Erfahrung mit diesem Flugzeugtyp hatte. Er habe 43 Flugstunden mit der Boeing 777 hinter sich gehabt und sei noch nie mit einem derartigen Jet auf dem Flughafen von San Francisco gelandet, sagte eine Sprecherin des südkoreanischen Verkehrsministeriums. "Der Pilot befand sich für Flüge mit einer Boeing 777 noch im Übergangstraining."

Der 46-jährige Flugkapitän Lee Kang Kuk sei aber mit insgesamt knapp 10.000 Flugstunden sehr erfahren, sagte eine Sprecherin der südkoreanischen Fluggesellschaft Asiana in Seoul. Der Flug nach San Francisco ist der Sprecherin zufolge für Piloten im Training nicht ungewöhnlich. Der Pilot habe zuvor eine solche Maschine neunmal gelandet. Außerdem habe er einen Ausbilder an seiner Seite gehabt - es sei dessen erster Flug als Trainer gewesen, das entsprechende Zertifikat habe er im Juni bekommen.

Ersten Ermittlungen zufolge war die Maschine beim Anflug viel zu langsam. Kurz vor dem Aufprall habe der Pilot noch versucht, die Landung abzubrechen, sagte die Chefin der US-Flugsicherheitsbehörde NTSB, Deborah Hersman. Es ist unklar, ob der Ausbilder und Hauptverantwortliche im Cockpit, der auf 3220 Flugstunden mit einer Boeing 777 zurückblicken kann, in letzter Sekunde das Steuer übernehmen wollte. Anderthalb Sekunden vor dem Aufprall habe die Mannschaft durchstarten wollen, sagte Hersman.

Instrumenten-Landesystem abgeschaltet

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Flugzeugabsturz in San Francisco: Suche nach der Unglücksursache
In einem Amateurvideo ist zu sehen, dass das Flugzeug sehr tief anflog. Kurz vor dem Aufprall hob sich die Nase beim Versuch, wieder an Höhe zu gewinnen. Dann prallte das Heck gegen eine Flughafenmauer. Das Flugzeug schleuderte über die Rollbahn und geriet in Flammen.

Bislang wollen weder die amerikanischen noch die südkoreanischen Behörden von einem Pilotenfehler sprechen. Der 2006 gekaufte Flieger war den Angaben zufolge Anfang Juni wegen eines Öllecks an einem Triebwerk in Reparatur. Asiana-Chef Yoon Young Doo hatte am Sonntag gesagt, die Unglücksmaschine habe nach bisherigen Erkenntnissen keine technischen Probleme gehabt.

NTSB-Chefin Hersman bestätigte unterdessen, dass zum Zeitpunkt des Unglücks während laufender Bauarbeiten das Instrumentenlandesystem des Flughafens abgeschaltet war. Sie warnte aber, daraus Schlüsse zu ziehen. "Man braucht keine Instrumente, um an diesem Flughafen zu landen", sagte sie. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte sonniges Wetter.

Bei dem Unglück am Samstag waren zwei Chinesinnen ums Leben gekommen. Eine der beiden 16-jährigen Schülerinnen wurde möglicherweise von einem Rettungsfahrzeug der Feuerwehr überrollt. Darauf deuteten ihre Verletzungen hin, sagte eine Sprecherin der Feuerwehr.

Mehr als 180 Insassen des Großraumflugzeugs wurden verletzt. 30 Menschen liegen immer noch im Krankenhaus. Acht schweben in Lebensgefahr, zwei von ihnen sind wegen Verletzungen an der Wirbelsäule querschnittgelähmt. "So chaotisch wie es am Samstag zuging, hat es eine Reihe von Wundern gegeben, dass so viele Menschen überlebt haben", sagte der Bürgermeister von San Francisco, Ed Lee. Insgesamt überlebten 305 Menschen den Crash.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Asiana-Chef Yoon Young Doo habe am Sonntag von technischen Problemen berichtet. Das ist falsch. Er sagte, die Unglücksmaschine habe nach bisherigen Erkenntnissen keine technischen Probleme gehabt. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

wit/Reuters/AP/AFP/dpa

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