San-José-Minutenprotokoll Das war der Tag der Rettung

Um 02.30 Uhr MESZ am Mittwoch wurde die Kapsel zum ersten Mal in den Schacht gesenkt. Um 05.10 Uhr war der erste Kumpel an der Erdoberfläche . 22 Stunden und 54 Minuten nach Beginn der Rettungsaktion waren alle 33 Kumpel wieder am Tageslicht. Lesen Sie alles über den Tag der Rettung im Minutenprotokoll von SPIEGEL ONLINE.


+++ 02.55 Uhr +++ Mission geglückt: Luis Urzúa, Schichtführer und Chef der verschütteten Mineros, meldet das Ende seiner längsten Schicht. Als letzter der 33 Kumpel steigt er aus der Rettungskapsel "Fénix 2". Unrasiert und müde, mit einer chilenischen Flagge auf der Schulter.

+++ 02.28 Uhr +++ Als Vorletzter klettert Ariel Ticona Yañez in die Freiheit. Der 29-Jährige war während seiner Zeit im unterirdischen Verlies Vater geworden - seine Tochter nannte er Esperanza, das spanische Wort für Hoffnung.


+++ 01.58 Uhr +++ Pedro Cortez wird ans Tageslicht geholt. Der 25-jährige Elektriker hatte beim Aufbau des Kommunikationssystems geholfen, das die Männer mit der Außenwelt verband.


+++ 01.34 Uhr +++ Endspurt: Raúl Bustos Ibáñez klettert aus der Rettungskapsel. Der 40-Jährige hatte im Februar das Erdbeben in Chile überlebt.


+++ 01.13 Uhr +++ Juan Carlos Aguilar Gaete ist als 29. der verschütteten Bergleute aus mehr als 600 Metern Tiefe aufgefahren: Der 49-Jährige arbeitet schon seit 20 Jahren im Bergbau und war selber schon öfter als Retter bei Grubenunglücken im Einsatz.


+++ 00.44 Uhr +++ Kumpel Nummer 28 ist sicher an der Oberfläche angekommen: Retter ziehen den 20 Jahre alten Richard Villarroel Godoy aus der schmalen Rettungskapsel. Seine Frau erwartet für Ende November ein Kind. Auch er trägt ein T-Shirt, auf dem er Gott für die Rettung dankt: "Gracias Señor, thank you Lord" ("Danke, Herr").


+++ 00.30 Uhr +++ Endspurt: sechs Bergleute - Richard Villarroel, Juan Aguilar, Raúl Bustos, Pedro Cortés, Ariel Ticona und Luis Urzúa - sitzen noch in der Mine fest. Bei ihnen sind fünf Helfer. Nach einem Bericht der Londoner "Times" hat sich auf dem Marktplatz von Copiapó bereits eine Menschenmenge versammelt, um eine Feier vorzubereiten. Das Fest soll beginnen, wenn der letzte der 33 Mineros an der Oberfläche angekommen ist. Tausende werden erwartet. Bereits jetzt sind der Zeitung zufolge bereits einige Dutzend Leute auf dem mit Lichtern und Girlanden geschmückten Platz. Eine Bühne ist aufgestellt worden, auf der lokale Bands spielen sollen.


+++ 00.18 Uhr +++ Franklin Lobos ist frei: Er steigt als 27. aus der Kapsel. Der frühere Profifußballer ist der einzige der 33 verschütteten Bergleute, dessen Namen vor dem Grubenunglück in Chile weit bekannt war. Als Teil der chilenischen Fußballnationalmannschaft qualifizierte er sich 1984 für die Olympischen Spiele in Los Angeles. Im Bergwerk San José hatte er zum Zeitpunkt des Unglücks als Fahrer gearbeitet. Der 53-Jährige spielt nach seiner Rettung kurz mit einem Fußball, ehe er seine Angehörigen und den Präsidenten Pinera umarmte.


+++ 00.06 Uhr +++ Es sieht immer wieder faszinierend aus, wie die Kapsel unter Tage die Höhle der Eingeschlossenen erreicht. Nun ist Franklin Lobos an der Reihe. Lobos ist 53 Jahre alt und ein ehemaliger Fußballspieler. Spaniens Star David Villa hat ihm persönlich Grüße zukommen lassen. Lobos arbeitete unter Tage als Fahrer.


+++ 23.52 Uhr +++ Der 26. Kumpel ist sicher oben angelangt: Auch bei Claudio Acuñas Weg nach oben gab es keinerlei Probleme. Er feierte am 9. September seinen 34. Geburtstag 622 Meter unter der Erde. Acuñas erster Arbeitstag in der Mine war gerade einmal drei Tage bevor er und seine Kollegen verschüttet wurden.


+++ 23.40 Uhr +++ Als 26. steigt Claudio Acuña in die Kapsel und tritt den Weg an die Oberfläche an. Er ist ein großer Fußballfan. Seine Frau hat angekündigt, ihn im Trikot seiner Mannschaft in Empfang zu nehmen.


+++ 23.36 Uhr +++ Die Fahrt nach oben des eben ans Tageslicht zurückgekehrten Renán Ávalos war der BBC zufolge die schnellste bisher - neun Minuten und 13 Sekunden. Ávalos sagte zu einem Offiziellen, die Fahrt sei "wirklich wundervoll" gewesen.


+++ 23.24 Uhr +++ Renán Ávalos ist zurück an der Oberfläche. Nur noch acht Kumpel verbleiben in der Höhle.


+++ 23.17 Uhr +++ Nach Informationen BBC werden einige der Geretteten am Donnerstag an den Zähnen operiert, die während der Zeit unter Tage sehr gelitten haben. Aber insgesamt befinden sich die Mineros in einem "mehr als zufriedenstellenden" Zustand, wie Chiles Gesundheitsminister Jaime Mañalich vor wenigen Minuten sagte. Nur zwei Kumpel müssen unter Vollnarkose operiert werden, weil bei ihnen "relativ schwere Infektionsherde" im Zahnraum diagnostiziert worden seien.

Von den 22 bis zum Nachmittag geretteten Bergleuten wurden Mañalich zufolge 17 mit einem Hubschrauber in das nahegelegene Krankenhaus gebracht. Die meisten könnten aber voraussichtlich schon ab Donnerstagnachmittag wieder entlassen werden.

Inzwischen hat auch Renán Ávalos, Kumpel Nummer 25, die Kapsel bestiegen. Er ist der Bruder von Florencio Ávalos, der als Erster an die Oberfläche gebracht wurde. Der 29-jährige Renán arbeitete vor dem Unglück erst vier Monate in der Mine.

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Rettungsaktion: "Willkommen, Helden von Chile"

+++ 23.05 Uhr +++ Die Helfer scheinen sehr viel Vertrauen in ihre Rettungsmethode entwickelt zu haben. Ursprünglich war von einem geretteten Bergmann pro Stunde die Rede - um Kapsel, Stahlseil, Winde und vor allem die Verschütteten nicht durch hohes Tempo zu sehr zu belasten. Inzwischen hat sich ein sehr gleichmäßiger Halbstundentakt eingependelt. Wenn es in diesem Tempo ohne Zwischenfälle weitergeht, müsste zwischen 03.30 und 04.00 Uhr MESZ der letzte Minero aus der Kapsel steigen.


+++ 22.59 Uhr +++ José Henríquez entsteigt der Kapsel. Wie bei seinen Kollegen zuvor brandet Applaus auf. Er lächelt, reckt die Arme in die Höhe. Seine Frau Blanca Hettiz Berrios schließt ihn in die Arme.


+++ 22.50 Uhr +++ Die Rettung des 24. Bergmanns, José Henríquez, steht ganz im Zeichen der "33": Der 54-Jährige ist einer von zu Beginn 33 eingeschlossenen Mineros. Er arbeitet seit 33 Jahren in der Mine. Und er ist seit 33 Jahren verheiratet. Henríquez befindet sich in der Kapsel auf dem Weg nach oben.


+++ 22.45 Uhr +++ Die Berichterstattung der BBC von der Rettungsaktion ist herausragend. Auch SPIEGEL ONLINE nutzt den britischen Rundfunksender als ergiebige Quelle. Doch die Qualität hat ihren Preis: Laut einem Artikel auf der Homepage des "Guardian" ist die Berichterstattung der BBC so teuer, dass das Budget für andere Großereignisse wie den G20-Gipfel, die Oscar-Verleihungen oder das Weltwirtschaftsforum gekürzt werden muss.

Dem "Guardian" zufolge hat die BBC 26 Leute an der Mine vor Ort. Die Zeitung zitiert einen internen BBC-Vermerk. Danach kostet die Berichterstattung aus Chile mehr als 100.000 Pfund. Das Budget sei bereits um 67.000 Pfund überzogen.


+++ 22.33 Uhr +++ Nummer 23 ist oben: Carlos Bugeño schließt seine Verwandten in die Arme. Die Freude und Erleichterung ist ihm anzusehen, aber er geht nicht so aus sich heraus wie andere der Bergleute. Der 27-Jährige war vor seiner Arbeit in der Mine Wachmann.

Damit warten nur noch zehn Mineros auf ihre Rettung.


+++ 22.22 Uhr +++ Als 23. Kumpel soll Carlos Bugeño an die Oberfläche geholt werden. Er befindet sich bereits in der Kapsel auf dem Weg nach oben.


+++ 22.08 Uhr +++ Die geretteten Mineros können sich auf einen Trip nach Europa freuen. Ein Reporter des "Guardian" berichtet, dass ihnen neben kostenlosen iPods und Sushi-Rationen auch Gratis-Reisen nach Griechenland angeboten werden sollen.

Demnach will das griechische Bergbau-Unternehmen Elmin seine Solidarität mit den 33 Männern zeigen, indem es jeden mit einer Begleitperson ans Mittelmeer fliegt. "Wir wollen, dass sie an unseren Stränden mit der Sonne und unserem Meer entspannen", sagte Liberis Polixronopulos, eine leitende Angestellte des Unternehmens.

Der Urlaub beinhaltet einen Aufenthalt in Madrid inklusive eines Spiels von Real Madrid. Der spanische Rekordmeister hat die Bergleute bereits vor einigen Tagen eingeladen. Anschließend soll es nach England gehen, wo sie Manchester United spielen sehen können. Fußballvereine aus aller Welt haben während der vergangenen Wochen Trikots mit Autogrammen nach Copiapó geschickt.

Die Vereinigung der chilenischen Profi-Fußballer hatte den Kumpeln bereits eine Reise nach Südkorea angeboten.


+++ 22.00 Uhr +++ Zwei Drittel der Kumpel sind gerettet: In Samuel Ávalos haben die Helfer den 22. verschütteten Bergmann befreit.

Nach Informationen der BBC wurde der vor Ávalos gerettete Yonni Barrios doch nicht von seiner Frau, sondern von seiner Freundin Susana Valenzuela begrüßt. Wochenlang haben sich die Ehefrau und die Geliebte öffentlich darum gezankt, wer denn nun die wahre Frau an der Seite des in der chilenischen Mine San José verschütteten Bergmanns ist. Mit Spannung wurde deshalb erwartet, wen der 50-jährige Elektriker denn nun vor den Kameras der Welt in die Arme schließen würde. Nachdem er am Mittwoch als 21. der 33 Kumpel an der Erdoberfläche der Rettungskapsel entstieg, umarmte er: Susana, seine Geliebte.

Mit dem Privatleben und dem Streit der beiden Frauen beschäftigten sich die chilenischen Medien in den vergangenen Wochen ausführlich. Den Berichten zufolge ist Barrios seit 28 Jahren mit Marta Salinas verheiratet; das Paar lebt aber seit Jahren nicht mehr zusammen. "Er hat mich zwar gebeten, bei der Rettungsaktion dabei zu sein, aber es hat sich herausgestellt, dass er auch die andere Dame gefragt hat und ich habe Anstand", sagte Marta Salinas der Zeitung "El Espectador". Sie verzichtete deshalb auf das medienwirksame Wiedersehen.


+++ 21.54 Uhr +++ Kumpel Nummer 22 ist Samuel Ávalos. Der 43-Jährige war Straßenverkäufer und hoffte nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in der Mine San José auf ein besseres Schicksal. Auch wenn seine Gefangenschaft unter Tage nun bald beendet sein wird - auf dieses Schicksal hätte er wohl gern verzichtet.


+++ 21.43 Uhr +++ Fernsehbilder zeigen wie Präsident Piñera an der Mine telefoniert - offensichtlich mit dem britischen Premier David Cameron, der seine Glückwünsche zur Rettungsaktion übermittelt. "Vielen Dank, David. Wir sehen uns nächsten Montag bei einer Tasse Tee in Downing Street Number Ten", sagte Pinera.


+++ 21.41 Uhr +++ An der Oberfläche umarmt Barrios eine Frau. Es herrscht eine gewisse Verwirrung darüber, wer sie ist. Ein örtlicher TV-Sender identifiziert sie als seine Ehefrau, Marta Salinas.


+++ 21.32 Uhr +++ Barrios hat es an die Oberfläche geschafft - als Minero Nummer 21. Der 50-Jährige hatte sich unter Tage den Ruf eines Krankenpflegers erarbeitet und trägt den Spitznamen "Der Doktor". Sein medizinisches Wissen eignete er sich schon als Kind an, weil seine Mutter Diabetikerin war.


+++ 21.11 Uhr +++ Als nächster soll Yonni Barrios die Kapsel besteigen. Ihn erwartet an der Oberfläche eine interessante Konstellation: Sowohl seine Frau als auch seine Freundin sind im Camp. Sie wussten nicht voneinander, bevor Barrios unter Tage eingeschlossen wurde. Erst als sie sich als Angehörige des Verschütteten meldeten, begegneten sie sich. Der "Guardian" schreibt: "Das könnte interessant werden…"


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Seite 1
Sapientia 13.10.2010
1. Lächerlich!
Zitat von sysopDer Countdown läuft: In der chilenischen Mine San José sollen*bald die ersten der 33 verschütteten Bergleute*nach oben*geholt werden -*die letzten Vorbereitungen an der Rettungskapsel laufen. Verfolgen Sie das Geschehen im Liveticker*von SPIEGEL ONLINE. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,722772,00.html
diese Berichterstattungshysterie. Früher war man froh, die Kumpel gefunden zu haben und hat sie rausgeholt, jetzt rennen Tausende von Journalisten mit Schaum vorm Mund durch die Gegend und die Kumpels sitzen immer noch da unten - eine widerliche Entwicklung.
Monark, 13.10.2010
2. *
Zitat von sysopDer Countdown läuft: In der chilenischen Mine San José sollen*bald die ersten der 33 verschütteten Bergleute*nach oben*geholt werden -*die letzten Vorbereitungen an der Rettungskapsel laufen. Verfolgen Sie das Geschehen im Liveticker*von SPIEGEL ONLINE. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,722772,00.html
Den Rettungskräften und den Eingeschlossenen*alles Gute*. Ich frage mich nur, ob der Sysop*wohl unter Hyperasteriskose*leidet. Der Sinn*der Sternchenverteilung*erschließt sich mir nicht*so ganz...
Gordons 13.10.2010
3. Glück
Das einzige was mir einfällt: Glück auf! Ich glaube das ist der Spruch für Bergleute...
Joerg grimm 13.10.2010
4. Jubel
Zitat von sysopDer Countdown läuft: In der chilenischen Mine San José sollen*bald die ersten der 33 verschütteten Bergleute*nach oben*geholt werden -*die letzten Vorbereitungen an der Rettungskapsel laufen. Verfolgen Sie das Geschehen im Liveticker*von SPIEGEL ONLINE. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,722772,00.html
Thread von der Realitaet ueberholt. Erster Kumpel ist draussen...
hr_schmeiss 13.10.2010
5. ...schön für die Bergleute!
Noch schöner für den Spon, mit Liveticker und dutzenden von Artikeln. Wir sind gerettet? Wir sind Bergleut? Wir sind Loch? Gut für das deutsche verlängerte Sommerloch, hier gibts ja sonst nix zu berichten. Oder?
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