New York - "Sandy" ist in Richtung Kanada weitergezogen, doch an der US-Ostküste werden die Menschen noch lange mit den Folgen des Sturmes beschäftigt sein. Mindestens 76 Menschen kamen durch "Sandy" in den USA ums Leben, davon laut Polizei 34 in New York City. Viele Schäden zeigen sich erst jetzt in ihrem kompletten Ausmaß, etwa die massive Zerstörung an Stromnetzen.
Zudem droht möglicherweise ein schwerer Umweltschaden. Laut CNN hat "Sandy" einen Tank in New Jersey aufgerissen. Dadurch sollen mehr als eine Million Liter Diesel abgeflossen sein. Das Unglück sei in einer Raffinerie in dem kleinen Städtchen Sewaren in New Jersey passiert, berichtete der TV-Sender.
Der größte Teil des abgeflossenen Treibstoffs sei von einem Reservetank aufgenommen worden, teilte die Küstenwache mit. Der Rest sei in den Arthur Kill-Kanal geflossen, der New Jersey vom New Yorker Bezirk Staten Island trennt. Man versuche, eine weitere Verbreitung des Treibstoffs auch in den Fluss Woodbridge Creek zu verhindern. Man sei mit Staatsbediensteten und Vertretern des Raffineriebetreibers dabei, die genaue Menge an ausgelaufenem Diesel festzustellen.
Nach Angaben des Betreibers war ein Tank gerissen, als er von "Sandy" aus der Verankerung gehoben worden war. Der Behälter wurde demnach Montagnacht beschädigt, die von der Küstenwache geleiteten Rettungsarbeiten dauern an. Unter anderem sind Reinigungslastwagen und hundert Einsatzkräfte vor Ort.
Noch immer sind sechs Millionen Amerikaner ohne Strom. Allein vier Millionen davon leben in den Bundesstaaten New York und New Jersey, teilte das Energieministerium in Washington mit. In New York musste ein weiteres Krankenhaus evakuiert werden. Die rund 500 Patienten der Bellevue-Klinik nahe dem East River in Manhattan mussten am Mittwoch ebenfalls wegen Problemen bei der Versorgung in Sicherheit gebracht werden. Das Hospital habe nach dem Sturm zunächst mit Notstromgeneratoren funktioniert, dann seien aber auch diese ausgefallen, hieß es.
In New York City sollen die öffentlichen Verkehrsmittel am Donnerstag und Freitag kostenlos genutzt werden können. Damit solle der Straßenverkehr entlastet werden, sagte der Gouverneur des Staates New York, Andrew Cuomo. Drei von sieben überfluteten U-Bahn-Tunneln seien mittlerweile freigepumpt worden.
Die Metro soll am Donnerstag auf 13 von 21 Linien laut Cuomo wieder teilweise den Betrieb aufnehmen. Ein erster Zug fuhr am frühen Morgen bereits wieder. Weil in den überschwemmten Tunneln auch Stromkabel verlaufen, blieb der Süden Manhattans weiter ohne Strom. Die Schulen sollten bis Ende der Woche geschlossen bleiben.
Die drei wichtigsten Flughäfen sollten am Donnerstag wieder in Betrieb gehen, nachdem an dem größten von ihnen, dem John F. Kennedy Airport, bereits am Mittwoch wieder eingeschränkt Flugzeuge gestartet und gelandet sind. Weiterhin geschlossen seien aber die Flughäfen Bridgeport im US-Bundesstaat Connecticut sowie Teterboro in New Jersey.
"Sandy" hat die Spendenbereitschaft der Amerikaner geweckt. Mehr als elf Millionen Dollar seien bereits gesammelt worden, berichtete das Rote Kreuz. Medienmogul Rupert Murdoch stellt eine Million Dollar zur Verfügung, ebenso wie Toyota. Die Baseball-Mannschaft der New York Yankees versprach 500.000 Dollar. Ein Spender, der anonym bleiben wolle, habe der Stadt New York 2,5 Millionen Dollar für die Wiederaufbaumaßnahmen geschenkt, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg.
Politisch kehren die USA nach "Sandy" wieder zum Alltag zurück: Präsident Obama, der sich mehrere Tage auf das Krisenmanagement konzentriert und den von "Sandy" Betroffenen unbürokratische Hilfe versprochen hatte, will sich nun wieder dem Wahlkampf widmen. Damit wird vermutlich auch Herausforderer Mitt Romney das Tempo wieder erhöhen. Der Republikaner hatte sich bei seinen Auftritten in den vergangenen Tagen angesichts der Verwüstungen durch "Sandy" mit verbalen Angriffen auf den Präsidenten zurückgehalten.
ulz/dapd/dpa/AFP
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