Satanisten-Prozess "Töte! Bringe Seelen!"

Mit 66 Messerstichen und Hammerschlägen soll ein Ehepaar, das den Teufel anbetet, das Opfer getötet haben. Vor dem Landgericht Bochum beschrieben sie ihre blutige Tat. Reue zeigten sie jedoch nicht. "Das wäre eine Beleidigung Satans", sagte der Angeklagte.


Teufelsanbeterin Manuela R.: "Setze den Herzstich!"
DDP

Teufelsanbeterin Manuela R.: "Setze den Herzstich!"

Bochum - "Es war kein Mord", verteidigte sich Manuela R. Denn sie habe die Tat auf Befehl Satans begangen. So habe eine Stimme aus der Unterwelt ihr befohlen: "Töte! Bringe Opfer! Bringe Seelen!" Zwar wollte ihr Ehemann ursprünglich nicht im Prozess aussagen, als seine Frau Details zu der Bluttat schilderte, reagierte er jedoch spontan: "Wenn man jemanden mit dem Auto überfährt, wird auch nicht das Auto angeklagt", sagte er den Richtern. Dann bestätigte Daniel R. die Aussage seiner Frau weitgehend.

Er habe den Befehl bekommen, Satan am 6. Juli ein Opfer zu bringen. Daher holte das Ehepaar einen Arbeitskollegen des Angeklagten ab. Zusammen mit dem 33-Jährigen fuhren sie in ihre mit Eichensarg, Totenkopfattrappen und SS-Runen ausstaffierte Wohnung nach Witten. Dort gehorchten sie Satans Anweisungen.

Allerdings, so die Teufelsanbeter, hätten sie "nicht wild rumgemetzelt". Nachdem ihr Mann mit einem Hammer auf den Wehrlosen eingeschlagen hatte, habe ihr Satan ein Messer gezeigt und befohlen: "Setze den Herzstich!" Am Ende des Blutbads ritzte die 23-Jährige ein Pentagramm in den Oberkörper der Leiche. Damit sollte deutlich gemacht werden, dass die Seele für Satan sei, sagte die junge Frau.

Ursprünglich, so Manuela R. weiter, hätten sie sich nach der Bluttat selbst umbringen wollen. Doch sie hätten weder die Kraft gehabt, noch hätte Satan ihnen den Befehl dazu gegeben. Nach der Tat war das Pärchen mit dem Auto quer durch Deutschland geflüchtet. Fünf Tage später waren sie im thüringischen Jena festgenommen worden.

Angeklagter Daniel R.: Nicht wild rumgemetzelt
EPA/DPA

Angeklagter Daniel R.: Nicht wild rumgemetzelt

Die 23-Jährige erklärte, sie habe zuvor mehrfach Kontakt zu Vampiren gehabt und jahrelang an Satansritualen teilgenommen. So habe sie beispielsweise auf Friedhöfen geschlafen und Blut getrunken. Ihren Ehemann lernte sie über eine Kontaktanzeige kennen - "Pechschwarzer Vampir sucht Prinzessin der Finsternis", soll darin gestanden haben. Zusammen hätten sie weiter satanistische Rituale praktiziert. Vor rund zweieinhalb Jahren habe sie Satan dann endgültig ihre Seele verschrieben. Seit jener Zeit sei sie extrem lichtempfindlich, erzählte die Angeklagte, die vor Gericht mit einer schwarzen Sonnenbrille erschienen war.

Daniel R. will sich an den genauen Ablauf der Bluttat nicht erinnern können. "Ich kann nichts bereuen, das wäre eine Beleidigung Satans." Er habe sich in einem Rauschzustand befunden. Erst als er die blutüberströmte Leiche sah, sei er wieder zu sich gekommen. Der Verteidiger sagte, er erhoffe sich von der Aussage eine Strafmilderung für die Angeklagten. "Das sind kranke Menschen. Das Gericht soll mitkriegen, was in ihren Köpfen vorgeht." Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Satanisten Mord aus niedrigen Beweggründen vor.

Die Urteile sollen voraussichtlich Ende Januar gesprochen werden. Dem Ehepaar droht neben langen Haftstrafen eine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus für unbestimmte Zeit.



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