Schatzbergung im Schlick Die letzte Fahrt der "Nanhai"

Aus 30 Meter Tiefe haben chinesische Ingenieure in einer spektakulären Bergungsaktion das Wrack eines 800 Jahre alten Handelsschiffes gehoben - beladen mit Zehntausenden Funden aus Gold, Silber und Porzellan. Der Fund könnte die Theorie von einer "marinen Seidenstraße" bestätigen.


Yangjiang - Zwanzig Jahre musste die "Nanhai No. 1" darauf warten, endlich aus 30 Metern Tiefe gehoben zu werden - keine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass sie dort im Südchinesischen Meer bereits seit 800 Jahren versunken lag. Das bereits 1987 entdeckte Wrack eines chinesischen Handelsschiffes wurde am Freitag in einer spektakulären Bergungsaktion gehoben, die seit Mai 2007 vorbereitet worden war: Chinesische Ingenieure und Archäologen konstruierten in 30 Meter Tiefe einen am Ende 3000 Tonnen schweren Käfig von der Größe eines Basketballfeldes, um das Schiff mit allem darin und darum zu heben.

Der Bergungskäfig: 3000 Tonnen schwer, so hoch wie ein dreistöckiges Haus und so groß wie ein Basketball-Feld
AP

Der Bergungskäfig: 3000 Tonnen schwer, so hoch wie ein dreistöckiges Haus und so groß wie ein Basketball-Feld

Denn natürlich ist das Holz des 30-Meter-Schiffes viel zu zerfallen, um in einem Stück gehoben werden zu können. Die eigentliche Ausgrabungsarbeit soll in einem eigens konstruierten Becken geschehen, in dem die "Nanhai" dann später auch ausgestellt werden soll - im Rahmen eines ihr gewidmeten Museums, das auch die Fundstücke präsentieren soll. Gesamtkosten: mehr als 20 Millionen Dollar.

Eine Investition, die sich nach Meinung der beteiligten Archäologen durchaus lohnt: Rund 4000 Behälter und Einzelfundstücke aus Gold, Silber und Porzellan wurden seit 1987 bereits geborgen, dazu rund 6000 Kupfermünzen, die auch die zeitliche Bestimmung des Wracks ermöglichten: Sie stammen aus der Song-Dynastie (960-1279).

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Die eigentliche Hebearbeit wurde am Freitag nach siebenmonatiger Vorbereitung innerhalb von nur zwei Stunden erledigt. Das chinesische Fernsehen übertrug live, wie das 30 Meter lange Schiff in einem Stahlkäfig auf einen Frachtkahn geladen wurde Zu sehen bekam die Welt von dem historischen Wasserfahrzeug bisher trotzdem wenig: Das Wrack ist mit einer bis zu zwei Meter dicken Schlickschicht bedeckt, die derzeit dazu beiträgt, das höchst fragile Material zu erhalten. Im Inneren des Schiffes und verborgen in dieser Schlammschicht vermuten die chinesischen Forscher noch 60.000 bis 80.000 weitere archäologisch interessante Fundstücke.

Bei den meisten davon handelt es sich wohl um Porzellan, vor 800 Jahren ein Material von immensem Wert. Aus der Position des Wracks schließen die Forscher, dass es auf dem Weg nach West-Asien oder in den Mittleren Osten war, und werten dies als Beweis für die seit langem vermutete "marine Seidenstraße" in den Mittleren Osten, nach Afrika und Europa.

Ihre Annahme: Bereits vor Hunderten von Jahren bedienten chinesische Händler analog zur Seidenstraße, dem wohl seit der Bronzezeit genutzten Handelsweg vom Mittelmeer nach Ostasien, ihre Kundschaft auch auf dem Seeweg. Belege dafür sind bisher jedoch dürr und selten.

Als besondere Herausforderung bei dem Projekt gilt die Konstruktion des Schau-Beckens für die "Nanhai No.1". Der 64 Meter lange, 40 Meter breite und 23 Meter hohe Container soll das Schiff unter Bedingungen konservieren, die denen am Fundort, an dem es 800 Jahre versunken lag, gleichen. Nach Auswertung der Funde soll die "Nanhai" in diesem "Kristallenen Palast", wie auch das Museum am Ende heißen soll, dauerhaft versenkt und versiegelt werden - mitsamt dem Schlick, in dem das Schiff gefunden wurde.

pat



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