Schatzsucher "Im Goldrausch werden die Menschen irrational"

Geheimverstecke in Badezimmerschränken, Zwischendecken in Wohnhäusern: Überall finden sich Schätze - Gold, Geld, Wertpapiere. Wer nach dem Erbe der Vorfahren oder einem Nazi-Stollen sucht, kann Andreas Maaßen engagieren. Er ist Schatzsucher.

Auftragssucher

Von Gesa Fritz


Über sein größtes Projekt mag Andreas Maaßen nicht viele Worte verlieren. Jedenfalls jetzt noch nicht. Zu groß erscheint das Risiko, dass ihm jemand zuvorkommt. Nur soviel verrät er dann doch: Irgendwo im Osten Deutschlands ist er einem geheimen Kunstgut-Depot auf der Spur.

Vor sechs Jahren hat Maaßen die ersten Hinweise auf den verborgenen Schatz erhalten, seit dem Ende des "Dritten Reiches" soll er dort lagern. "In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges haben ganze Einheiten wertvolle Dinge beiseite gebracht", erzählt der 44-Jährige. Stollen oder Höhlen sollen damals als Versteck für die Beutekunst gedient haben.

Goldene Gefäße, verloren geglaubte Plastiken, Gemälde der großen Meister - was Maaßen da zu finden hofft, will er nicht verraten. "Es wäre schon ein echter Traum, einen Stollen nach 70 Jahren als Erster zu öffnen. Selbst wenn am Ende nur alte Gasmasken darin sind", sagt Maaßen. Aber mit Gasmasken rechnet er nicht wirklich, er hofft auf eine richtig großen Coup.

Maaßen ist Auftragssucher. An ihn kann sich wenden, wer vergeblich nach etwas fahndet. Das kann ein im hohen Gras verlorenes Hörgerät sein, der im Zorn vom Balkon geschleuderte Ehering oder auch der gut versteckte Familienschatz. Absolut tabu sind für Maaßen nur antike Objekte - sie sind ein Fall für Archäologen.

"Und dann sterben sie plötzlich"

Als Auftrags-Schatzsucher steht Maaßen nicht alleine da. Vor gut 15 Jahren hat er ein deutschlandweites Netzwerk der Auftragssucher gegründet, mehr als 400 Menschen gehören dem Verbund inzwischen an. Meistens geht es bei den Anfragen um verlorene Eheringe, meistens werden diese wieder gefunden. Hinweise auf verborgene Güter aus den letzten Kriegstagen sind die Krönung für den Mann aus dem hessischen Walluf - aber auch die absolute Ausnahme.

Vielleicht einmal im Jahr geht so ein Auftrag bei ihm ein und meistens lösen sich die Geschichten schon beim Nachfragen in Luft auf. Manchmal sind die Angaben zum Versteck zu verworren, manchmal existiert der Schatz nur in der Phantasie.

Knifflig und für Maaßen interessant ist die Suche nach Familienschätzen. "Viele ältere Menschen misstrauen der Bank", so seine Erfahrung. Sie legen ihr Erspartes in Schmuck oder Gold an und verstecken es zu Hause. "Und dann sterben sie plötzlich, bevor sie den Erben das Versteck verraten haben."

Per "Uiiip" zum Glück

So war das auch bei einem seiner erfolgreichsten Fälle: Der verstorbene Vater sollte unterm Rhododendron-Busch pures Gold vergraben haben. Der Familiengrund stand zum Verkauf, das Loch, das die Erben im Garten gegraben hatten, war bereits so groß wie ein Swimmingpool. Nur vom Familienschatz fehlte jede Spur. Gefunden haben die Erben dann, über das Internet, Maaßen.

"Ich habe zehn Minuten gebraucht, bis ich das Versteck hatte", erzählt er. Acht Minuten, um seinen Detektor zusammenzubauen, zwei Minuten, bis das markante "Uiiiip" ertönte. Die Familie hatte den Schatz bei den Erdarbeiten um nur zehn Zentimeter verfehlt. Er enthielt fünf Plastiktüten, bestückt mit 19 Goldbarren und 63 Goldmünzen. Mit einem Detektor hatten die Erben es auch schon selbst versucht, Einsteigergeräte gibt es ab 100 Euro. Allerdings waren sie erfolglos.

"Nur weil man ein Auto besitzt, kann man noch lange nicht fahren", erklärt Maaßen. Beim Umgang mit dem Detektor sei ein gewisses Können notwendig.

Und selbst das allein reicht nicht für eine erfolgreiche Suche. Das Gerät zeigt Metall an, aber nicht Geldscheine oder Wertpapiere. Maaßen hilft dann seine Erfahrung - und Glück. "Ich versuche ein Feeling zu bekommen, was für ein Typ von Verberger das ist." Handwerklich begabte Menschen ziehen Zwischendecken ein oder konstruieren Geheimverstecke in Badezimmerschränken.

"Ein Bubentraum"

Im Haus leuchtet Maaßen mit Schwarzlicht, um jüngere Farbschichten zu entdecken, forscht klopfend nach Hohlräumen oder fährt mit dem Hand-Detektor die Wände ab. Zu kompliziert dürfe man aber meist nicht denken. "Viele Verstecke sind einfach zugängliche Depots", sagt Maaßen. Etwa ein Loch unter der Waschbetonplatte im Garten. Auf den ersten Blick nicht sichtbar und dennoch leicht zu befüllen und zu leeren.

Reich werden bei den Funden übrigens höchstens die Erben. "Leben kann man von der Schatzsuche nicht, das ist ein Hobby", sagt Maaßen. Für ihn bleiben in der Regel etwas Spritgeld und zehn Prozent als Finderlohn. Seine Brötchen verdient er als kaufmännischer Leiter eines IT-Hauses.

Der Kick bei der Sache ist für ihn das Jagdfieber. Rätsel knacken. Abenteuer erleben. Und im günstigsten Falle gar Gold zu Tage fördern. "Ein Bubentraum", sagt Maaßen.

Dass der Traum vom schnellen Reichtum seltsame Blüten treiben kann, hat Maaßen auch erlebt: "Im Goldrausch werden die Menschen irrational." Sie kaufen Quads zum Abtransport der Beute oder Bohrlochkameras, ohne überhaupt eine Schatzhöhle gefunden zu haben.

Und dann erzählt er von einem Fall in Mainz: Auch hier war der Vater gestorben. Drei Tage vor dem Tod des Bauunternehmers hatte die Familie ihn noch auf dem Weg in den Keller beobachtet, in der Hand eine mit Geldbündeln und zwei Pistolen befüllte Plastiktüte. "Schwarzgeld", vermutet Maaßen. Als er dazu gerufen wurde, hatten die Erben schon ganze Arbeit geleistet. "Der Keller war eine einzige Bauwüste." Die Angehörigen hatten bei der Suche Türfüllungen herausgezerrt, die Bodenfließen zertrümmert, die Deckenpanele herabgeschlagen und sogar angefangen, im Keller tragende Wände einzureißen. Die Tüte voller Geld konnte selbst Maaßen nicht auftreiben.



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Freifrau von Hase 25.03.2014
1. Spaß
Macht sicher Spaß, aber (wertvolles) Gefundenes darf man ihn Deutschland ja gar nicht behalten, oder? Meine mal gelesen zu haben, dass man das alles abliefern muss?
middleline 25.03.2014
2. optional
Wie im echten Leben. Der gewöhnliche Wiesenkapitalist glaubt ja auch, daß unendliches Wachstum möglich sein muß. Rational geht anders.
sebastian.teichert 25.03.2014
3.
Da hast du recht. Als "schatzfinder" gefundenes muss man melden. Sonst geht's bei Unterschlagung los und wäre dann Hehlerei von Diebesgut.^^ Völlig bescheuert. Aber der Staat muss sein Stück ja davon abhaben -.-
cabeza_cuadrada 25.03.2014
4. pffff.....
Zitat von Freifrau von HaseMacht sicher Spaß, aber (wertvolles) Gefundenes darf man ihn Deutschland ja gar nicht behalten, oder? Meine mal gelesen zu haben, dass man das alles abliefern muss?
wo kein Kläger da kein Richter, oder? :-) Ich finde es auch sehr spannend, ist ein wenig wie Ostereiersuchen. Hab mal auf den Kanaren Leute mit Detectoren im brusttiefen Wasser gesehen, mich aber nicht getraut zu fragen was sie suchen. Kleingeld und Schmuck doch sicher nicht... Weiß das jemand?
mickeymania 25.03.2014
5.
Zitat von Freifrau von HaseMacht sicher Spaß, aber (wertvolles) Gefundenes darf man ihn Deutschland ja gar nicht behalten, oder? Meine mal gelesen zu haben, dass man das alles abliefern muss?
Bin kein Anwalt, aber die rechtliche Lage scheint einfach zu sein. Wer sein Eigentum verliert oder auch bewußt versteckt, gibt mithin nicht das Eigentumsrecht auf. Dass heißt, es gehört nach wie vor diesem, oder hilfsweise seinen Erben. Der Finder ist also zur Rückgabe verpflichtet. Das ist übrigens auch der Fall, wenn man mal zufällig beim Spaziergang im Wald eine gefüllte Geldbörse findet. Noch etwas interessanter wird es, wenn die Sache gestohlen wurde. Hier ist dann - Stichwort Beutekunst - der tatsächliche Eigentümer zu ermitteln. Da hilft dann sicher das Fundbüro weiter. Wert oder Alter der gefunden Sache dürfte erstmal egal sein. Mich würde nur interessieren, was passiert, wenn bei der Beutekunst etwas bei wäre wo gar kein (lebender) Eigentümer mehr ermittelt werden kann. Da würde ich spontan vermuten, dass sich dann der Finder freuen darf, oder ob/wann eine Einstellung als Kulturgut vorliegt und das Zeug ins Museum wandert. Übrigens hab ich so den Eindruck, bei seiner Schatzsuche geht es Herrn Maaßen weniger drum, den großen Reibach einzufahren, sondern mehr um den Spaß beim Finden.
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