Schielender Zoo-Star: Heidi, das Opossum, ist tot

Was für ein Opossum! Sie schielte, sie konnte Oscar-Gewinner vorhersagen, vor allem aber: Sie schielte! Heidi schaffte es vom hilflosen Waisenkind zum Medienstar. Nun ist sie tot, eingeschläfert, man wollte ihr weiteres Leiden ersparen.

Opossum Heidi: Tod eines ungewöhnlichen Megastars Fotos
AFP

Leipzig - Es gibt Tiere, die sehen blöd aus, und es gibt Tiere, die sehen so blöd aus, dass sie irgendetwas im Menschen zum Klingen bringen, so dass er sagt: Och, wie niedlich!

Vielleicht ist es Mitleid, an Mutterinstinkte will man eher nicht glauben, zumindest: Heidi war so ein Tier.

Ihre Lebensgeschichte klingt wie von Walt Disney erfunden: In North Carolina kamen sie und ihre Schwester Naira in Freiheit zur Welt, beim Zoo Leipzig tippt man auf Mai 2008, so genau weiß man das aber nicht. Ein Wildhüter griff die beiden auf, ihre Mutter hatte sich wohl aus dem Staub gemacht, auf jeden Fall waren die beiden Mädchen allein unterwegs.

Heidi, damals noch vollkommen unbekannt, wurde an den Zoo Odense verkauft, von dort ging es im Mai 2010 weiter nach Leipzig. Im Dezember dann begann für den Zoo Leipzig ein neues Zeitalter: Die Ära Heidi. Fotos von ihr wurden öffentlich - Heidi schielte, die Menschen rasteten aus.

Sie mussten sich jedoch noch ein wenig gedulden, Heidi war noch in Quarantäne, es gab nur Fotos und Filmchen von ihr, die liefen dafür in Medien rund um den Globus.

Im Juli 2011 begann dann für viele Tiere im Leipziger Zoo eine Zeit der Ruhe, Heidi zog in ihren Käfig und damit den Rummel auf sich. Die Menschen standen an, um ihr einmal ganz persönlich nah zu sein und diesen "Och!"-Moment erleben zu dürfen. Schon machte sich selbst die "Zeit" sorgen, Heidi könnte zu sehr gestresst sein.

Doch ihr Tierpfleger Michael Ernst konnte beruhigen. Heidi habe längst gemerkt: "Wenn man den Leuten nicht die Schiele-Augen, sondern den Hintern zudreht, gehen die auch schnell weiter." Also nicht nur eine Fehlstellung der Augen, sondern auch noch schlau: Was für ein Opossum!

Michael Ernst ist für Heidi das, was Thomas Gottschalk für die Klum ist: der Entdecker. "Als ich Heidi zum ersten Mal sah, wusste ich, sie wird ein Star", sagte er einmal. Und so kam es.

Der MDR startete eine "Heidinovela" und berichtete regelmäßig aus dem spannenden Leben eines Opossums im Zoo. Vor der Oscar-Verleihung war Heidi Gaststar der "Jimmy Kimmel Live!"-Show des US-Senders ABC, um seine Favoriten zu wählen. Und siehe da: Bei Colin Firth und Natalie Portman lag sie richtig. Was für ein Opossum!

Am Mittwoch teilte der Zoo Leipzig mit, dass Heidi eingeschläfert werden musste. "Bereits seit einigen Wochen waren bei der Beutelratte Alterserscheinungen wie Bewegungsunlust und Arthrose aufgetreten, die mit Vitaminpräparaten und anderen Medikamenten behandelt wurden." Doch letztlich konnte Heidi niemand mehr retten.

Heidi soll nun ausgestopft werden, wo man sie künftig sehen kann, steht noch nicht fest. "Wir werden einen Ort einrichten, an dem die Menschen ihrer Trauer Ausdruck verleihen können", sagte die Sprecherin des Zoos mit ernster Stimme.

Ein für ein Opossum recht bemerkenswertes Leben ist zu Ende.

bim

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles zum Thema Bizarre Wesen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback