Trennung von Riesenschildkröten Das verflixte 115. Jahr

Mehr als ein Jahrhundert lebten Bibi und Poldi gemeinsam - doch mit der trauten Zweisamkeit ist es nun vorbei. Die eine Schildkröte mag die andere nicht mehr. Pessimisten dürfen sich bestätigt fühlen: Nichts ist für immer.

AFP/ Klagenfurt Zoo

Klagenfurt - Mehr als ein Jahrhundert waren die Galapagos-Riesenschildkröten Bibi und Poldi zusammen. Sie überlebten den Ersten Weltkrieg, den Zweiten Weltkrieg, den Kalten Krieg, die Jahrtausendwende. Und dann, im vergangenen Herbst, begann das Drama. Bibi wurde zur Furie, griff auf einmal ihren Partner an, biss ihm sogar einen Teil seines Panzers ab.

"Wir mussten sie trennen. Aber wir haben gehofft, beim ersten Frühlingsgang ins Freigehege wäre es wieder gut", sagte die Klagenfurter Zoodirektorin Helga Happ der "Kleinen Zeitung". Die Hoffnung war vergebens, alle Versuche, Bibi und Poldi zu versöhnen, sind gescheitert. "Auf einmal konnte sie Poldi nicht mehr ertragen", so Happ. Die Tiere wurden der Zoodirektorin zufolge 1897 geboren, wuchsen gemeinsam auf und wurden ein Paar.

Bibis plötzliche Abneigung gibt den Experten bis heute Rätsel auf. Am Tagesablauf der Tiere habe sich nichts geändert. "Ein texanischer Universitätsprofessor vermutete, Bibi könnte einen ihrer Sinne verloren haben und ihren Partner nicht mehr wiedererkennen", sagt Happ. "Wir haben verschiedene Tests vorgenommen, aber alles ist bei ihr in Ordnung". Der Zoo im südösterreichischen Klagenfurt hatte die beiden Tiere 1976 vom Baseler Zoo übernommen.

Man habe sogar versucht, Bibis Aggressionen mit Hilfe einer Poldi-Attrappe in den Griff zu bekommen, berichtete die "Wiener Zeitung". Die Figur aus einem Stein-Mehl-Gemisch sei mit Duftstoffen des echten Poldi versehen und in Bibis Gehege platziert worden. Daran sollte sich Bibi abreagieren. Allerdings, so die Zeitung, habe die Schildkrötendame keinerlei Interesse an der Attrappe gezeigt.

ulz/AFP



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