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Nach Dammbruch zerstörtes Dorf in Brasilien: Verschollen unter der Giftschlammwelle

Brasilien: Schlammlawine Fotos
AFP

Nach dem Deichbruch in einem Bergwerk in Südbrasilien sind noch immer zahlreiche Menschen vermisst. Eine 20 Meter hohe giftige Schlammlawine hatte ein 600-Seelen-Dorf komplett überflutet.

25 Minuten blieben den Bewohnern von Bento Rodrigues, um sich nach der ersten Flutwarnung in Sicherheit zu bringen. Es gelang noch, in Windeseile eine Schule zu evakuieren und Dutzende Leben zu retten. Doch für einige Dorfbewohner hat die Zeit wohl nicht gereicht.

Mindestens zwei Menschen sollen ihr Leben verloren haben, als eine geschätzt 20 Meter hohe Schlammlawine über das Dorf hinwegwalzte. Derzeit gelten noch 23 Bewohner als vermisst. "Die Zahl der Vermissten wird mit Sicherheit steigen, weil wir noch nicht alle Menschen erreichen konnten", sagte Bürgermeister Duarte Júnior. Helikopter überflogen die Katastrophenzone auf der Suche nach Überlebenden.

Bento Rodrigues ist ein 600-Seelen-Ort etwa 250 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro. Die Schlammlawine stammte aus einem Klärbecken der Samarco-Mine, das durch den Dammbruch zerstört wurde. Die Welle zerstörte fast die gesamte Ortschaft, riss Dächer von den Häusern und unterspülte ganze Gebäude.

"Von meinem Dorf ist nichts geblieben"

Etwa 500 der 600 Einwohner wurden in Notunterkünften untergebracht und auf mögliche Gesundheitsschäden durch den Bergwerkschlamm untersucht. Die Mine gehört zu gleichen Teilen dem brasilianischen Konzern Vale und dem australischen Unternehmen BHP Billiton. Das Unternehmen erklärte, der Schlamm enthalte keinerlei giftige Chemikalien.

Insgesamt waren sechs Dörfer von den Folgen des Dammbruchs betroffen. Etwa 60 Millionen Kubikmeter Abwasser sollen sich auf die Ortschaften ergossen haben. In der nahe gelegenen Stadt Mariana kamen Hunderte Obdachlose vorübergehend in einer Turnhalle unter. Etwa 70 Menschen wurden verletzt und von Ärzten behandelt.

"Von meinem Dorf ist nichts geblieben. Nur Erinnerungen", berichtete die 24-jährige Soraia Souza aus dem Ort Paracatu de Baixo. Sie hatte sich mit ihrem 18 Monate alten, nur mit einer Windel bekleideten Kind in Sicherheit bringen können.

Wie die Zeitung "O Globo" berichtet, könnte ein Erdbeben das Unglück ausgelöst haben. An der Universität von Brasilia hatten Wissenschaftler kurz vor dem Dammbruch mehrere kleine Beben in der Region verzeichnet.

Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung zu der Unglücksursache eingeleitet.

ala/AP/Reuters/AFP

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