Fotoreport über Schlangenkirche Ihr Biss tötet nur, wenn Gott es will

Randy Wolford wurde von einer Schlange gebissen und starb - dennoch eifert ihm sein Bruder nach und feiert Gottesdienste mit den giftigen Tieren. Der Fotograf Andrew Caballero-Reynolds war dabei.

AFP

Er hat keine Angst. Denn er verlässt sich auf seinen Glauben. Also legt er sich die Klapperschlange über die Schulter und singt. Später wickelt er sie um seine Hand, hält ihren sich windenden Körper in die Höhe, stellt sich, nur mit Socken an den Füßen, auf das Tier. Chris Wolford ist ein Schlangenpriester im US-Bundesstaat West Virginia.

Die Messen mit giftigen Schlangen werden in den Vereinigten Staaten nur noch von wenigen pfingstkirchlichen Gemeinden betrieben. Die Gläubigen sind überzeugt, dass ihnen beim "Serpent Handling" nichts geschehen kann. Und wenn doch jemand an einem Biss stirbt, denken Wolford und seine Anhänger, es sei der Wille Gottes.

Inzwischen sind die Schlangenmessen in fast allen US-Bundesstaaten verboten, sodass manche Gemeinde aufgelöst wurde oder nur noch heimlich agiert. Einzig in West Virginia ist diese Art von Gottesdienst noch legal. Für die Nachrichtenagentur AFP hat der Fotograf Andrew Caballero-Reynolds eine Messe der Kirche "House of the Lord Jesus" besucht.

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US-Kirche: Die mit den Schlangen tanzen

Kirchen wie Wolfords seien kleine Gemeinschaften, die sich häufig aus den Mitgliedern einer Familie zusammensetzten, schreibt Caballero-Reynolds. Das Pastorenamt wird von Verwandtem zu Verwandtem weitergegeben. Auch Chris Wolfords Vater war Pastor der Gemeinde, danach hatte sein älterer Bruder Randy das Amt inne.

Randy "Mack" Wolford wurde 2012 im Gottesdienst von einer Klapperschlange gebissen. Weil sein Glaube es verbat, rief er keinen Arzt. Er starb langsam im Beisein seiner Familie, wie eine Fotografin der "Washington Post" damals dokumentierte.

Trotz dieser Erfahrung übernahm Chris Wolford die Aufgabe seines Bruders, der ein Mentor für ihn gewesen sei. Viel früher als er erwartet habe, sei er selbst zum Schlangenpriester geworden, berichtet Fotograf Andrew Caballero-Reynolds.

Sie nehmen das Markusevangelium wörtlich

Wieso benutzen Leute wie Wolford überhaupt Schlangen in ihren Zeremonien? Sie nehmen eine Stelle im Markusevangelium der Bibel wörtlich: "Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden."

Und wenn es ihnen doch schadet, dann ist, so der Glaube, ihre Zeit eben gekommen. So wie bei Chris Wolfords Bruder.

Häufig werden die Schlangen in den Bergen gefangen und dann in Reptilienkäfigen gehalten, manchmal auch in den Häusern der Pastoren. Das bedeutet immer wieder Ärger für die Schlangenpriester: Jamie Coots aus Kentucky, dem der Sender National Geographic eine Doku-Serie widmete, wurde mehrmals beim Schmuggeln von Giftschlangen erwischt - was eine Bewährungsstrafe von einem Jahr nach sich zog. Coots starb 2014 nach einem Schlangenbiss.

Auf dem Höhepunkt der Messe wird Schlangengift getrunken

Bei den Wolfords beginnt eine Schlangenmesse mit einer kleinen Predigt und mit Musik. Langsam steigert sich dann das Tempo, bis auch Chris Wolford immer lauter und erregter spricht. Die Fotos von Andrew Caballero-Reynolds zeigen, wie die Gläubigen mit einer Schlange hantieren, wie sie ihre Hand über Feuer halten, wie sie schließlich Schlangengift trinken.

Auf dem Höhepunkt der Messe wirken die Gläubigen wie in Trance. Diese Beschreibung gefällt ihnen jedoch nicht, da es sich nach Kontrollverlust anhört. Und die Gläubigen sind überzeugt, dass sie alles unter Kontrolle haben.

Caballero-Reynolds schreibt jedoch, ihm sei kein besseres Wort als "Trance" eingefallen, um zu beschreiben, was er bei seinem Besuch in der kleinen Siedlung Squire in West Virginia miterlebte.



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