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26. Januar 2005, 15:31 Uhr

Schmerzensgeldforderung

Wirbel um Pochers "Wetten, dass...?"-Auftritt

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Für TV-Witzbold Oliver Pocher wird es ernst: Er hatte in der ZDF-Livesendung "Wetten, dass..." eine Frau wegen ihres Aussehens beleidigt. Die Dame verlangt nun 25.000 Euro Schmerzensgeld. Pochers Anwalt zeigte sich gesprächsbereit, an einem Streit vor Gericht habe man kein Interesse.

Kollegen Pocher und Gottschalk: "Das muss man sich nicht antun"
DDP

Kollegen Pocher und Gottschalk: "Das muss man sich nicht antun"

Hamburg - Pocher hatte der Frau vor laufenden Kameras gesagt, sie sehe "für ihr Alter alt aus, aber wir haben da im Übrigen eine schöne Operationsshow bei ProSieben, da könnte ich Sie mal vorstellen". Die Betroffene - sie heißt Dana Gottschalk, ist aber nicht mit Moderator Thomas Gottschalk verwandt - schaltete daraufhin nach der Sendung ihren Anwalt Jörg Bredemeier ein.

Bredemeier hat mittlerweile seinem Kollegen Christian Schertz, der Oliver Pocher vertritt, eine Schmerzensgeldforderung von 25.000 Euro zukommen lassen - ebenso dem ZDF. Der Fernsehsender habe mittlerweile eine Aufzeichnung der Sendung von seiner Website genommen. Die Frist bei der Forderung läuft bis zum 10. Februar. "Sollte sich bis dahin nichts getan haben, werden wir das Schmerzensgeld wegen Beleidigung vor dem Landgericht in Hannover erstreiten", kündigte Bredemeier gegenüber SPIEGEL ONLINE an. "Frau Gottschalk hat erst nach der Sendung bemerkt, dass Herr Pocher sie vor einem Millionenpublikum durch den Kakao gezogen hat. In einer seriösen Sendung wie 'Wetten, dass...?' konnte man damit auch nicht rechnen", sagte Bredemeier.

Dem ZDF ist Pochers Auftritt sichtlich peinlich. "Das ist nicht meine Vorstellung von einer guten Kinderstube", sagte Manfred Teubner, Hauptredaktionsleiter Show beim ZDF. Er bedauere den Vorfall sehr. Dass Pocher noch einmal als Moderator eingeladen wird, kann sich in Mainz niemand vorstellen. "Das muss man sich ja nicht antun", sagte ZDF-Sprecher Peter Gruhne gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Über die Produktionsfirma Brainpool ließ Pocher mitteilen: "Ich bedauere es sehr, sollte ich Dana Gottschalk verletzt haben. Meine Äußerungen waren jedoch erkennbar satirisch und nicht ernst gemeint. Natürlich bin ich sehr an einer einvernehmlichen Lösung interessiert." Sein Arbeitgeber ProSieben will jedenfalls weiter an ihm festhalten. Konsequenzen für seine Show muss Pocher nicht befürchten. "So schlimm war das Ganze auch nicht", sagte ProSieben-Sprecher Michael Ostermeier.

Moderator Pocher: Faible für schnoddrige Scherze
DPA

Moderator Pocher: Faible für schnoddrige Scherze

Pocher ist bei ProSieben ("Rent a Pocher") unter Vertrag. Das ZDF hatte den gebürtigen Hannoveraner aber für die Moderation der Außenwette in seiner Heimatstadt verpflichtet. Für die Wette sollten sich am vorigen Samstag 1000 Menschen unter Pochers Aufsicht die Haare orange sprühen lassen. Dabei riet er der Frau, sich einer Schönheitsoperation unterziehen zu lassen. Eine andere Bemerkung hatte ebenfalls Befremden im Publikum ausgelöst: Weil für die Stadtwette Friseure gebraucht würden, sollten alle Homosexuellen zum Rathausplatz kommen, sagte Pocher.

Pocher ist bekannt für seine schnoddrigen Scherze unterhalb der Gürtellinie. Die Angebote von Produktionsfirmen sprechen für sich: "Meistens wollen sie mich für üble Teenie-Wichs-Furz-Scheiß-Komödien", sagte Pocher in einem Interview. Die Peinlichkeitsgrenze seiner Show "Rent a Pocher" liege "außer Sichtweite", sagte er kürzlich der Zeitschrift "Max". Zuschauer können in der Sendung den Moderator mieten und für mehr oder weniger komische Aufgaben heranziehen. In einer Sendung stieg Pocher in ein Hundekostüm, lief auf allen Vieren durch einen Park und schnüffelte an den Geschlechtsteilen von Hunden.

Manche finden das lustig, andere nicht. "Der grobmotorisch hampelnde Moderator liefert in seinen Studio-Faxen vor hysterischem Publikum und in seinen Einspielfilmen überwiegend präpubertären Schulhofhumor, der mangels Originalität nicht einmal Trash-Wert besitzt", urteilte die "Frankfurter Rundschau".

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