Schnee und Eis in Deutschland Winterwetter sorgt für Chaos

Ob Bahn, Auto oder Flugzeug - Schneetreiben und Frost haben in ganz Deutschland den Verkehr behindert. In Dortmund rutschte ein Ferienflieger von der Startbahn, über die Ursache streiten Experten. Eines aber ist sicher: Die Bundesbürger müssen weiter frieren.


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Winterwetterchaos: Schleudern, glitschen, pflügen
Frankfurt/Main - Wenn's denn kalt wird und Schnee fällt, klagt eine der Figuren in Theodor Fontanes Roman "Irrungen, Wirrungen", könne sie schon fast katholisch werden "vor lauter Stillsitzen und Einsamkeit". Stillsitzen mussten nach dem zweiten Wintereinbruch in Deutschland viele Bundesbürger. Denn Dauerfrost und Schnee lösten am Wochenende ein Verkehrschaos aus - auf Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen.

Auf Deutschlands größtem Flughafen Frankfurt am Main waren am Sonntagmorgen zeitweise keine Landungen möglich, so dass zahlreiche Maschinen in die Warteschlange mussten. Mehr als 60 Flüge wurden umgeleitet oder fielen ganz aus. Erst gegen Mittag begann sich der Betrieb wieder zu normalisieren. Behinderungen bei Schnee und Eis gab es auch auf den Flughäfen Leipzig-Halle und Düsseldorf.

In Dortmund schlitterte ein Ferienflieger von Air Berlin mit 171 Menschen an Bord von der Startbahn. Die Maschine kippte hinter dem Ende des Ausrollweges vornüber und blieb mit der Nase in einer Wiese stecken. Verletzt wurde niemand. Die Boeing 737-800, die auf dem Weg nach Las Palmas auf Gran Canaria war, wurde nach Angaben von Air Berlin bei dem Unfall nicht beschädigt. Der Flughafen wurde zwischenzeitlich gesperrt, 28 Flüge fielen aus oder mussten umgeleitet werden. Knapp 4000 Fluggäste waren davon betroffen. Am Abend lief der Flugbetrieb wieder an. Doch auch am Montag könne es noch zu Verspätungen kommen, sagte ein Flughafensprecher.

Nach dem Unfall untersuchten Experten die Ursache. Air-Berlin-Sprecherin Diane Daedelow sagte, es habe eine "technische Unregelmäßigkeit" gegeben, die aber noch geprüft werde. Der Pilot habe deshalb den Start abgebrochen. "Er hat natürlich entsprechend gebremst und ist dann dadurch, dass die Witterung ist, wie sie ist derzeit, von der Startbahn abgekommen." Zuvor hatte Air Berlin in Frage gestellt, ob der Ausrollweg vollständig enteist wurde. Ein Flughafensprecher erklärte, alles habe sich im grünen Bereich bewegt: "Wenn die Bahn nicht frei gewesen wäre, hätte es keine Startfreigabe gegeben."

250 Kilometer Stau in Bayern

Auf deutschen Straßen gab es zahlreiche Unfälle und Staus. Mehrere Menschen kamen bei Unfällen ums Leben. Am Samstag hatte es Staus von insgesamt mehreren hundert Kilometern gegeben. Wegen der An- und Abreise in den Skigebieten sowie Schneefall stauten sich die Autos auf bayerischen Hauptverkehrsstraßen auf insgesamt rund 250 Kilometern. Allein auf der A8 von München nach Salzburg kam der Verkehr auf fast 100 Kilometern zum Erliegen. Erst gegen Abend wurde die Verkehrslage besser.

Auch Bahnreisende hatten zu Jahresbeginn wenig Glück: Vereiste Oberleitungen in Nord- und Westdeutschland, eine Weichenstörung am Berliner Hauptbahnhof und technische Störungen an Stellwerken in Berlin führten zu Verspätungen und Zugausfällen. Tausende Passagiere standen lange an Bahnhöfen in der Kälte oder mussten ihre Reisepläne ändern. Am Sonntag verspäteten sich mehrere Züge von Berlin in Richtung Köln, Hamburg und Frankfurt/Main. Grund war eine etwa einstündige technische Störung an einem Stellwerk am Ostbahnhof. Reisende berichteten von Verspätungen bis zu 45 Minuten.

An Silvester und Neujahr hatten Eisregen und vereiste Oberleitungen die Verbindungen im Norden und Westen Deutschlands bis zum Neujahrstag beeinträchtigt. Zwischen Hamburg und Köln sowie Berlin und Amsterdam ging teilweise nichts mehr. Fahrgäste mussten auf andere Strecken umsteigen. Bundesweit fuhr die Bahn nach Angaben eines Sprechers am Samstag und Sonntag größtenteils wieder planmäßig.

Thermometer sinkt nachts unter minus 20 Grad

Frostig soll es noch bis mindestens Mitte Januar bleiben. Kalte Luft arktischen Ursprungs soll laut Deutschem Wetterdienst verbreitet für strenge Nachtfröste sorgen, im Norden und Osten sowie in den Mittelgebirgstälern kann das Thermometer nachts bis unter minus 20 Grad sinken. Nach den Schneefällen am Wochenende soll es am Wochenanfang nur noch vereinzelt schneien, ab Mittwoch kann es dann wieder vermehrt schneien.

Auch in anderen Ländern müssen die Menschen frieren. In Nordchina etwa blieben Schulen wegen Schneestürmen geschlossen. Laut Experten sollen die Temperaturen in den kommenden Tagen bis minus 32 Grad sinken. Auch auf dem Flughafen in Peking herrschte Chaos: 90 Prozent aller Flüge wurden gestrichen oder waren verspätet. Ähnliches erlebten Passagiere auf dem Airport der indischen Hauptstadt Neu-Delhi, wo laut Fernsehberichten Hunderte Fluggäste warteten. Im Norden Indiens starben mehr als 30 Menschen in den letzten 24 Stunden wegen Unfällen, die durch das kalte Wetter verursacht wurden.

In der Schweiz wurden am Sonntag mindestens vier Menschen in der Schweiz von Lawinen in den Tod gerissen. Bei zwei kurz aufeinanderfolgenden Lawinenabgängen im Diemtigtal im Berner Oberland kamen drei Menschen ums Leben, zwei Tourenfahrer und ein Arzt der Rettungsflugwacht. Sechs Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Bei einem Lawinenunglück im Unterwallis starb ein Tourenfahrer.

Der strenge Winter widerlegt aber nach Überzeugung des Wissenschaftlers Manfred Wendisch nicht die Studien zur Erderwärmung. "Man darf Klimaveränderungen und Wettererscheinungen nicht verwechseln", sagte der Leiter des Meteorologischen Instituts der Uni Leipzig der "Leipziger Volkszeitung". Fakt sei, "dass die letzten zehn Jahre alle wärmer waren als im klimatologischen Mittel." Die Vorhersagen über die Klimaentwicklung seien sehr unsicher, räumte Wendisch ein: "Es handelt sich um ein Experiment mit unklarem Ausgang."

kgp/dpa/ddp/AFP/AP

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Seite 1
fritzes_flitze 03.01.2010
1. Gestatten, drei ...
... Fragen bitterscheen: Was soll denn die fortwährende, stets aufs Neue bemühte Sülze von wegen "Chaos"? Und ferner, was gibt's da zu "Diskutieren"? Soll das auf Kundenbindung hinauslaufen?
Pinarello, 03.01.2010
2. Unglaublich!
Zitat von sysopOb Bahn, Auto oder Flugzeug - Schneetreiben und Frost haben in ganz Deutschland den Verkehr behindert. In Dortmund rutschte ein Ferienflieger von der Startbahn, über die Ursache streiten Experten. Eines aber ist sicher: Die Bundesbürger müssen weiter frieren. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,669876,00.html
Unglaublich, warum hat Mutti das genehmigt, Schnee, Eis und Frost im Winter, das gab´s ja noch nie:-)
newright 03.01.2010
3. The Change
Finde das auch unmöglich das sich das Wetter nicht daran hält was Frau Merkel, Gabriel und Co befehlen. Aber keine Sorge es wird noch kälter. Die Jünger der Church of CO2 müssen einfach mehr zu ihren Göttern in Form von Wissenschaftlern beten dann wird das schon. Und wenn alle Stricke reißen in wirklich ist es so warm das wir die Kälte herhalluzinieren.
systemfeind 03.01.2010
4. in der "ddr" gab`s einen Spruch :
Zitat von sysopOb Bahn, Auto oder Flugzeug - Schneetreiben und Frost haben in ganz Deutschland den Verkehr behindert. In Dortmund rutschte ein Ferienflieger von der Startbahn, über die Ursache streiten Experten. Eines aber ist sicher: Die Bundesbürger müssen weiter frieren. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,669876,00.html
und der ging so : "Der Sozialismus hat vier Feinde : Frühling Sommer Herbst und Winter " kaum zu glauben , daß der Flugbetrieb durch ein paar cm Schnee gestört wird . Da hat wohl wieder jemand an der falschen Stelle gespart .
ehi2306 03.01.2010
5. Eis und Schnee
Es freut mich ja, dass doch noch viele Kommentare Augenmaß aufweisen. Wann lernen es ernsthafte Journalisten endlich, in ihrer Begrifflichkeit nicht von Schneechaos sondern einfach von Winterwetter zu sprechen. Das Chaos liegt doch nicht im Wetter sondern in der Unfähigkeit der zivilisierten Welt sich darauf einzustellen. Hier zeigt sich die Unsinnigkeit, die Mobilität den Gesetzen eines vermeintlichen Wettbewerbs zu unterwerfen. Immer schneller wird die Zeit- und Mobilitätsspirale, bei der geringsten Störung (die augenblickliche Wetterlage kann man maximal als geringe Störung bezeichnen, was tun, wenn´s mal richtig schneit)klappt alles zusammen. besonders rächt sich hier die einseitige Verkehrspolitik zugunsten des motorisierten Individualverkehrs und der größten Umweltschleuder - dem Luftverkehr. Leider wurde im ÖPNV und bei der Bahn so kaputtgespart, dass hier oft auch nichts mehr geht.
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