Schnee und Eis: Deutsche Airports müssen Hunderte Flüge streichen
Das Winterwetter bringt Flugpläne durcheinander: In Frankfurt, München und London wurden zahlreiche Verbindungen gestrichen, in Paris fielen sogar 40 Prozent aller Flüge aus.
Berlin - Wer in diesen Tagen eine Flugreise antreten will, sollte viel Zeit haben - oder sich möglicherweise nach einem alternativen Transportmittel umsehen. Vor allem in Frankfurt und München hat das Winterwetter die Flugpläne am Montag kräftig durcheinander gebracht. Etwa 180 Flüge wurden in Frankfurt gestrichen, allein Lufthansa sagte nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport 140 Verbindungen ab. "Es kommt mit Sicherheit noch zu Verspätungen", sagte ein Fraport-Sprecher.
Auf dem Flughafen München sollten 200 Flüge ausfallen. Ein Sprecher des Airports forderte Reisende auf, sich im Internet zu informieren. Die Lufthansa empfahl ihren Passagieren, anstelle von innerdeutschen Flügen auf die Bahn umzusteigen. Das Ticket könne in einen Bahn-Gutschein umgetauscht werden, sagte eine Lufthansa-Sprecherin.
Auch am Flughafen Berlin-Tegel gab es Verspätungen und Flugausfälle. "Grund dafür ist der Eisregen in Frankfurt und München am Sonntag", sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Auch am Flughafen Leipzig/Halle fielen Flüge aus - einem Sprecher zufolge vorerst nur die Verbindungen von und nach Frankfurt sowie München.
Starke Schneefälle und Glätte hielten zum Wochenstart in vielen Teilen Deutschlands auch Autofahrer und Einsatzkräfte auf Trab. In den Mittelgebirgen fielen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in der Nacht zum Montag rund 20 Zentimeter Neuschnee, in München waren es 13 Zentimeter. Lediglich der äußerste Nordosten blieb demnach zunächst verschont.
Zahlreiche Unfälle, mehrere Verletzte
Glatte Straßen gab es in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern, Berlin, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Immer wieder kam es zu Unfällen, mehrere Menschen wurden verletzt.
In Hessen rutschten Autos in Gräben, Lastwagen steckten fest. "Man kann nur empfehlen, äußerst langsam zu fahren", sagte ein Polizeisprecher in Wiesbaden. In Frankfurt und Darmstadt standen die Straßenbahnen zunächst still, in Kassel legte Schnee Busse und Bahnen auf manchen Strecken lahm. Vereiste Oberleitungen behinderten den Straßenbahnverkehr in Mannheim und Heidelberg sowie in der Region Bergstraße.
Auch in Thüringen kam es auf der A4 zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen. Mehrere Lkw saßen in der Nacht zu Montag auf winterglatter Fahrbahn an der Landesgrenze zu Hessen an Steigungen fest. Das Technische Hilfswerk (THW) war seit 3 Uhr nachts im Einsatz, um die Lastwagen wieder anzuschleppen. Es bildeten sich bis zu 50 Kilometer lange Staus. Am Morgen musste die A4 bei Stadtroda in Richtung Frankfurt am Main nach einem Lkw-Unfall zeitweise voll gesperrt werden.
Winterlich war die Lage auch in Bayern. Allein in Oberfranken gab es von Sonntagnachmittag bis in die Nacht hinein mindestens 46 Unfälle durch Glatteis, wie die Polizei in Bayreuth mitteilte. Dabei wurden mindestens acht Menschen verletzt. Am schlimmsten traf es die A9 bei Bayreuth, die in eine wahre Rutschbahn verwandelt wurde. Dort krachte es seit Sonntagabend mindestens 20-mal. Meist blieb es bei Blechschäden, mindestens drei Menschen wurden dabei leicht verletzt.
In Schleswig-Holstein wurden laut Polizei bei Unfällen seit Sonntagabend sechs Menschen verletzt. Auch in Niedersachsen gerieten am Morgen viele Autos ins Rutschen, es blieb aber meist bei Blechschäden.
Europas Flughäfen beugen sich Schnee und Eis
Auch an zahlreichen weiteren Flughäfen in Europa haben Schnee und Eis zu Ausfällen und Verspätungen geführt. An Europas größtem Flughafen London Heathrow wurden mindestens 130 Flüge wegen schlechter Sicht gestrichen, wie die Betreiber mitteilten. Bereits am Wochenende hatten am Flughafen Heathrow teils chaotische Zustände geherrscht, weil Hunderte Verbindungen ausgefallen waren. Der Flughafen East Midlands blieb vorübergehend geschlossen.
Noch schwerer als London traf es die Pariser Flughäfen Charles de Gaulle und Orly. 40 Prozent aller Flüge fielen dort wegen des Wetters aus, wie die Flughäfen am Morgen auf ihren Internetseiten mitteilten. Im Laufe des Vormittags sei jedoch eine Besserung der Wetterbedingungen in Sicht.
Auch der Amsterdamer Flughafen Schiphol und der Internationale Flughafen in Wien warnten auf ihren Internetseiten vor Einschränkungen im Flugverkehr. Allein bis zur Mittagszeit waren in Amsterdam laut Abflugliste mehr als 70 Flüge gestrichen worden. Nahezu alle anderen Flüge wurden als verspätet angekündigt. In Wien fielen bis mittags mehr als drei Dutzend der Flüge aus. Bei der Mehrzahl der anderen Flüge hatte sich die Abflugzeit deutlich verzögert.
Tausende britische Kinder haben schulfrei
Laut Wetterbericht hat der Winter Europas nördliche Metropolen auch in den kommenden Tagen mit Temperaturen um den Nullpunkt und Schneefall weiter fest im Griff.
Für Tausende Schulkinder in England, Wales und Schottland fiel der Unterricht aus. Der Wetterdienst warnte vor allem für den Nordosten Englands und Regionen an der Grenze zu Schottland vor neuen Schneefällen. Teilweise wurden bis zu 20 Zentimeter erwartet. Am Wochenende waren in Schottland vier Bergsteiger gestorben, nachdem sie von einer Lawine erfasst worden waren.
Eis und Schnee machten auch Belgien zu schaffen: Hochgeschwindigkeitszüge des Thalys, der Brüssel mit Paris und Deutschland verbindet, verkehrten mit teilweise erheblichen Verspätungen oder gar nicht. Mehrere Eurostar-Züge von Belgien nach Großbritannien wurden abgesagt. Die Bahnunternehmen rieten Kunden, ihre Reise möglichst zu verschieben.
Anders hingegen sieht es zurzeit in Griechenland aus: Dort herrschen frühlingshafte Temperaturen. Auf der Insel Kreta wurden am Sonntag 20 Grad Celsius gemessen. Am Montag erwartete das Wetteramt Werte um die 21 bis 22 Grad. In Athen zeigten die Thermometer 18 Grad. Gleichzeitig ist es sehr feucht. Grund für die ungewöhnliche Wärme sind Luftmassen, die aus der Sahara über das Mittelmeer kommen. Das feuchtwarme Wetter soll in den nächsten sechs Tagen andauern.
siu/dpa/dapd
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