Schneesturm US-Ostküste ruft den Winternotstand aus

Der Osten der USA versinkt im Schnee: Im Großraum Washington ist das öffentliche Leben lahmgelegt. Tausende Menschen sind von der Stromversorgung abgeschnitten, Züge und Flüge fallen aus, die Behörden riefen den Notstand aus. Meteorologen warnen: Es wird noch schlimmer.


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Schneesturm: Washington in Weiß

Washington - Über die US-Ostküste ist einer der heftigsten Schneestürme der vergangenen Jahre hereingebrochen. Der Verkehr kam vielerorts zum Erliegen, in zahlreichen Haushalten fiel der Strom aus. Meteorologen warnten, dass der Sturm im Großraum Washington die schwersten Schneefälle seit 90 Jahren bringen könnte.

Für die Bundesstaaten von Virginia bis New Jersey sagten die Experten bis zum Samstagabend bis zu etwa 80 Zentimeter Neuschnee voraus. Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 64 Kilometern pro Stunde und wegen der Schneemengen sei der Sturm mit einem Blizzard zu vergleichen. Die Lage sei äußerst gefährlich, urteilte der Nationale Wetterdienst und sprach eine Blizzard-Warnung bis Samstagabend um 22 Uhr aus. In dieser Zeit sollten die in der betroffenen Region lebenden acht Millionen Menschen wenn möglich zu Hause zu bleiben.

Im Staat Maryland fielen innerhalb kürzester Zeit 50 Zentimeter Schnee. An den drei größten Flughäfen im Raum Washington-Baltimore und am internationalen Flughafen von Philadelphia wurden die meisten Flüge gestrichen. Die Behörden riefen dazu auf, auf Autofahrten zu verzichten. Die U-Bahn in Washington stellte den Betrieb der oberirdischen Strecken ein, insgesamt 40 Haltestellen wurden geschlossen. Seit Freitagabend fahren auch keine Busse mehr. Damit waren die Vororte Washingtons vom öffentlichen Nahverkehr ausgeschlossen. Zahlreiche Züge zwischen Washington und New York fielen aus, auch einige Bahnverbindungen von Washington in den Süden wurden gestrichen.

Bundesstaaten rufen den Notstand aus

In mehr als 120.000 Wohnungen in Washington und Umgebung fiel der Strom aus, weil umgestürzte Bäume Stromleitungen kappten. Die Bundesstaaten Virginia und Maryland sowie der District of Columbia mit dem Stadtgebiet Washington riefen den Notstand aus, um staatliche Sonderhilfen wie den Einsatz der Nationalgarde zu ermöglichen. Schon bezeichnen US-Medien das Ereignis als "Snowmageddon" oder "Snowpocalpyse".

Behörden der betroffenen US-Staaten meldeten Hunderte von Unfällen. In Virginia kamen ein Vater und ein Sohn ums Leben, die einem steckengebliebenen Autofahrer helfen wollten: Sie wurden von einem Lastwagen erfasst. "Die Dinge sind in den Griff zu bekommen, die ersten Bäume stürzen unter der Schneelast aber schon um", sagte ein Sprecher der Washingtoner Feuerwehr, Pete Piringer, in der Nacht zum Samstag.

Am frühen Freitagnachmittag glich Washington bereits einer Geisterstadt. Die Regierung schickte viele Beamte vier Stunden früher nach Hause. Schulen, Gerichte und sogar Militärstützpunkte schlossen wegen der Unwetterwarnung. Fernsehsender empfahlen, sich auf bis zu fünf Tage zu Hause einzustellen. Daraufhin stürmten die Menschen die Supermärkte, um sich mit Lebensmitteln einzudecken. Viele hatten sich auf ein Partywochenende eingestellt, weil am Sonntag mit dem Superbowl das Finale um die American-Football-Meisterschaft stattfindet.

Erst kurz vor Weihnachten hatten Washington und die Region einen schweren Schneesturm mit knapp einem halben Meter Neuschnee zu überstehen. Der schwerste Schneesturm mit 71 Zentimeter Schnee in Washington wurde 1922 registriert. Das damalige Unwetter wurde als "Great Knickerbocker Storm" bekannt, weil damals unter den Schneelasten das Knickerbocker Theatre in Washington einstürzte. Fast 100 Menschen kamen dabei ums Leben.

phw/sto/Reuters/dpa/AP/AFP



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