Schönheitschirurgie Gold unter der Haut

Die Methoden der Schönheitschirurgen werden immer trickreicher. Zurzeit gelten haarfeine Goldfäden unter der Haut als der letzte Schrei unter den Anti-Falten-Mitteln.


Alle eifern dem Ideal nach: Tanzende Schönheit in Rio
SPIEGEL TV

Alle eifern dem Ideal nach: Tanzende Schönheit in Rio

Bonn - Über die 24-karätigen Fäden des Edelmetalls wird Wirkstoff Polyglycolacid an die Haut abgegeben. Das sei der ultimative Faltenkiller, sagte Face-Lifting-Spezialist Dimitrije Panfilov am Samstag auf einem Symposium ästhetisch-plastischer Chirurgie in Bonn. Auf dem Gipfeltreffen der Gesichts-Designer diskutierten mehr als 200 Experten aus den USA, Brasilien, Mexiko, Spanien, Belgien, der Schweiz und Deutschland die Möglichkeiten der Branche.

Das Geschäft mit der Schönheit boomt. Für ihren Traum von einem größeren Busen, einer kleinen Nase oder einem faltenfreien Gesicht legen sich allein in Deutschland jährlich 100.000 Patienten auf den OP-Tisch. Panfilov hat eine psychologische Untersuchung an 118 Patienten durchgeführt und weiß, was seine Patienten zu ihm führt: "Diese Menschen sind allesamt extrovertiert, kontaktfreudig, emotional empfindlich, aber auch selbstkritisch und perfektionistisch."

Schon junge Frauen unter 25 Jahren stehen bei Panfilov Schlange, um sich bevorzugt Nase und Ohren korrigieren zu lassen. Das Verfahren hat sich enorm vereinfacht. 90 Prozent aller Lifting-Patienten können noch am Tag des Eingriffs die Klinik wieder verlassen. "Manche Frauen bekommen eben zum 18. Geburtstag eine Nasenoperation geschenkt", erzählt die Brüsseler Lid-Lifting Expertin Helga Eder. Seit 30 Jahren hilft sie ihren Patienten dabei, die Spuren der Zeit zu verwischen. "Es handelt sich nicht um kosmetische, sondern um medizinische Behandlungen", betont sie.

Eder ist, ebenso wie ihre Kollegen auf dem Symposium, Ärztin. "Leider gibt es in der Branche auch schwarze Schafe", räumt sie ein. Schließlich handelt es sich bei der Bezeichnung Schönheitschirurg nicht um einen geschützten Begriff. Und an dem Traum vom perfekten Körper lässt sich viel Geld verdienen. Eine Nasenkorrektur kostet in Panfilovs Bonner Privatklinik 4500 Euro, eine Brustvergrößerung 6000 Euro und Fettabsaugen, je nach Masse, bis zu 11.000 Euro.

Doch nicht nur Amerikaner und Europäer lassen der Schönheit vom Chirurgen nachhelfen. Allein in Brasilien verdienen 3600 Ärzte am Traum von ewiger Jugend. Und im arabischen Raum hat der Boom erst begonnen: "Bisher galten dort Schönheits-OPs als Tabu", sagt eine Mitarbeiterin des amerikanischen Implantate-Herstellers Mentor. Inzwischen würden für das Fettabsaugen eigens deutsche Spezialisten eingeflogen.

Tabu war der Gang zum Schönheitschirurgen bislang auch für den Mann. Aber das hat sich geändert. Waren vor 20 Jahren noch 90 Prozent aller Patienten Frauen, hat der Männeranteil inzwischen die 30-Prozent-Marke erreicht. Was Männer wünschen: Fettabsaugen, Auffütterung der Haarpracht - oder die Penisverlängerung, die Panfilov neu im Angebot hat.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.