Schönheitskönigin "Eine Miss Universe kann die Welt verändern"

Ende Mai wird in Mexiko-City aus 77 attraktiven Frauen die Miss Universe gewählt. Für Deutschland startet die 19 Jahre alte Berlinerin Angelina Glass. SPIEGEL ONLINE sprach mit ihr über Schönheit, Männer und zu wenig Schlaf.


SPIEGEL ONLINE: Guten Tag, Frau Glass, ich ...

Glass: Hallo, wir sollten schnell anfangen. Ich habe nicht viel Zeit. Und ich sollte Ihnen noch sagen, dass die Telefone abgehört werden.

SPIEGEL ONLINE: Bitte?

Glass: Nein, nein, das war nur ein Scherz, weil es immer so knackt in der Leitung. Aber wir haben Kameras auf den Fluren. Und ständig einen Sicherheitsmann an unserer Seite, wenn wir auf die Straße gehen. Mexiko-City ist eine gefährliche Stadt.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie bedroht?

Glass: Nein, das nicht. Das sind reine Vorsichtsmaßnahmen, weil wir doch ein politisches Ziel sind.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind was?

Glass: Ein politisches Ziel. Ein Anschlag auf die Wahl zur Miss Universe würde die ganze Welt erschüttern. Aber keine Sorge, ich fühle mich gut beschützt. Ein wenig mehr Privatsphäre wäre jedoch manchmal schön.

SPIEGEL ONLINE: Apropos Privatsphäre. Wie ist es eigentlich, wenn 77 schöne Frauen vier Wochen lang Tag und Nacht aufeinanderhängen? Himmel oder Hölle?

Glass: Hmm. Weder noch, würde ich sagen. Es gibt keinen Zickenkrieg, wenn Sie das meinen. Wir haben überhaupt keine Zeit, uns zu streiten. Obwohl ich schon feststelle, dass die Lateinamerikanerinnen eine ganz andere Mentalität haben. Sie sind sehr ehrgeizig. Bei manchen blieb auch der Gang zum Schönheitschirurgen sicher nicht aus. Und sie sind aufgebrezelt, als wären sie bei der Queen eingeladen. Dabei kommen sie doch eigentlich aus bitterarmen Ländern.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie eitel, Frau Glass?

Glass: Ich kann schon im Jogginganzug auf die Straße gehen, ohne mich zu schämen.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange brauchen Sie morgens im Bad?

Glass: Zehn Minuten. Ich dusche, ziehe mich an und lege etwas Wimperntusche auf. Das ist alles. Hier allerdings müssen wir uns schon morgens total auftakeln. Auf High Heels und komplett geschminkt treten wir dann zum Frühstück an, um sechs Uhr! Und vor Mitternacht kommen wir nie ins Bett.

SPIEGEL ONLINE: Weil Sie so lange feiern?

Glass: Von wegen. Alkohol ist absolut tabu für uns. Aber jeden Abend sind irgendwelche Gala-Veranstaltungen oder festliche Abendessen mit Sponsoren. Das wird immer spät. Die Leute denken, die Wahl zur Miss Universe hieße, vier Wochen lang am Strand zu liegen, aber das stimmt nicht. Es ist harte Arbeit und kostet Kraft. Ich will endlich mal wieder die Beine hochlegen und meine Ruhe haben!

SPIEGEL ONLINE: Sie teilen sich ein Zimmer mit Christa Rigozzi, der Miss Schweiz. Wie klappt das Zusammenleben?

Glass: Gut. Es ist schön, Deutsch zu sprechen.

SPIEGEL ONLINE: Mögen Sie einander?

Glass: Ja.

SPIEGEL ONLINE: Kein Neid, keine Missgunst, keine Zickereien?

Glass: Nein.

SPIEGEL ONLINE: Vier Wochen lang sind Sie in Mexiko. Haben Sie Bücher eingepackt?

Glass: Eins. "Der Zahir" von Paulo Coelho. Eine romantische Geschichte, leicht politisch angehaucht.

SPIEGEL ONLINE: Kommen wir vom Romantisch-Politischen zum Populär-Philosophischen. Was bedeutet Schönheit für Sie?

Glass: Hmm. Schönheit? Dass Frauen in Würde altern können, Ausstrahlung, Weiblichkeit, Natürlichkeit.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie sich vorstellen, sich eines Tages einer Schönheitsoperation zu unterziehen?

Glass: Ich fühle mich wohl, so wie ich bin. Eine Schönheits-OP käme für mich nur in Frage, wenn ich wegen meines Aussehens ernsthafte psychische Probleme entwickeln sollte. Jede Falte im Gesicht einer Frau beschreibt doch ihr Leben und ist deshalb etwas Schönes.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Falten?

Glass: Ich bin 19. Nein, natürlich nicht!

SPIEGEL ONLINE: Welche Platzierung rechnen Sie sich eigentlich aus?

Glass: Ich hoffe, unter die ersten 20 zu kommen. Das wäre schon toll. Obwohl man als Miss Universe natürlich wunderbare Möglichkeiten hätte ...

SPIEGEL ONLINE: ... zu reisen, die Welt kennenzulernen, interessante Menschen zu treffen?

Glass: Ja, ja, aber das meine ich gar nicht. Als Miss Universe kann man etwas bewegen, man kann die Welt verändern, verbessern vielleicht. Es gibt so viel Armut und Elend auf der Welt, dagegen muss etwas getan werden.

SPIEGEL ONLINE: Lernen Sie eigentlich leicht Männer kennen?

Glass: Ja, aber ich bin meistens kühl und abweisend, um mich zu schützen. Viele Männer wollen eine schöne Frau doch nur als Trophäe. Sie nutzen sie aus und betrachten sie als Spielzeug. So naiv bin ich nicht. Und deshalb werde ich auch nicht die nächste Frau an Dieter Bohlens Seite sein!

SPIEGEL ONLINE: Als Miss Universe muss man Single sein, so steht es in den Statuten. Wenn Sie die Wahl hätten zwischen dem Titel und der großen Liebe, wofür würden Sie sich entscheiden?

Glass: Für den Titel! Keine Frage. Ich glaube nicht an die große Liebe. Ich will einen absolut perfekten Mann, und den gibt es nicht. Als Miss Universe jedoch könnte ich etwas bewirken und verändern, eine Spur in der Welt hinterlassen. Das ist eine schöne Vorstellung, finde ich.

Das Gespräch führte Jörg Diehl



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