Debatte über Schönheitswettbewerb: RAI verbannt Miss Italia aus Programm

Entscheidung der RAI: Addio, Miss Italia! Fotos
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Die Wahl zur Miss Italia ist künftig nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen. Der Sender RAI bezeichnet das Format als veraltet. Nun tobt die Debatte: Ist der Schönheitswettbewerb eine kulturelle Institution - oder pure Fleischbeschau?

Rom - Giusy Buscemi dürfte die letzte Miss Italia gewesen sein, die ihren Titel vor den Augen des öffentlich-rechtlichen Fernsehpublikums gewann. Die Sendeanstalt RAI hat entschieden, den Wettbewerb nach 25 Jahren künftig nicht mehr zu übertragen. Das Format sei veraltet, sagte RAI-Chef Luigi Gubitosi laut der Nachrichtenagentur Ansa.

Der Schritt schien nur eine Frage der Zeit. RAI stand unter Druck. Die Einschaltquoten der Wahl waren gesunken. Zudem gab es Kritik an der Art, wie die Kandidatinnen bei dem Wettbewerb gezeigt wurden. Die Vatikan-Zeitung "L'Osservatore Romano" lobte die Entscheidung: Mit der Übertragung der Miss-Wahl sei der Öffentlichkeit kein Dienst getan.

Laura Boldrini, Präsidentin der Abgeordnetenkammer, würdigte die Entscheidung als "zivilisiert und modern". Sie sehe einen klaren Zusammenhang zwischen Sexismus im Fernsehen und Übergriffen auf Frauen. Sie hoffe, junge Frauen würden nun im Fernsehen wertgeschätzt, anstatt dass man sie mit nummerierten Kleidungsstücken herumlaufen lässt.

Patrizia Mirigliani, Organisatorin des Wettbewerbs, sieht das selbstverständlich ganz anders. "Miss Italia" sei eine Familiensendung; ähnliche würden weltweit im Fernsehen gezeigt. RAI sei vom Steuerzahler finanziert. Deshalb solle der Sender versuchen, das Format zu modernisieren. Die Wahl würdige Frauen keinesfalls herab. "Ich habe in den vergangenen Jahren hart daran gearbeitet, den Wettbewerb zu verändern und zeitgemäß zu gestalten", sagte sie.

Bei "Miss Italia" gehe es um schöne Frauen, die Herausforderungen gerne annähmen. "Aber diese Idee ist im Fernsehen nicht durchgedrungen." Beispielsweise stellten Moderatoren den Frauen noch immer blöde Fragen.

Unterstützung erhielt Mirigliani von rechtsgerichteten Politikern. Er sei zwar nie ein Fan von Schönheitswettbewerben gewesen, sagte Gian Marco Centinaio, Senator der rechtspopulistischen Lega Nord. Aber er verteidige das "heilige Recht von Frauen, stolz ihre Schönheit zur Schau zu stellen".

Spärlich bekleidete Frauen sind im italienischen Fernsehen keine Seltenheit. In Sendungen vom Quiz bis zum Talk sind sie in öffentlich-rechtlichen wie auch privaten Sendern zu sehen. Mit derartigen Formaten haben sich besonders Kanäle im Medienimperium von Silvio Berlusconi hervorgetan.

ulz/AP

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