Schloss-Verlosung in Schottland Mit fünf Pfund sind Sie dabei

45 Zimmer, ein Zwei-Hektar-Grundstück an der "schottischen Riviera" - und das Ganze für nur fünf Pfund: Die Engländerin Susan DeVere verlost ihr Schloss. Das ist schwieriger als gedacht.

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Wer sich Susan DeVeres Pressemitteilung anschaut, könnte meinen, es gehe nicht um ein Schloss im Süden Schottlands, sondern um das Paradies auf Erden: Pfauen und Fasane, Rotwild und Singvögel, so heißt es da, tummeln sich rund um Orchardton Castle, im Garten gedeihen Palmen, der Golfstrom und die schützende Bucht schenken dem Anwesen an der Irischen See ein mildes Klima - ein "magischer, ruhiger und heilender Ort" an der "schottischen Riviera".

Wer mit DeVere telefoniert, könnte überdies meinen, es handle sich nicht bloß um ein Paradies, sondern um ein unverschämt günstiges dazu: "Es ist nicht teuer zu unterhalten", sagt die Engländerin, "man muss das Gleiche machen wie in jedem anderen Haus." Ihre Prognose von 2000 bis 3000 Pfund Instandhaltungskosten pro Jahr klingt zwar allzu optimistisch, doch sie verspricht, die anfallende Grunderwerbsteuer in Höhe von einer Viertelmillion Pfund zu übernehmen.

Und wer das britische Boulevardblatt "The Sun" liest, könnte schließlich meinen, so eine Chance bekomme man nur einmal im Leben: "Atemberaubendes viktorianisches 2,5-Millionen-Pfund-Schloss mit 45 Zimmern und Kino mit 20 Plätzen könnte Ihnen gehören - für nur einen Fünfer."

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Orchardton Castle: Schöner wohnen in Schottland

Tatsächlich handelt es sich hier vor allem um eines: eine Lotterie, wie üblich mit viel Werbung und geringer Gewinnwahrscheinlichkeit. Unüblich hingegen ist der Hauptgewinn. Susan DeVere verlost in dem selbst organisierten Gewinnspiel ihr eigenes Schloss samt Zwei-Hektar-Grundstück. Das zumindest hatte sie geplant, doch die Lostrommel will nicht recht in Gang kommen - trotz hymnischer Lobpreisungen des Hauptgewinns.

Bereits seit einigen Jahren versuche sie Orchardton Castle loszuwerden, erzählt DeVere. Sie habe viele Interessenten gehabt, am Ende aber seien alle abgesprungen, sie habe viel Zeit verloren - und irgendwann gedacht: Warum nicht verlosen?

Aber auch das funktioniert offenbar nicht. Bis zum 18. Mai will DeVere rund 550.000 Lose verkauft haben, zum Preis von wahlweise fünf Pfund, sechs Euro oder sieben Dollar. Wie DeVere jedoch einräumt, hat sie bislang weit weniger als 100.000 Lose verkauft, die Zahlungssysteme hätten Probleme gemacht. Sollten die Losverkäufe bis Freitag nicht deutlich zulegen, erhalte der Gewinner möglicherweise nur einen Anteil am Schloss oder einen Geldpreis.

Eine Woche Probewohnen

Noch aber hat DeVere die Hoffnung nicht aufgegeben. Erreicht sie ihr Ziel von 550.000 Losen, will sie das ganze Schloss abgeben und 1,5 Millionen Pfund für sich behalten. Immerhin habe sie rund eine Million Pfund in das Gebäude investiert und erst im vergangenen Jahr das Dach erneuern lassen. Den Rest der Einnahmen aus der Verlosung möchte sie spenden, etwa an den "Rainbow Children's Trust", eine Wohltätigkeitsorganisation, die Familien mit erkrankten Kindern unterstützt.

DeVere kaufte das Schloss im Jahr 2003 für 450.000 Pfund. Das Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert, laut DeVere beherbergte es in der Vergangenheit unter anderem ein Hotel, eine Schule und eine Künstlerkommune. Die neue Besitzerin lebte zunächst mit Freunden dort, dann allein, später mit Mann und Sohn, immer mit viel Besuch.

Nun aber wolle sie in die Nähe ihrer Mutter ziehen, die in England lebe. Zudem, sagt sie, sei das Schloss eigentlich viel zu groß für eine Person. "Hier sollten ein paar Familien gemeinsam einziehen", sagt DeVere. "Oder irgendeine Art von Unternehmen, zum Beispiel ein Hotel."

Sollte sie genug Lose verkaufen und der Gewinner zum Schlossbesitzer werden, darf er eine Woche lang in Orchardton Castle probewohnen, sagt DeVere - wer das Schloss nicht haben wolle, könne einen Geldpreis wählen. "Dass das jemand tut", sagt DeVere, "kann ich mir allerdings nicht vorstellen." Allein: Dass sie derart wenig Lose verkauft, konnte sie sich vermutlich auch nicht vorstellen.

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