Gesägt, getan Zwingend notwendig

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Ohne Schraubzwingen kommt man beim Basteln nirgendwohin - aber wohin mit den Dutzenden Zwingen? Eine selbstgebaute Aufbewahrung bringt Ordnung ins Chaos, dürfte aber Ästheten abschrecken.

Werkzeuge lassen sich in zwei Kategorien unterteilen. Es gibt welche, von denen man nur ein gutes Exemplar braucht. Und welche, von denen es gern mehr sein dürfen.

Zur ersten Kategorie gehören beispielsweise Spaltäxte. Eine gute reicht, ein Sortiment ist unnötig und höchstens Ausdruck einer verfehlten Einkaufspolitik. In die zweite Gruppe fallen dagegen etwa Eimer. Und vor allem Schraubzwingen. Wenn der Satz "Davon kann man nie genug haben" auf irgendetwas zutrifft, dann auf sie.

Die Kehrseite ist freilich, dass man sie irgendwo verstauen muss, zumal Schraubzwingen ziemlich sperrig sind. Als ich irgendwann vor ein paar Wochen eine Bestandsaufnahme machte und 57 unterschiedlichste Zwingen (Klammern inbegriffen) zählte, wurde mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Es kann kein Zufall sein, dass derDuden zum Wort "Sammelsurium" den Beispielsatz "in dem Schuppen befand sich ein Sammelsurium von Gerätschaften" nennt.

Das traf die Situation in meinem Bastelschuppen ziemlich präzise. Die Zwingen lagen auf der Werkbank oder dem Boden herum, hingen notdürftig an Haken, die eigentlich für Fahrräder oder Gartengeräte vorgesehen waren. Es war unmöglich, eine Zwinge in die Hand zu nehmen, ohne eine andere weglegen zu müssen. Und das gerade benötigte Exemplar war selbstverständlich nie greifbar, weil es im Zweifelsfall immer unter einem Haufen anderer Zwingen begraben lag.

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Regal für Schraubzwingen: Der Ordnungs-Quantensprung

Es musste eine vernünftige Lösung her, sie war sozusagen, ähem, zwingend notwendig. Hausgemacht, individuell auf meinen Schuppen und mein Zwingen-Sammelsurium zugeschnitten:

  • Die Aufbewahrung sollte für verschiedene Zwingen tauglich sein. Es wäre extrem nervig, wenn man sich für jedes Exemplar merken müsste, welcher Schlitz denn nun gerade der passende ist. Eine Garage sollte ja idealerweise auch so gebaut sein, dass nicht nur exakt eine Sorte Auto hineinpasst.
  • Die Zwingen sollten leicht zu greifen und ebenso einfach wieder aufzuhängen sein.
  • Jede Zwinge sollte abgenommen werden können, ohne andere aus dem Weg räumen zu müssen.
  • Beim Herausnehmen einer Zwinge sollten die anderen hängenbleiben und nicht aus Versehen mit herunterreißen. Das Gefühl, hinterrücks und unerwartet eine Schraubzwinge auf Kopf und Schulter zu bekommen, ist nicht besonders angenehm, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann.
  • Das Ganze sollte aus vorhandenem Material gebaut werden. Glücklicherweise hatte ich einige Reststücke Siebdruckplatte und Sperrholz herumliegen.

Online hatte ich eine Reihe verschiedener Optionen gesehen: Haken für mehrere Zwingen gleicher Größe, ein fahrbarer Ständer, eine große Kiste, ein Wandregal mit schmalen Schlitzen für jede einzelne Zwinge.

Alles, was Platz auf dem Boden wegnimmt, schied für mich aus. Im Bastelschuppen steht schon genug Kram herum, für mehr Zeug auf dem Boden ist er einfach zu klein. Die Wandregal-Option dagegen schien alle Bedingungen zu erfüllen. Sie war zwar nicht besonders platzsparend (von hübsch gar nicht zu sprechen), aber was Ordnung und Übersichtlichkeit angeht ein Quantensprung im Vergleich zum aktuellen Zwingen-Chaos.

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Gesägt, getan

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Der Entwurf des Regals wäre vermutlich deutlich einfacher gewesen, wenn ich nicht so viele unterschiedliche Zwingen hätte. Jaja, ich weiß, das könnte man auch als Ausdruck einer verfehlten Einkaufspolitik werten. Zu meiner Verteidigung: Manche der Zwingen habe ich nicht gekauft, sondern geerbt.

Es brauchte etwa ein halbes Dutzend Versuche auf Papier, um die Anordnung der Halterungen an der Schuppenwand festzulegen. Nach langem Überlegen entschied ich, zwei Regale zu bauen: Eines für alle kleineren Zwingen und eines für die längeren Exemplare. So, dachte ich mir, fällt wenigstens nur ein Teil des Werkzeugs herunter, falls meine Konstruktion irgendwann nachgeben sollte.

Dafür gibt es glücklicherweise bislang keine Anzeichen. Meine Zwingenregale sind stabil. Aber Ästheten sollten lieber ihre Augen abwenden. Die Schlitze für die einzelnen Zwingen habe ich mit Bohrmaschine und Stichsäge in die Platten gemacht. Die Kanten sind ausgerissen, die Lücken nur auf den ersten Blick einigermaßen gleichmäßig. Und so viele Vorteile Siebdruckplatten auch haben, eine Augenweide sind sie nicht gerade.

Was soll's. Die Halterungen tun ihren Dienst. Die Zwingen lassen sich wunderbar abnehmen und wieder weghängen. Ein paar Schlitze sind noch frei, und das ist auch sinnvoll. Es wäre doch sehr verwunderlich, wenn ich meine Sammlung nicht noch um ein paar Zwingen erweitern sollte. Denn davon kann man schließlich nie genug haben.



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9 Leserkommentare
Chilango 02.06.2018
Referendumm 02.06.2018
keule³² 02.06.2018
ogs 03.06.2018
motomac 03.06.2018
frenchie3 03.06.2018
Sandbänker 03.06.2018
123Valentino 03.06.2018
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