Todesschütze von Washington: "Wie auf der Jagd nach Menschen"

Schütze Alexis: Wahllos die Flure entlanggestreift Zur Großansicht
REUTERS/Kristi Suthamtewakul

Schütze Alexis: Wahllos die Flure entlanggestreift

Er lief über die Flure und schoss auf jeden, den er sah: Überwachungsvideos zeigen, wie Aaron Alexis auf einem Marinestützpunkt zwölf Menschen tötete und acht verletzte. Der 34-Jährige feuerte wahllos auf seine Opfer - laut Ermittlern ist bei der Tat kein Muster zu erkennen.

Washington - Aaron Alexis verfolgte bei seiner Bluttat auf einer Marinebasis in Washington offenbar keinen genauen Plan. Bei den Schüssen habe es "kein erkennbares Muster" gegeben, sagte FBI-Chef James Comey. "Mir scheint es, als sei er die Flure entlanggestreift wie auf der Jagd nach Menschen." Der 34-jährige Alexis sei mit einer abgesägten Schrotflinte "ohne besondere Richtung oder besonderes Ziel" durch die Flure auf einer Marinebasis gestreift und habe wahllos auf Menschen geschossen.

Die Angaben des FBI basieren vor allem auf Aufnahmen von Überwachungskameras im Gebäude 197 des Kommando- und Verwaltungszentrums der Marine auf dem Gelände des historischen Navy Yard in der US-Hauptstadt.

Alexis fuhr demnach mit dem Auto auf den Stützpunkt. Unklar ist, wie er die Waffe ins Gebäude bringen konnte. Überwachungsaufnahmen zeigen, wie er mit einer Tasche eine Toilette betritt und dann mit der Waffe in der Hand den Raum verlässt. Die Ermittler wissen nicht, ob Alexis das Gewehr in Einzelteile zerlegt transportierte. Die Waffe war laut Comey am Schaft und am Lauf abgesägt.

Beschäftigte kehren auf Marinebasis zurück

Um kurz nach acht Uhr morgens kam Alexis laut Comey mit der abgesägten Schrotflinte des Fabrikats Remington 870 aus der Toilette und begann, auf jeden zu schießen, der in seinem Weg stand. Nach dem Blutbad im dritten und zweiten Stock sei der Marine-Reservist ins Erdgeschoss gestürmt, wo er einen Wachmann erschossen und dessen halbautomatische Beretta-Pistole an sich genommen habe.

Anschließend kehrte Alexis den Angaben zufolge in die oberen Stockwerke zurück, schoss so lange mit seiner Schrotflinte, bis er keine Munition mehr hatte - und setzte das Blutbad mit der Pistole des getöteten Wachmannes fort.

Alexis erschoss zwölf Menschen und verletzte acht, ehe er etwa eine halbe Stunde nach Beginn des Blutbads in einem Feuergefecht mit der Polizei starb. Zu einem möglichen Motiv wollte sich Comey nicht äußern. Ermittler würden weiter Indizien sammeln, darunter auch Informationen über Alexis' Geisteszustand.

Am Donnerstag waren Tausende Beschäftige wieder zur Arbeit auf die Militärbasis zurückgekehrt. Das Gelände war mehrere Tage wegen der Ermittlungen im Fall Alexis gesperrt gewesen. Er hatte auf der Militärbasis als Subunternehmer für einen externen Computerdienstleister gearbeitet.

Polizei informierte Marine über Alexis

Bereits kurz nach der Tat kamen Fragen auf, warum ein Mann wie Alexis überhaupt eine Zugangsberechtigung für die Militärbasis hatte bekommen können. Der 34-Jährige war mehrfach aufgefallen, weil er seine Aggressionen nicht unter Kontrolle halten konnte. Bei der Polizei war er wegen mehrerer Zwischenfälle mit Schusswaffen aktenkundig. Während seiner Zeit in der Marine in den Jahren 2007 bis 2011 belangte das Militär ihn wegen verschiedener Vergehen.

Zudem hatte Alexis offenbar psychische Probleme, er wurde im August wegen Schlaflosigkeit behandelt. Den Ärzten sagte er, er habe keine aggressiven Gedanken; er begab sich auch nicht in psychologische Behandlung.

Die Polizei von Rhode Island hatte die Navy im August darüber informiert, Alexis habe berichtet, Stimmen zu hören; zudem gebe es Personen, die "Vibrationen" in seinen Körper sendeten. Die Navy muss nun die Frage beantworten, warum diese Informationen nur bis zu den unteren Hierarchieebenen der Sicherheitsleute auf der Basis vordrangen.

Firma für Sicherheitschecks in der Kritik

Auch die Firma Usis, die Mitarbeiter externer Unternehmen auf deren Zuverlässigkeit und Sicherheit hin überprüft, steht im Fokus. Usis arbeitet als Dienstleister für die Personalverwaltung der US-Streitkräfte. 2007 überprüfte die Firma Alexis - und befand ihn als geeignet, Zugang zu militärisch sensiblen Orten zu erhalten.

Die Firma war schon anderweitig in die Kritik geraten: Usis hatte Edward Snowden überprüft. Dadurch bekam Snowden Zugang zu hochbrisantem Material über die Überwachungsmethoden des Geheimdiensts NSA. Dieses brachte Snowden an die Öffentlichkeit und löste damit einen riesigen Skandal aus.

Alexis' Tat war das zweite Blutbad auf einer US-Militärbasis innerhalb weniger Jahre. im November 2009 hatte ein Schütze auf dem Stützpunkt Fort Hood in Texas 13 Personen getötet und 32 verletzt - aus Rache für US-Militäreinsätze in muslimischen Ländern. Der Schütze wurde im vergangenen Monat zum Tod verurteilt.

Das Pentagon kündigte nach dem Amoklauf an, die Sicherheitsstandards auf allen Stützpunkten weltweit zu überprüfen. Am Sonntag ist in Washington eine Trauerfeier für die Opfer geplant, an der auch Präsident Barack Obama teilnehmen soll.

ulz/AFP/Reuters

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USA: Das Blutbad von Washington

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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Washington: Blutbad auf Navy-Stützpunkt